Welt und Sünde , hebt den Stein vom engen Gehäuse , in welchem gefesselt liegt der neue Mensch , ihn kräftigt , daß er sich erhebt , den Kampf mit dem alten Menschen beginnt um den Besitz des Herzens , um des Lebens Ziel und Richtung . Ohne Gott kann hier nicht gekämpft werden , am allerwenigsten glücklich , aber wo Gott mitkämpft , muß der Kampf zum Siege führen . Doch nie zum vollständigen , solange in sterblichem Gehäuse die Seele wohnt ; erst im Grabe , das ist des Christen Hoffnung , versenkt er mit dem Leibe auch Sünde und Sündhaftigkeit . Der alte Mensch , wenn auch vom Throne gestoßen , ergibt sich auch in Fesseln nicht , erhebt alle Tage sich neu , gleich dem Satan , gegen Gott , wie hoffnungslos das Beginnen auch ist . Mit dem letzten Atemzuge erst legt er sich in ewige Ohnmacht . Darum bleiben fort und fort so bedeutsam die Worte : Wachet und betet , daß ihr nicht in Versuchung fallet ! Je schwächer der Bruder darum ist , desto mehr verliert die Schwester , die Welt draußen , ihre Macht über den Menschen , sie hat nicht mehr Platz im Herzen , sie regiert nicht mehr , sondern wird regiert . Der Kampf mit ihr nimmt in dem Maße ab , als der gegen den alten Menschen sich dem Siege nähert . Wer also kämpfet , der ist ein guter Kriegsmann Jesu Christi , darf hoffen , gekrönt zu werden ; des Lebens Bestimmung hat er erfüllt , das ewige Leben ergriffen , darf befehlen seinen Geist in des Vaters Hände . Oh , groß und wunderbar ist des Lebens Bedeutung und eng und schwer durch das Leben der Weg , der zum Ziele führt ! Oh , und wie leichtfertig und vermessen schlendern die Menschen durchs Leben , als ob sie weder Ohren noch Augen hätten , keinen Verstand , die Tage mit Weisheit zu zählen , als ob sie hundert Leben hätten , hundertmal von vornen wieder beginnen könnten , wenn eins in Liederlichkeit , Torheit und Sünde schmählich zu Ende gelaufen , als ob der Glaube abgeschafft sei und erlaubt , nach vieltausendjähriger Erfahrung erst sich zu bekehren , durch hundert verlorne Leben endlich klug geworden . Heil denen , welchen in diesem Leben Augen und Ohren aufgehen und das rechte Verständnis kommt , daß mitten in der Welt der Himmel errungen werden muß , wenn wir die Liebe bewahren , die Welt überwinden , den Himmel jenseits schauen wollen , daß wir Gott hienieden finden , unser Herz seine Herberge werden muß , wenn er droben uns herbergen , unser Teil werden soll in alle Ewigkeit ! Zweites Kapitel Der Antritt der Pacht Dieses alles dachte Uli nicht , als er am Morgen nach seiner Hochzeit vor das Haus trat , unwillkürlich am Brunnen vorbei hinter das Haus schritt , von wo man einen großen Teil des Hofes übersah , aber Ähnliches regte sich doch in ihm . Ein Weib hatte er errungen , ein besseres gab es nicht , das wußte er . Aber vor ihm stund nun die Welt , an dieser besaß er so viel als nichts ; das bedachte er , und bange ward es ihm . Er hatte sie angefaßt , diese Welt , den Kampf mit ihr begonnen , die Pacht um ein großes Gut war geschlossen , in wenig Tagen mußte er sie antreten , übers Jahr mehr als achthundert Taler Zins ausrichten , und diese achthundert Taler überstiegen sein Vermögen . Woher sie nehmen , wenn das Glück nicht auf seiner Seite stund , wem die Welt stärker war als er , ihm nichts ablassen wollte von ihren Schätzen , ihm entriß , was er bereits hatte ? Bangen kam über ihn , des Bangens Unruhe fuhr ihm in die Glieder , trieb ihn durch die Ställe , trieb ihn ums Haus herum , bis er wieder stillestund hinter demselben . Äcker und Wiesen rechnend übersah , rechnete und rechnete , daß ihm Hören und Sehen verging darob , daß er nicht wußte mehr , stund er auf dem Kopfe oder auf den Füßen , die Rechnungen sich verschlangen in einander , daß er nicht mehr wußte , wo der Anfang war , geschweige daß er das Ende finden konnte . Plötzlich wurde er umschlungen ; hochauf fuhr er , als ob es wirkliche Schlangen wären . Es war auch eine an Klugheit , aber eine ohne Gift und Galle , wie wir jedem Christen eine ins Haus wünschen möchten ; es war Vreneli , das freundlich vor ihn trat , traulich ihm ins Auge sah , beide Hände ihm auf die Schultern legte und sagte : » Aber Uli , Uli , hast die Ohren verloren ? Das Frühstück steht auf dem Tische , dreimal rief ich dir und allemal lauter und allemal umsonst . Uli , lieber Uli , fange mir nicht schon an mit Sinnen und Rechnen , weißt nicht , wie leicht man sich erst verrechnet und dann hinter , sinnet ? Laß uns beten und arbeiten , das Andere auf Gott stellen , der soll unser Rechenmeister sein . Der wird schon rechnen , daß es gut kömmt , und der böse Kummer und das plaghafte , ängstliche Wesen , welches immer auf dem Trocknen ertrinken will und an der Sonne erfrieren , kommen nicht an uns . Uli , lieber Uli , wollen wir ? « frug Vreneli fast wehmütig und streckte ihm die Hand dar . Uli schlug ein , folgte zum Frühstück , aber heiter ward doch sein Gesicht nicht . Wahrscheinlich wußte er auch kaum so recht , was er seinem Weibchen versprochen hatte . Es gibt gar viele Menschen , welche sich von einem Gedankenzuge , der sich ihrer bemächtigt hat , kaum mehr losmachen können . Der Gedankenzug reißt sie dahin , und wenn sie schon Rede und Antwort geben , so wissen sie