Macht dort einschritt , da das alte Schloß , so fest und fast unverwüstbar es auch erbaut ist , doch bei der gänzlichen Vernachläßigung , die es , wie alle übrigen Besitzungen , erleiden mußte , allgemach immer baufälliger zu werden begann . « » O , wie sehne ich mich nach Ste . Roche ! « rief die junge Marquise - » und wie will ich um das Herz der alten Pförtnerin mich bemühen , daß sie mir Einlaß gewährt in diese geheimnißvollen Gemächer . Doch sage mir nur noch mit einem Worte , ob Du die Geschichte derselben kennst ? « » Ich kenne sie , « erwiederte ihr Gemahl - » doch dringe vorerst nicht in mich , sie Dir mitzutheilen ; es schmerzt mich , diesen Mißlaut in Deine reine Seele zu spielen ! Wie entzückt mich der Gedanke , wenn ich Deinen Zauber empfinde , daß das Böse für Dich nur eine allgemeine inhaltlose Existenz unter den Erscheinungen hat , dessen Dasein Du kennst , ohne daß Dich seine Bedeutung erreichen konnte . Gönne mir das Glück , Dich zu behüten und zu bewahren - laß mich der Engel mit dem feurigen Schwerte sein , der das Paradies Deiner unschuldigen Gedanken bewahrt . « » O , mein Geliebter , « rief die junge Frau - » welch ' ein Wohllaut des Himmels liegt darin , Dir so anzugehören , daß selbst meine Gedanken Deines Schutzes genießen ! Glaubst Du , daß es eine Neugierde gäbe , die stärker wäre , als dies Gefühl ? « » Nein , « erwiederte er ernst und gerührt - » ich weiß es , die Deinige wenigstens nicht - auch denke ich daran , Dir den Inhalt dieser unglücklichen Geschichte später auf eine Weise mitzutheilen , die Dich weniger verletzt . « - » Bis dahin also will ich Gednld haben , die mir leichter noch durch die Aussicht wird , dies schauerliche Geheimniß in seiner Oertlichkeit zu sehen . « - » Doch sieh ' da - Leonce ! « rief der Marquis und eilte seinem Bruder entgegen , der mit der freundlichsten Eilfertigkeit in das Zimmer trat . » Willkommen in Paris , Theurer , Lieber ! Seit wann bist Du zurück ? « » Erst seit diesem Augenblick , « rief der junge Mann und begrüßte herzlich seine liebenswürdige Schwägerin . » Nun in Wahrheit , « rief Lücile , - » lieber Leonce , Sie kommen zur rechten Zeit , mich gegen meinen Gemahl in Schutz zu nehmen ; denken Sie nur , er verlangt , daß ich Paris verlassen soll , da noch Niemand daran denkt , sich auf seinen Gütern zu langweilen , und Paris in der vollen Blüte seiner auserlesenen Freuden steht . - Haben Sie ein ähnliches Anerbieten schon jemals gehört ? und was meinen Sie , daß ich thun oder nur antworten soll ? « » Was Sie bereits gethan oder geantwortet haben , « rief Leonce mit dem Ausdrucke inniger Verehrung ; » denn das Rechte war es gewiß , und ich will es blos wissen , um Sie aufs Neue zu bewundern . « - » Gottlob , « rief die heitere junge Frau - » unser Bruder ist mit vollständig liebenswürdigen Manieren zurückgekehrt ! Glaubt mir , ich erkannte Euch nicht , als Ihr damals von Euren Reisen wiederkamet - auch nicht ein Zug von meinem liebenswürdigen Spielkameraden war geblieben - eine düstere , blasse , seufzende Kreatur war zurückgekehrt , und ich ward entmuthigt , froh zu bleiben , wenn Ihr so still und einsylbig an meiner Seite saßet . « Sichtlich traf die Rede den jungen Mann tiefer , als die sorglose Heiterkeit seiner Schwägerin ahnete - es brach aus den Augen des Jünglings eine so melankolische Glut , er schloß die Lippen so schmerzlich zusammen , daß der Marquis , überrascht von der plötzlichen Veränderung seines Brudes , ihm schnell einige Fragen über die zurückgelegte Reise und den vorgefundenen Zustand seiner Güter that . Leonce arbeitete sich mit sichtlicher Anstrengung aus der Stimmung heraus , die durch die unschuldigen Worte seiner Schwägerin angeregt war , und versicherte seinem Bruder , er habe Alles wohl arrangirt gefunden , könne nicht anders , als seine Verwalter loben und habe für längere Zeit ihre Vollmachten bestätigt . » Aha ! « fiel die Marquise ein - » für lange bestätigt ; das heißt so viel , als : wir haben uns auf lange Zeit von der eigenen Verwaltung losgemacht und sind nicht gesonnen , den alten Ahnenbildern und den Schäferspielen der Gobelin-Tapeten auf dem alten Schlosse Gesellschaft zu leisten . « Leonce lachte . » Es ist wahr , schöne Spötterin , ich muthete mir eine Einsamkeit in so großartiger , aber dennoch melankolischer Umgebung nicht zu - ich bin noch zu jung , sie suchen zu dürfen , ich muß sie sogar fürchten , da ich ihren Zauber nicht lange genießen dürfte , ohne ihm zu unterliegen . Dagegen hilft nur ein sehr muthiges Erfassen des Lebens - ich denke Dienste zu nehmen , oder noch eine weitere längere Reise zu machen - vielleicht , « setzte er hinzu , » nach England . « » Nun , dazu gebe ich nimmermehr meine Erlaubniß ! « rief die junge Marquise . - » Nach England wollt Ihr ? wo die Sonne nie klar , voll und warm Euch bescheint , wo die Stürme des Meeres Euer Gehirn austrocknen , und Eure Empfindungen zum Schweigen verdammt sind vor dem melankolischen Gespräch der Wellen . Niemals , « rief sie mit komischem Pathos , » gebe ich dazu meine Erlaubniß , und diese müßt Ihr doch wohl haben ; da ich das einzige weibliche Haupt dieser , Eurer Familie bin ? « Beide Männer lächelten der guten Laune der liebenswürdigen Frau Beifall zu , der Marquis aber umfaßte zärtlich seinen Bruder . » Du siehst , mein Lieber , welcher Herrschaft wir beide dienstbar sind , ergieb