Gebäude aber enthalten ein Irrenhaus , ein Armenhaus oder Hospital und dergleichen mehr . Seltsam und düster haben sich Tod und Elend zwischen dem alten winklichten Gemäuer eingenistet , aus dessen Dunkelheiten die herrliche schimmervolle Landschaft das Auge um so mehr blendet . Und über die Gräber hin führt der Weg dann vollends , sich durch efeubewachsene Nagelflühe emporwindend , auf den Berg , wo er sich in einem weitgedehnten prächtigen Buchenwalde verliert . Unter einer offenen Halle dieses Waldes ging am frühsten Ostermorgen ein junger Mensch ; er trug ein grünes Röcklein mit übergeschlagenem schneeweißen Hemde , braunes dichtwallendes Haar und darauf eine schwarze Samtmütze , in deren Falten ein feines weiß und blaues Federchen von einem Nußhäher steckte . Diese Dinge , nebst Ort und Tageszeit , kündigten den zwanzigjährigen Gefühlsmenschen an . Es war Heinrich Lee , der heute von der bisher nie verlassenen Heimat scheiden und in die Fremde nach Deutschland ziehen wollte ; hier heraufgekommen , um den letzten Blick über sein schönes Heimatland zu werfen , beging er zugleich den Akt eines Naturkultus , wie es häufig bei hoffnungsreichen und enthusiastischen Jünglingen geschieht . Sowenig , außer dem tiefen ruhigen Strömen des Flusses , ein Ton in dieser Frühe hörbar wurde , ebensowenig war an der weiten tiefen himmlischen Kristallglocke der leiseste Hauch eines Wölkleins zu sehen . Der weite See verschmolz mit den Füßen des Hochgebirges in eine blaugraue Dämmerung ; die Schneekuppen und Hörner standen milchblaß in der Frühe . Als Heinrich an den Rand des Waldes trat , überflog der erste Rosenschimmer der nahenden Sonne die geisterhaften Gebilde ; über dem letzten einsamen Eisaltar glimmte noch der Morgenstern . Indem unser Knabe starr nach ihm hinsah , tat er einen jener stummen , flüchtigen Gebetseufzer , die , wenn sie in Worte zu fassen wären , ungefähr so lauten würden Das ist sehr schön , o Gott ich danke dir dafür , ich gelobe , das Meinige auch zu tun ! Wo und wer du auch seist , habe Nachsicht mit mir , du weißt , wie alles kommt in deiner Welt , übrigens mache mit mir , was du willst ! Die Brust des jungen Menschen hob und senkte sich sehr stark ; aber seine Seele war so keusch , daß er vor allem pathetischen Verweilen , vor aller Selbstgefälligkeit solcher Augenblicke floh , ehe sich obige wenigen Sätze in seinem Sinne deutlich entwickeln konnten . Also drehte er sich wie der Blitz auf seinem Absatze herum und eilte , nach Norden und Westen zu schauen . Die Sonne war aufgegangen ; während im Süden die Alpenkette nun im fröhlichsten hellsten Golde glänzte , hatte das westliche und nördliche flache Land , gegen das Rheingebiet hin , die Rosenfarbe des Morgens angenommen , besonders wo sich die laublosen , für diese Farbe empfänglichen Waldungen und violetten Brachfelder dehnten ; was junggrünes Saatland war , schimmerte mehr silbergrau in der Ferne . Von Schnee war außer dem Gebirge keine Spur mehr zu finden ; aber das wenige Grün war noch trocken und taulos . Die Tiefe des Himmels und mit ihr das Gewässer waren jetzt blau und das Land sonnig geworden . Nur der untere Teil der Stadt und der Fluß lagen noch im Schatten , und letzterer ging tief grün , und bloß die länglich ziehenden Spiegel seiner Wellen warfen von ihren glattesten Stellen etwas Blau zurück . Heinrich Lee sah in seine Vaterstadt hinüber . Die alte Kirche badete im Morgenschein , hie und da blitzte auch ein geöffnetes Fenster , ein Kind schaute heraus und sang , und man konnte aus der Tiefe der Stube die Mutter sprechen hören , die es zum Waschen rief . Die vielen Gäßchen , durch mannigfaltiges steinernes Treppenwerk unterbrochen und verbunden , lagen noch alle im Schatten , und nur wenige freiere Kinderspielplätze leuchteten bestreift aus dem Dunkel . Auf allen diesen Stufen und Geländern hatte Heinrich gesessen und gesprungen , und die Kinderzeit dünkte ihm noch vor der Türe des gestrigen Abends zu liegen . Schnell ließ er seine Augen treppauf und - ab in allen Winkeln der Stadt herumspringen , die traulichen Kinderplätze waren alle still und leer wie Kirchenstühle am Werktag . Das einzige Geräusch kam noch vom großen Stadtbrunnen , dessen vier Röhren man durch den Flußgang hindurch glaubte rauschen zu hören ; die vier Strahlen glänzten hell , ebenso was an dem steinernen Brunnenritter vergoldet war , sein Schwertknauf und sein Brustharnisch , welch letzterer die Morgensonne recht eigentlich auffing , zusammenfaßte und sein funkelndes Gold wunderbar aus der dunkelgrünen Tiefe des Stromes herauf widerscheinen ließ . Dieser reiche Brunnen stand auf dem hohen Platze vor dem noch reichern Kirchenportale , und sein Wasser entsprang auf dem Berge diesseits des Flusses , auf welchem Heinrich jetzt stand . Es war früher sein liebstes Knabenspiel gewesen , hier oben ein Blatt oder eine Blume in die verborgene Quelle zu stecken , dann neben den hölzernen Röhren hinab , über die lange Brücke , die Stadt hinauf zu dem Brunnen zu laufen und sich zu freuen , wenn zu gleicher Zeit oben das Zeichen aus der Röhre in das Becken sprang ; manchmal kam es auch nicht wieder zum Vorschein . Er pflückte eine eben aufgehende Primel und eilte nach der Brunnenstube , deren Deckel er zu heben wußte ; dann eilte er die unzähligen Stufen zwischen wucherndem Efeugewebe hinunter , über den Kirchhof , wieder hinunter , durch das Tor über die Brücke , unter welcher die Wasserleitung auch mit hinüberging . Doch auf der Mitte der Brücke , von wo man unter den dunklen Bogen des Gebälkes die schönste Aussicht über den glänzenden See hin genießt , selbst über dem Wasser schwebend , vergaß er seinen Beruf und ließ das arme Schlüsselblümchen allein den Berg wieder hinaufgehen . Als er sich endlich erinnerte und zum Brunnen hinanstieg , drehte es sich schon emsig in dem Wirbel unter dem Wasserstrahle herum und konnte nicht hinauskommen . Er steckte