Bibliothekar und Archivar , und die Familie von Arten hatte in ihm einen geistigen Berather , dessen Treue , dessen umsichtige Verläßlichkeit sich bei den verschiedensten Gelegenheiten eben so tröstend als klug vermittelnd und versöhnend bewährt hatte . Gemeinsame Jugenderinnerungen und ein langes gemeinsames Leben hatten den Baron und den Caplan zu Freunden gemacht , so weit Herr und Diener , so weit ein auf seine Standesvorrechte stolzer Edelmann und ein auf seine Würde achtsam haltender Geistlicher , so weit ein freier Lebemann und ein Mann von Selbstbeherrschung und von dem strengsten Lebenswandel Freunde sein konnten . Der Baron war ein Freidenker in Bezug auf die Dogmen der Religion , aber er hatte eine lebhafte Phantasie , und während er die biblischen Wunder leugnete , war er sehr geneigt , nach der Weise seiner Zeit , an das Wunderbare zu glauben . Der Caplan seinerseits war ebenfalls nicht streng orthodox , indeß er war ein eifriger und treuer Bekenner seiner Kirche und hielt für seine Person unwandelbar an dem Moral- und Sittengesetze derselben fest . Er hatte Anfangs die Verbindung des Barons mit einer Protestantin , so weit es an ihm lag , zu verhindern gesucht . Als er dann aber gesehen , daß der Entschluß desselben einmal gefaßt sei , hatte er sich durch die vortrefflichen Eigenschaften der jungen Gräfin mit der Absicht des Freiherrn ausgesöhnt , und zufrieden , daß derselbe überhaupt zur Ehe schreite , das Weitere vertrauensvoll der Zukunft überlassen . Wenn der Baron sich dem Geistlichen überlegen fühlte , weil er sich das Recht zuerkannte , sein Leben nach seinem Ermessen zu führen und zu genießen , so gaben dem Caplan seine makellosen Sitten und seine gründliche Gelehrsamkeit ein moralisches Uebergewicht über den Baron , das um so schwerer in die Wage fiel , als ruhige Menschenbeobachtung und Welterfahrung den Geistlichen milde und nachsichtig für fremde Schwäche gemacht hatten . Da nun der Baron von weichem Herzen war und das Gute liebte und that , sofern es ihm keine großen Opfer kostete , und da er in seinem Leben auf äußern Anstand hielt , so hatte der Caplan unter dem Schutze seines Herrn vielfach nützlich wirken , viel Gutes fördern , manches Unrecht verhindern oder vergüten können , und beide waren in der Regel mit einander auch wohl zufrieden gewesen . Der Caplan wußte viel Lobenswerthes an seinem Herrn zu würdigen ; der Baron rühmte sich , einen verläßlichen Freund und einen wahren Schatz an Jenem zu besitzen , und eben diesen Morgen hatten sie bei Aufstellung der Statuen wieder eine recht angenehme Stunde mitsammen zugebracht . Auch jetzt , als der Baron dem Caplan gegenüber Platz genommen hatte , sagte er , noch einmal nach den beiden Ecken des Gemaches hinblickend , als habe ihn bis dahin nichts Anderes beschäftigt : Die beiden Figürchen behaupten sich doch überall ! Sie werden , denke ich , meiner Frau in diesem Zimmer Vergnügen machen , wenn schon ich freilich an eine Frau nicht dachte , als ich sie damals in Neapel erstand . Gewiß ! sie nehmen sich hier noch besser aus , als in der Bibliothek . Die halbe Lebensgröße schrumpfte in dem hohen Saale zu sehr zusammen , bestätigte der Caplan , der schon früher mehrmals vorgeschlagen hatte , die Statuen aus dem Bibliotheksaale zu entfernen und hier aufzustellen . Eine kleine Weile saßen die beiden Männer schweigend sich gegenüber . Des Barons Blicke glitten von einem Gegenstande auf den anderen , selbst seine Stellung wechselte er ungewöhnlich oft . Dem Caplan entging das nicht . Er lehnte gelassen in seinem Sessel . Den Kopf auf die Hand gestützt , sah er dem Spiele der Flammen im Kamine zu , es ruhig erwartend , was der Baron ihm mitzutheilen haben werde . Denn daß dieser ihm eine Eröffnung zu machen gedenke , davon hielt er sich überzeugt . Wissen Sie , lieber Freund , nahm der Baron denn auch mit einem Male das Wort , ich fange an , mit einer Art von Vergnügen an die Ehe zu denken , so schwer mir der Entschluß dazu Anfangs auch geworden ist . Ja , ich habe Stunden , in denen ich es bedauern könnte , mich nicht früher verheirathet zu haben . Dieses Bedauern ist vielversprechend für die Zufriedenheit Ihrer Zukunft , gnädiger Herr , versetzte der Caplan verbindlich . Ich glaube das selbst , fuhr der Baron fort . Wäre es freilich nach meinem verstorbenen Vater und nach Ihnen gegangen , so hätte ich mich schon vor zwanzig Jahren verheirathen müssen , und es mag vielleicht recht gut sein , wenn man sich in der Jugend mit aller Schwärmerei der ersten Liebe zur Ehe entschließt . Sie hat uns dann für das Opfer , für das nicht hoch genug anzuschlagende Opfer unserer Freiheit , neue Genüsse und große Entzückungen zu bieten , die sie uns später , wenn wir die Frauen kennen und den Werth der Ungebundenheit erst völlig schätzen lernten , nicht mehr zu gewähren hat . Ein fertiger Mann befindet sich einem jungen Mädchen gegenüber doch immer in der Lage , ohne alle eigenen Illusionen großen Illusionen entsprechen zu sollen , und Sie müssen mir zugeben , daß dies seine bedenkliche Seite hat . Der Caplan blickte mit dem Ausdrucke einer gewissen Verwunderung den Sprechenden an , dessen Worte etwas ganz Anderes aussagten , als die Einleitung hatte vermuthen lassen . Der Freiherr bemerkte dies , und schnell einlenkend , sprach er : Trotz dieser Einsicht , die sich ein Mann wie ich nicht fortphilosophiren kann , ist meine bevorstehende Gebundenheit mir erwünscht . Auch die Lust an der Freiheit , an der Selbstbefriedigung erschöpft sich , und ich stelle es mir angenehm vor , das Glück eines jungen Wesens zu machen , das mir vertrauensvoll sein Leben in die Hand giebt . Es mag in solchem Gefühle sich das herannahende Alter verkünden , aber in der That , ich empfinde so ! Ein kaum merkliches Lächeln in seinen Mienen widersprach jedoch