auch hinauskam , fragte ihn die Meisterfrau wie üblich : » Was hast du ihm gesagt , und was hat er wieder gesagt ? « Er habe nichts mit ihm machen können , antwortete der Meister . Uli sei noch ganz aufbegehrisch gewesen , hätte den Rausch noch nicht verschlafen gehabt ; es wäre besser gewesen , wenn man erst den folgenden Tag mit ihm geredet hätte oder am Abend , wenn der natürliche Katzenjammer ihn bereits mürbe gemacht hätte . Nun habe er ihm Zeit gegeben , sich zu besinnen , und wolle jetzt erwarten , was herauskomme . Uli ging bitterbös hinaus , als ob ihm das größte Unrecht geschehen . Er schoß das Werkzeug herum , als ob alles drauf müßte an einem Tage , und die Tiere brüllte er an , daß es dem Meister in alle Glieder kam ; allein er hielt ruhig an sich , sagte ein einziges Mal : » Nume hübschli . « Mit dem andern Gesinde verkehrte Uli nicht , machte ihm auch ein böses Gesicht . Da der Meister nicht vor den Andern ihm abkapitelt hatte , so mochte er seine eigene Schande ihnen nicht auskramen , und weil er nicht mit ihnen gemeinsame Sache machte , so hielt er dafür , daß sie auf des Meisters Seite , seine Gegner seien , nach dem tiefwahren Spruch : » Wer nicht für mich ist , der ist wider mich . « Es machte ihm also hier niemand den Kopf groß , und er hatte nicht Gelegenheit , sich zu verreden : dieser und jener solle ihn nehmen , wenn er eine Stunde länger hier bleibe , als bis seine Zeit aus sei . Nach und nach wichen die Wein- und andern Geister aus ihm , und immer schlaffer wurden seine Glieder . Die frühere Spannung machte einer unerträglichen Mattigkeit Platz . Diese Mattigkeit blieb aber nicht nur im Leibe , sondern sie ging auch in die Seele über . Und wie dem matten Leib alles , was er tut , schwer und peinlich ist , so nimmt die matte Seele auch alles schwer , was sie getan hat und was ihr bevorsteht . Worüber sie früher gelacht , darüber möchte sie jetzt weinen , und was ihr früher Lust und Freude gemacht , das macht ihr jetzt Gram und Kummer , und in was sie früher mit beiden Beinen gesprungen , über das möchte sie sich die Haare vom Kopfe reißen , ja den ganzen Kopf ab dem Leibe . Wenn diese Stimmung über der Seele schwebt , so ist sie unwiderstehlich , und über alles , was dem Menschen in Gedanken kömmt und was ihm sonst vorkömmt , wirft sie ihren trüben Schein . Während Uli , solang der Wein in ihm war , über den Meister sich geärgert hatte , kam ihm nun , als der Wein aus ihm war , der Ärger über sich selbsten . Er ärgerte sich nicht mehr über den Meister , der ihm das Hudeln vorgehalten , sondern über sich , daß er gehudelt . Es kamen ihm die dreiundzwanzig Batzen in Sinn , die er an einem Abend durchgebracht , an denen er nun fast vierzehn Tage arbeiten mußte , ehe er sie wieder hatte . Er ärgerte sich über die Arbeit , die er deshalb tun mußte , über den Wein , den er getrunken , den Wirt , der ihn gebracht usw. Er dachte an das , was ihm der Meister von Gnäggerlers Anne Lisi gesagt ; es ergriff ihn immer mehr eine Angst , die ihm den Schweiß auf die Stirne trieb . Jetzt kam ihm manches an diesem Meitschi verdächtig vor ; und mußte er es wohl heiraten ? Er mußte ohne Unterlaß daran sinnen , sich das Für und Wider denken , und wenn er es im Schweiße seines Angesichtes dahin gebracht hatte , sich zu überreden , daß alles nichts sei , keine Gefahr vorhanden , oder wenn er sich ein untrüglich Mittel ausgedacht hatte , wie er sich bei vorhandener Gefahr und wenn Anne Lisi ihn ansuche , herausleugnen wolle , und er sah auf tausend Schritte ein Weibervolk gegen das Haus kommen , so fielen alle seine Pläne und Tröstungen zusammen wie ein Haufen Stroh , in den das Feuer kömmt , die Beine schlotterten ihm vor Angst , und er floh in den Stall oder auf die Bühne . Er sah hinter jedem Fürtuch Anne Lisi , und wenn jemand an die Haustüre klopfte , so fuhr er zusammen wie Aspenlaub und meinte , Anne Lisi stehe draußen und wolle ihn herausrufen lassen . Und wie sollte er heiraten ? Er hatte ja kein Geld , war Schneider und Krämer noch die letzte Bekleidung schuldig , hatte nur drei gute Hemder und vier böse . Und wer sollte ihm das Einzuggeld leihen , wer ihm die Hochzeitkleidung bezahlen , und wie sollte er Weib und Kind durchbringen und die Schulden bezahlen , da er sich jetzt alleine nicht helfen konnte ? Ob diesen Gedanken verlor er allen Sinn , vergaß alles , machte alles verehrt . Er war unbehaglich , unzufrieden mit sich selbsten , daher auch unzufrieden mit allen Menschen , der ganzen Welt ; er gab niemand ein gutes Wort , und nichts war ihm recht . Es dünkte ihn , die Meisterfrau koche expreß schlecht und alles , was er nicht gerne habe , der Meister plage ihn mit unnötiger Arbeit , die Pferde seien alle koldrig , und die Kühe täten ihm expreß alles zuleid , was sie konnten , seien die dümmsten Kühe , die auf Gottes Erdboden Gras fräßen . Hätte er Geld gehabt oder nicht die Begegnung von Gnägerlers Anne Lisi befürchtet , er wäre aus Trotz und Angst dem Wein nachgelaufen , um Groll , Gram , Mißmut in ihm zu ertränken . Nun mußte er zu Hause bleiben , zeigte sich so wenig als möglich vor den Leuten und fuhr alle Augenblicke in den