von Stunde zu Stunde zu . Sie hielten mich und Alice damals für die innigsten Freundinnen . « - » Und Sie waren es nicht ? « - fragte der Baron erstaunt . » Im gewissen Sinne allerdings , in so fern wir uns redlich in Rücksicht auf unsere besondern Pläne in die Hände arbeiteten . Außerdem aber haßten wir uns eben so redlich , verleumdeten uns nach Frauenweise und heuchelten einander die innigste Seelengemeinschaft vor . « - » Und warum das ? « » Theils aus rein künstlerischem Vergnügen , theils auch , um uns in Uebung zu erhalten , damit wir uns vor Andern , besonders vor Ihnen , nicht durch ein unvorsichtiges Wort oder eine impertinente Miene kompromittirten . « » Vor mir ? « » Freilich . Hören Sie nur weiter . Alicen lag viel daran , Sie auf eine kürzere oder längere Zeit aus Venedig zu entfernen . « » Wahrhaftig ? « - fragte der Baron ironisch - » und wozu , wenn ich bitten darf ? « » Einen Augenblick Geduld . Wie war das zu machen , ohne Ihren Verdacht zu erregen und ohne an Ihrer Weigerung zu scheitern . Alice zeigte sich also sehr bekümmert über meine Unruhe , die auf den höchsten Grad gestiegen war , als ich die Nachricht erhielt , Schattenfrei habe die Tour über Genua eingeschlagen , um von dort zur See nach Palermo zu gehen . Zugleich aber war die Nachricht zu wenig verbürgt , als daß ich auf ' s Gerathewohl Venedig verlassen konnte . In dieser Noth wandte sich die über meine verzweifelte Lage sehr betrübte Alice an Sie mit der Bitte , auf etwa acht Tage nach Genua zu gehen und mich , im Fall Schattenfrei dort eintreffen sollte , sogleich davon zu benachrichtigen . Durch welche Gründe Alice Sie von der Nothwendigkeit ihres Zurückbleibens in Venedig überzeugte , weiß ich nicht . « » Sie fühlte die sittliche Verpflichtung , in diesem Falle die Liebe auf kurze Zeit der Freundschaft zu opfern - und wollte Sie in dieser angstvollen Stimmung nicht allein lassen . « Cornelia lachte höhnisch . - » Wie waren Sie damals blind , armer Baron . Im Grunde ihrer Seele war Alice über Nichts erfreuter , als über meine Angst , und sie hätte nicht einen Finger gerührt , mich davon zu befreien , hätte es nicht in ihrem Plan gelegen . - Sie reis ' ten ab und kurz nach Ihnen machte Alice mit dem Herrn Berger , der ihr , unbemerkt von Ihnen , aber nicht von ihr , bis nach Venedig gefolgt war , einen Ausflug ins Tyroler Gebirge . Beim Abschiede bat sie mich , alle Briefe an Sie von Venedig aus zu befördern . So war jeder möglichen Entdeckung ihrer Entfernung vorgebeugt . Es vergingen abermals acht Tage . Schattenfrei kam immer noch nicht , Ihnen wurde in Genua die Zeit lang , Alicen wurde sie in Tyrol kurz : der Augenblick nahte , den wir zur Wiedervereinigung bestimmt hatten . Aber ich wartete vergeblich . Weder Sie , noch Alice kehrten zurück . Ueberdies erhielt ich einen Brief aus Deutschland , worin mir mitgetheilt wurde , daß Alice Schattenfrei mit meiner Absicht , ihn in Venedig zu erwarten , bekannt gemacht und ihm den Rath gegeben , weder über Venedig noch über Genua nach Süd-Italien zu gehen , wenn er überhaupt es nicht vorzöge , anders wohin seine Schritte zu lenken , im Fall er ein Zusammentreffen mit mir vermeiden wolle . So war ich nun völlig im Unklaren . War er doch nach Palermo gegangen oder nicht ? Sollte ich auf die Ungewißheit hin die weite und gefahrvolle Reise unternehmen , abgesehen davon , daß meine Kasse nicht zum Besten bestellt war ? Ich faßte einen schnellen Entschluß und ging nach Deutschland zurück , mit der Absicht , ihm bei seiner Zurückkunft in den Weg zu treten . Daraus , daß Alice mir diesen hinterlistigen Streich aus Italien , oder wo es sonst sein mag , gespielt hatte , ersah ich jedoch mit einer Art von Genugthuung , daß Sie mein Leidensgefährte sein mußten , weil sie sonst in Betreff meiner mit mehr Vorsicht gehandelt hätte . « - Bei diesen Worten warf Cornelia einen forschenden Blick auf den Baron und fuhr dann fort : - » Es konnte ihr also nichts mehr daran gelegen sein , ob ich Ihnen die wahre Sachlage mittheilte ; folglich mußte sie den Gedanken an eine Wiedervereinigung mit Ihnen schon aufgegeben haben , als sie an Schattenfrei schrieb . - Ich begab mich bald darauf nach Genua auf den Weg , um Sie aufzusuchen , fand Sie aber nicht mehr anwesend , da Sie zwei Tage vorher nach Venedig abgereiset waren . Wahrscheinlich hatten wir uns begegnet und ohne es zu wissen verfehlt . « Die Ironie , mit der die letzten Worte gesprochen wurden , ließen zweifeln , was der eigentliche Sinn derselben sein sollte . Mit dem Baron war während dieser Erzählung eine große Veränderung vorgegangen . Zwar schien in diesem Augenblicke keine bestimmte Leidenschaft seine Seele erfüllt zu haben , weder Haß noch Liebe , weder Verachtung noch Hohn zeigte sich in seinen Mienen , aber eine Todtenblässe hatte seinem Gesicht einen Ausdruck gegeben , der auf ein tiefes inneres Leiden schließen ließ . Eine Art geistiger Lähmung schien sich seiner bemächtigt zu haben , als er mit tonloser Stimme sprach : » Ich kam nach Venedig an demselben Tage , wie Schattenfrei . Ich suchte ihn auf , um ihn sogleich zu Ihnen zu führen ; aber vergebens forschte ich nach Ihrer neuen Wohnung , denn ich konnte nicht auf den Gedanken gerathen , daß Sie Venedig verlassen hätten . Schattenfrei war erfreut , Sie in Venedig zu wissen , und bedauerte es ernstlich , daß er Sie nicht finden konnte . « » Wie Schade « - unterbrach ihn Cornelia in der früheren ironischen Weise . » Uebrigens beruhigen