aber wußte man noch nicht , was in das Zimmer kommen würde . In dem Garten war Zwergobst , es waren Gemüse-und Blumenbeete , und an dem Ende desselben , von dem man auf die Berge sehen konnte , welche die Stadt in einer Entfernung von einer halben Meile in einem großen Bogen umgeben , befanden sich hohe Bäume und Grasplätze . Das alte Gewächshaus hatte der Vater teils ausbessern , teils durch einen Zubau vergrößern lassen . Sonst hatte das Haus auch noch einen großen Hof , der gegen den Garten zu offen war , in dem wir , wenn das Gartengras naß war , spielen durften , und gegen welchen die Fenster der Küche , in der die Mutter sich viel befand , und der Vorratskammern herab sahen . Der Vater ging täglich morgens in die Stadt in sein Verkaufsgewölbe und in seine Schreibstube . Die Handelsdiener mußten der Ordnung halber mit ihm gehen . Um zwölf Uhr kam er zum Speisen so wie auch jene Diener , welche nicht eben die Reihe traf , während der Speisestunde in dem Verkaufsgewölbe zu wachen . Nachmittag ging er größtenteils auch wieder in die Stadt . Die Sonntage und die Festtage brachte er mit uns zu . Von der Stadt wurden nun viel öfter Leute mit ihren Kindern zu uns geladen , da wir mehr Raum hatten , und wir durften im Hofe oder in dem Garten uns ergötzen . Die Lehrer kamen zu uns jetzt in die Vorstadt , wie sie sonst in der Stadt zu uns gekommen waren . Der Vater , welcher durch das viele Sitzen an dem Schreibtische sich eine Krankheit zuzuziehen drohte , gönnte sich nur auf das Andringen der Mutter täglich eine freie Zeit , welche er dazu verwendete , Bewegung zu machen . In dieser Zeit ging er zuweilen in eine Gemäldegalerie , oder zu einem Freunde , bei welchem er ein Bild sehen konnte , oder er ließ sich bei einem Fremden einführen , bei dem Merkwürdigkeiten zu treffen waren . An schönen Sommerfesttagen fuhren wir auch zuweilen ins Freie und brachten den Tag in einem Dorfe oder auf einem Berge zu . Die Mutter , welche über die Erwerbung des Vorstadthauses außerordentlich erfreut war , widmete sich mit gesteigerter Tätigkeit dem Hauswesen . Alle Samstage prangte das Linnen weiß wie Kirschenblüte auf dem Aufhängeplatze im Garten , und Zimmer für Zimmer mußte unter ihrer Aufsicht gereiniget werden , außer denen , in welchen die Kostbarkeiten des Vaters waren , deren Abstäubung und Reinigung immer unter seinen Augen vor sich gehen mußte . Das Obst , die Blumen und die Gemüse des Gartens besorgte sie mit dem Vater gemeinschaftlich . Sie bekam einen Ruf in der Umgebung , daß Nachbarinnen kamen und von ihr Dienstboten verlangten , die in unserem Hause gelernt hätten . Als wir nach und nach heran wuchsen , wurden wir immer mehr in den Umgang der Eltern gezogen , der Vater zeigte uns seine Bilder und erklärte uns manches in denselben . Er sagte , daß er nur alte habe , die einen gewissen Wert besitzen , den man immer haben könne , wenn man einmal genötigt sein sollte , die Bilder zu verkaufen . Er zeigte uns , wenn wir spazieren gingen , die Wirkungen von Licht und Schatten , er nannte uns die Farben , welche sich an den Gegenständen befanden , und erklärte uns die Linien , welche Bewegung verursachten , in welcher Bewegung doch wieder eine Ruhe herrsche , und Ruhe in Bewegung sei die Bedingung eines jeden Kunstwerkes . Er sprach mit uns auch von seinen Büchern . Er erzählte uns , daß manche da seien , in welchen das enthalten wäre , was sich mit dem menschlichen Geschlechte seit seinem Beginne bis auf unsere Zeiten zugetragen habe , daß da die Geschichten von Männern und Frauen erzählt werden , die einmal sehr berühmt gewesen seien , und vor langer Zeit , oft vor mehr als tausend Jahren gelebt haben . Er sagte , daß in anderen das enthalten sei , was die Menschen in vielen Jahren von der Welt und anderen Dingen , von ihrer Einrichtung und Beschaffenheit in Erfahrung gebracht hätten . In manchen sei zwar nicht enthalten , was geschehen sei , oder wie sich manches befinde , sondern was die Menschen sich gedacht haben , was sich hätte zutragen können , oder was sie für Meinungen über irdische und überirdische Dinge hegen . In dieser Zeit starb ein Großoheim von der Seite der Mutter . Die Mutter erbte den Schmuck seiner vor ihm gestorbenen Frau , wir Kinder aber sein übriges Vermögen . Der Vater legte es als unser natürlicher Vormund unter mündelgemäßer Sicherheit an , und tat alle Jahre die Zinsen dazu . Endlich waren wir so weit heran gewachsen , daß der gewöhnliche Unterricht , den wir bisher genossen hatten , nach und nach aufhören mußte . Zuerst traten diejenigen Lehrer ab , die uns in den Anfangsgründen der Kenntnisse unterwiesen hatten , die man heut zu Tage für alle Menschen für notwendig hält , dann verminderten sich auch die , welche uns in den Gegenständen Unterricht gegeben hatten , die man Kindern beibringen läßt , welche zu den gebildeteren oder ausgezeichneteren Ständen gehören sollen . Die Schwester mußte nebst einigen Fächern , in denen sie sich noch weiter ausbilden sollte , nach und nach in die Häuslichkeit eingeführt werden und die wichtigsten Dinge derselben erlernen , daß sie einmal würdig in die Fußstapfen der Mutter treten könnte . Ich trieb noch , nachdem ich die Fächer erlernt hatte , die man in unseren Schulen als Vorkenntnisse und Vorbereitungen zu den sogenannten Brodkenntnissen betrachtet , einzelne Zweige fort , die schwieriger waren , und in denen eine Nachhilfe nicht entbehrt werden konnte . Endlich trat in Bezug auf mich die Frage heran , was denn in der Zukunft mit mir zu geschehen habe , und da tat der Vater etwas , was ihm von vielen Leuten sehr