das Maul nicht verbinden . Und hintenan und zur Seiten Reiter und Fußgänger mit Jagdspießen , Armbrüsten ; ja einer trug sogar einen schweren Muskedonner . So zogen sie über die krachende Zugbrücke unter Musik und Gelächter , und der Thürmer blies ihnen noch eine Weise nach bis sie im Walde verschwunden waren . Daß sie Hunde und Spieße und gar ein Feuergewehr mitnahmen , und bald ein Dutzend rüstiger Männer bei einem Geschäfte waren , das anderwärts nur die Frauen angeht , darüber wird Niemand sich wundern , der weiß , wie es zu Anfang des sechszehnten Jahrhunderts in der Mark Brandenburg aussah . Wer außer den Mauern einer Burg oder Stadt war , und er trug nicht den Bettlermantel um die nackten Schultern , that recht , wenn er den Leib umgürtete , auch wenn der Stahl dann etwas zu lang hinter dem Manne klirrte . Denn zu jeder guten Verrichtung gehört , daß der sie verrichtet , in Sicherheit schaffe . Aber daß auch Dieser und Jener von der Sippschaft , deß Hände zu fein waren , um die Seile zu spannen oder die Laken aufzuhängen , ja daß sogar ein geistlicher Herr mitzog , könnte verwundern , wenn wir nicht eben wüßten , was es mit einer großen Herbstwäsche dazumal im Edelhofe von Hohen-Ziatz für Bewandtniß hatte . Die Räume zwischen den Lehmwänden und Steinmauern waren viel zu eng für eine solche Verrichtung . Wo sollte das fließende Wasser herkommen , wo die freie Luft zum Trocknen und wo der Rasen zum Bleichen ? Unsere Vorväter liebten die festlichen Zusammenkünfte im Freien , und wie es vor Alters gewesen , mußte es in Hohen-Ziatz noch heute sein . Da zog denn mit , wem ' s in den Mauern zu beklommen war , wer Scherz liebte und Spiel und Jagd und Neckerei ; denn etwas davon fiel immer ab . Aber auch Gottesfurcht mußte dabei sein , meinte der Dechant und die Edelfrau auch , nur daß Jeder etwas Anderes dabei meinte . Außerdem war es der Hausfrau auch vielleicht nicht unangenehm , einmal unumschränkte Herrin zu sein ; denn war sie es zwar , wie der böse Leumund sagte , auch im Schlosse , so war sie es doch nur durch Klugheit und Kunst , hier nach alten Rechten ; denn wer in aller Welt will einer Frau die unumschränkte Herrschaft bei der Wäsche abstreiten , wenn schon kein Gesetz sagt , daß es so sein soll . Und welche Herrin sie war ! Sie trug keinen Federbusch und keine Schürze , aber jeder Fremde fand sie auf hundert Schritt heraus . Das war ein Blick , ein Falke sieht nicht schärfer . Wenn sie auf einer Anhöhe stand , den linken Arm nachlässig in die Seite gestemmt , die Rechte , die sonst mit dem Schlüsselbund spielte , ruhig niederhängend , die Füße ein wenig auseinander , und die Schuhe darunter , die den Boden um einen halben Zoll eindrückten , und ihr Hals lugte aus dem Mieder , der wie ein Panzer saß , da sah die Frau von Bredow doch wie ein Feldherr aus , der sein Heer musterte , und die Mägde sprachen : » Unsere Gestrenge , die versteht ' s. « Das sagten sie auch , nur in einem andern Ton , wenn sie faul oder nachlässig gewesen , oder etwas so gethan , wie die Frau von Bredow meinte , daß es nicht geschehen müsse . Stand sie zwar , wie wir sahen , fest auf dem Boden , wenn sie sah , daß Alles im Schick war , so war sie doch wie das Wetter herunter , wo etwas außer Schick kam . Lang reden und zurechtweisen liebte sie nicht , und wo sie meinte , daß einer schwer hörte , da hielt sie auch die paar Worte noch für zu viel . Noch wußte der verdrossene Knecht nicht eigentlich , wie es gekommen , aber jetzt hörte er vortrefflich und verstand Alles , und rieb nur ein klein wenig das Ohr oder die Schulter . Eine so rührige Frau war die Frau von Bredow . Loben that sie nicht viel , sie hielt ' s vom Ueberfluß , denn daß Jeder thäte , als er muß thun , hielt sie für Lohn ' s genug ; aber wem sie mal auf die Schulter klopfte , wenn sie durch die Reihen ging , dem war es wie ein Tropfen starken Weines , der nach langer Mattigkeit und Bangigkeit durch die Adern rinnt und die Glieder wieder stärkt . So war es mit der Herbstwäsche am Lieper Fluß bestellt . Eine gute Stunde abwärts von der Burg war das Lager , und ein dichter Wald und ein tiefer , weiter Morast lagen dazwischen ; also mußte im Lager nicht allein gewaschen und gebleicht , auch gekocht und gebettet , gesungen und gebetet und gewacht werden , alle Vorrichtungen , wie es einer Stadt Art und Sitte ist . Das Gebet verrichtete am Morgen der Dechant für Alle , wenn die Schelle über der Hütte der Edelfrau läutete ; das Waschen und Kochen geschah einen Tag , wie den andern , das Singen und Spielen machte sich von selbst und für das Wachen sorgte die Frau von Bredow . Kein Zigeunerbub hätte einen Strumpf von der Leine , kein Fuchs aus dem Korbe ein Huhn stehlen dürfen . Eine Woche , weniger denn einen Tag , dauerte schon die Wäsche . Vor dem Klopfen und Klatschen waren die Fische aus dem Fluß auf eine Meile entflohen . Von den hohen Kieferstämmen , wo sie nisten , hatten zu Anfang die Fischreiher mit ihren langen , gelben Schnäbeln neugierig herabgeschaut . Da gab es Jagd und Kurzweil für die jungen Burschen . Vor den Bolzen und Pfeilen , die durch ihre luftigen Burgen sausten , hielten die zähen Thiere aus ; selbst wenn der Pfeil einem den Flügel durchbohrt , wenn sein Herzblut hinabträufte , er gab in banger Todesangst