Ehre , mich zu verteidigen , verkaufen lassen . Unsterblich kann er sich machen durch meine Verteidigung ! Denn meinen Prozeß werde ich besingen , in Jamben , in Daktylen , in Trochäen , » In Spondeen und Molossen , In antiken Verskolossen - « , der Gegenwart zur Lust , der Nachwelt zu unauslöschlichem Gelächter . Köln , Dezember 1848 Georg Weerth I Schlesien Sage mir , Muse , die Taten des vielgewanderten Mannes , Welcher so weit geirrt , nachdem aus Berlin man verbannt ihn ; Vieler Menschen Städte gesehn und Sitte gelernt hat , Auch bei Don Carlos so viel ' unnennbare Leiden erduldet . Gewiß ! Vater Homer , der weißbärtige griechische Barde , würde nicht den edlen Odysseus , nein , er würde den edlen Ritter Schnapphahnski besungen haben , wenn Vater Homer nicht zufällig in einer Zeit gelebt hätte , wo man weder Klavier spielte noch Manila-Zigarren rauchte , wo man weder an Berlin noch an Don Carlos dachte . Homer ist tot . Ich lebe . Das letztere freut mich am meisten . Was Homer nicht tun konnte : ich tue es . Homer besang den Odysseus - ich verherrliche den Ritter Schnapphahnski . Seltsame Vögel gab es auf Erden - von Adam an bis auf Heinrich Heine . Adam wurde im Paradiese geboren und war ein Mensch ; Heine sah das Licht der Welt in Düsseldorf und ist ein Gott - nämlich ein Dichter . Heine wohnt in Paris - dies wissen alle schönen Frauen . Viel artige poetische Kinder zeugte er . Sein jüngster Sohn ist aber ein Bär . Und dieser Bär heißt Atta Troll . Nächst dem Großen und dem Kleinen Bären dort oben am Himmel ist dieser Atta Troll der berühmteste Bär unserer Zeit . Meine Leser müssen mir nicht zürnen , daß ich von den Griechen plötzlich auf die Bären komme - die Hauptsache ist aber , daß Atta Troll in genauem Zusammenhange mit dem Ritter Schnapphahnski steht . In zauberisch-poetischen Nebel gehüllt , sehen wir nämlich in Heines klingendem Gedichte den Ritter Schnapphahnski zum ersten Male über die Bühne schreiten . Ein komisches zweibeiniges Wesen , in eine Bärin verliebt , der Finanznot blasse Wehmut auf den Wangen , beraubt seiner Kriegskasse von 22 Silbergroschen und die Uhr zurückgelassen im Leihhause von Pampeluna ! Schattenhaft , wie ein Jäger der wilden Jagd , huscht der edle Schnapphahnski an uns vorüber ; wir möchten ihn festhalten , einen Augenblick ; wir möchten ihm noch einmal ins Auge schaun , ihn noch einmal vom Wirbel bis zur Zehe betrachten , den geisterhaften , den interessanten Mann - aber fort ist er , ehe wir ' s uns versehen , und erstaunt fragen wir uns : Wer ist dieser Schnapphahnski ? Lieber Leser , sei nicht unbescheiden ! » Zwar alles weiß ich nicht , doch viel ist mir bewußt ! « Höre zu , was ich dir von Schnapphahnski erzählen werde ; es ist Zeit , daß der edle Ritter aus seinem zauberisch-poetischen Nimbus heraustritt ; an den Zipfeln seines Frackrocks zerre ich ihn vor das große Publikum . Wie schlafende Riesen liegen hinter uns die verrauschten Jahrhunderte , tot und stumm . Aber alte Historiker , bücherbestaubt und grün bebrillt , und naseweise Poeten prickeln und stacheln sie bisweilen mit ihren spitzigen Federn , und dann fahren sie empor , sie heben ihre Köpfe , sie öffnen den Mund , und halb im Traume erzählen sie uns brockenweis ihre klugen und ihre törichten Geschichten - wie es gerade kommt , und bleischwer sinken sie wieder zusammen . Glücklicherweise habe ich es nicht mit den schlafenden Riesen der Jahrhunderte zu tun . Es handelt sich nur um die Vergangenheit des Ritters Schnapphahnski , und lieblos werde ich sie mit meiner Feder emporstacheln , damit die Welt doch endlich sieht , was sie an ihrem Ritter hat , damit unser Schnapphahnski doch endlich zur rechten Anerkennung gelangt . Das Dasein Schnapphahnskis gleicht einer bunten Arabeske . Manchmal wird es euch an die Aventüren des Chevalier Faublas erinnern ; bald an eine Episode aus der Geschichte des Ritters von der Mancha , bald an die Glanzmomente eines Boscoschen Taschenspielerlebens . Zärtlicher verliebter Schäfer , rasender Raufbold , Spieler , Diplomat , Soldat , Autor - alles ist dieser Schnapphahnski - ein liebenswürdig frecher Gesell . - Doch zur Sache ! Schnapphahnski ist von Geburt ein Wasserpolacke . Ich bitte meine Leser , nicht zu lachen . Schnapphahnski ist ein wunderschöner Mann , den manches allerliebste Frauenzimmerchen recht gern in den kohlschwarzen Bart hineinküssen würde . Der Ritter ist nicht groß , aber er ist hübsch und kräftig gebaut . Ein kleiner , schmaler Fuß , ein rundes Bein , eine gewölbte Brust , ein stolzer Kopf mit schwarzem Knebel- und Schnurrbart , flink und gewandt : das ist der Ritter Schnapphahnski . Ein Mann wie gedrechselt , mit funkelnden Augen , höhnischen Lippen und aristokratisch weißen Händen . Im Monat Mai seines Lebens war der junge , schöne Wasserpolacke Freiwilliger in dem 4. ( braunen ) Husarenregimente , dessen Stamm in O. in Schlesien stand . Das lautet wieder ganz prosaisch . Aber man denke sich den jungen Fant , dessen Fuß nur auf den Teppich oder in den silbernen Bügel trat , in knapper Uniform , die Reitpeitsche in der Hand , den ersten dunklen Flaum des Bartes auf den zarten Wangen , die Gewandtheit eines jungen Katers in jeder Bewegung und die Lüsternheit blitzend aus beiden Augen - und man wird gestehen müssen , daß es eben kein Wunder war , wenn er einen gewissen Eindruck auf die schöne Gräfin S. machte . Die schöne Gräfin S. verliebte sich in den braunen Husaren . Weshalb sollte sie nicht ? Wär ich die Gräfin S. , ich hätte es auch getan . Der jugendliche Freiwillige war gar zu reizend . Schon damals zeigte sich bei ihm die Gabe der Rede , jenes Talent , was ihm später von so