meine Geduld erschöpft und ich will von all ' dem Unsinn keine Silbe mehr hören . Also merk ' es Dir , Regina : Du gehst nicht mehr zur Beicht in ' s Kloster und Ihr geht beide nicht zurück in ' s Sacré Coeur . Ich werde mit Euch reisen , Euch die Welt zeigen . Das wird Deine Ueberspannung kurieren und Corona davor bewahren . Hast Du mich verstanden ? « » Ja , mein lieber Vater , « sagte Regina freundlich , küßte zärtlich des Grafen Hand und entfernte sich so ruhig , so heiter , als ob all diese Anordnungen ihren Wünschen entsprochen hätten . Er sah ihr nach und murmelte für sich : Im Grunde ist sie ein prächtiges Mädchen ! es tut ihr leid , ich weiß es , nicht in ' s Sacré Coeur zurückzukehren und nicht mehr dem alten , kreuzbraven , langweiligen Graubart da drüben beichten zu dürfen ; aber keine Miene verzogen ! aber kein Wort gesagt ! aber keine Träne vergossen ! keine einzige Träne ! O wie hat ihre arme Mutter mich gelangweilt mit ihren Tränen ; - denn was kann man tun einem weinenden Weibe gegenüber ? Nachgeben ? - das mag man nicht . Also nicht nachgeben und sie weinen lassen nach Belieben . Prächtiges Mädchen , die Regina ! Soll auch prächtig bleiben ! .... nur nicht fromm sein , nur nicht Betschwester werden , nur nicht in ' s Kloster gehen ! - Wie mag denn wohl die Kleine gesinnt sein ? - - Er ging die breiten Stufen hinab , die aus dem Saale auf die Terrasse führten . Der westliche Himmel schwamm in der Rosenglut des Sonnenunterganges , während im Osten die Nacht aufstieg und mit ihrem bläulichen , von blassen Sternen durchwebten Schleier mehr und mehr den Horizont umhüllte . Die Landschaft sank in unbestimmte Schatten hinein ; nur Kloster Engelberg lag noch rosig angehaucht auf seiner einsamen Höhe und schimmernd wand sich der Main durch die dunkelnden Ufer . Korona lag , gestützt mit beiden Armen , auf der Brustwehr der oberen Terrasse . Als sie Schritte auf dem Kieswege hinter sich hörte , kehrte sie sich rasch um , lief dem Grafen entgegen und sagte mit der jubilierenden Stimme der Kinder , wenn sie so recht froh sind : » O lieber Vater , hier ist es schön ! « » Das freut mich zu hören , Korona ! Du willst also nicht , wie Regina , in ' s Kloster ? « » Nein , nicht in ' s Kloster ! ich will in der Welt bleiben ! sie gefällt mir gar zu gut - die Welt ! « » Närrchen ! « sagte der Graf lachend ; » was denkst Du denn eigentlich in der Welt anzufangen ? « » O , « rief sie , » ich will in der Welt dem lieben Gott dienen . « Graf Windecks Angesicht verfinsterte sich wieder . Er ging in den Saal zurück , in welchen soeben Lampen und Zeitungen gebracht wurden und murmelte für sich hin : » Was ist das nur für eine fixe Idee bei den Kindern , daß sie Gott dienen wollen ? Gottesdienst - den gibt es , ja ! Da wird die Messe gelesen , Hochamt celebriert und dergleichen . Dem wohnt man bei - wenn man Lust hat . Aber dann noch ganz extra Gott zu dienen , wie der Knecht dem Herrn , wie der Soldat dem König dient - das ist ein famoser Einfall der beiden Mädchen , von dem ich sonst nie das mindeste gehört habe . Was sie wohl darunter verstehen ? immerfort beten ? - ob das im Kloster möglich ist , weiß ich nicht . In der Welt ist es aber unmöglich - das weiß ich - immerfort zu beten . « Und so beruhigt durch diesen Ausspruch , als habe er sein halbes Leben mit Ergründung dieser Sachen zugebracht , griff er zu seinen Zeitungen . Regina hatte sich nach dem östlichen Teil des Schlosses begeben . Da lag die Kapelle , die als ein länglich runder Ausbau in eine Gruppe uralter Linden hineintrat und die mit einem flachen Dach gedeckt war , welches einen geräumigen Altan vor Reginas Zimmer im oberen Stockwerk bildete . Eine kleine Wendeltreppe , in der Dicke der Mauer angebracht , verband hier beide Stockwerke , sodaß Regina unbemerkt aus ihrem Zimmer in die Kapelle gelangen konnte . Diese war ihr Lieblingsplatz im väterlichen Schloß . Kein Blick auf die Schönheiten der Natur , auf die Werke der Kunst - um wie viel weniger auf Bilder und Schätze der Welt hatte für sie einen solchen Zauber , als der - auf den Tabernakel dieses einfachen Altars . In der Kapelle war keine Spur von dem Luxus , womit alle anderen Räume des Schlosses ausgestattet waren . - Die Lampe , in welcher das ewige Licht brannte , und die Altarleuchter waren von unedlem Metall ; die Blumenvasen von geringem Glas ; nirgends ein heiliges Gemälde oder ein frommes Standbild ; aber Blumen in Fülle , gestickte Teppiche und anderes mehr , was aus weiblichen Händen hervorging . Für eine würdige Ausstattung der Schloßkapelle hatte der Graf immer eine leere Kasse , erschöpft durch die ewigen Betteleien von Müßiggängern und Faullenzern . Dies behauptete er wenigstens , und so nannte er die Notleidenden und Dürftigen . Regina bekümmerte sich aber nicht über die Armut der Kapelle ; sie sah im Glauben die Stätte von allem Glanz des Himmels erfüllt und vermißte nicht die irdische Pracht . Jetzt trat sie ein , sorgsam zwei Kränze tragend , die sie , nachdem sie das Sanktissimum angebetet hatte , zu Füßen eines Kruzifixes aufhing , vor welchem sie niederkniete und in andächtiges Gebet versank - in die Betrachtung des Leidens Christi , des Leidens der göttlichen Liebe , deren mystisches Bild in der Sprache gottliebender Seelen jene Kränze waren - der eine von Granaten