da Du mir so lange zu schwer warst . Bitte um Wanderglück zum stillen Nachthimmel empor , und klinge und klage Dein : Gott behüte mich ! in das unendliche Universum hinaus . Du hast es nöthig : Gott behüte mich ! Gott behüte mich , in den Wäldern und auf den Bergen , in den Städten und Dörfern , bei den Menschen und Unmenschen , bei den Hassenden und Liebenden , bei den Streitenden und bei den Friedfertigen ! Gott behüte mich , daß ich jetzt glücklich durch das Schwarzburg-Rudolstädtische reise , ohne zum Legationsrath gemacht zu werden ! Gott behüte mich vor den vielen Merkwürdigkeiten , die in großen und kleinen Städten , in Museen und Schlössern , in Palästen und Rumpelkammern , zu besehen sind ! Gott behüte mich vor dem Anblick zu vieler Ruinen , er stärke mich gegen das Ausgelebte , befestige mich für das Neue , und mildere den Spott in mir gegen das Alte ! Er mache einen Menschen aus mir , der leben kann ! Ja , leben will ich gern und mir mit den Menschen aller Orten zu schaffen machen . Ich will umherlaufen auf den Straßen , und mir die hübschen und häßlichen Gesichter , die mir begegnet sind , aufschreiben . Ich will auf den Dörfern spazierengehen und in kleinen Städten über Nacht bleiben , um die stillen Herzschläge eines armen abgeschiedenen Lebens zu belauschen , und nachzusehen , wie es der Weltgeschichte in den Bauerhütten und auf den Wirthshausbänken hinterm Bierkruge ergeht . Ich will dem Deutschen Bauer zureden , daß er Abends regelmäßig die Zeitungen liest , und der Deutschen Bäuerin , die ihr gesundes Kind an der blühenden Brust stillt , will ich sagen , daß sie den Jungen nicht bloß für den Pflug geboren hat , sondern für ein menschlich gefühltes und berechtigtes Dasein . In der nächsten kleinen Stadt will ich mich erkundigen , was die aufgeweckte Schneidertochter jetzt aus der Leihbibliothek liest , und ob die Stadtpfeifer , als die Julirevolution noch Mode war , niemals die Marseillaise geblasen haben auf der Ressource ? Und in großen Residenzstädten werde ich ebenfalls nur Das aufsuchen , was die Menschen angeht und aus alten und neuen Zeiten her an sie erinnert . Wie sie in den Theatern lachen , in den Kirchen beten , auf der Promenade sich repräsentiren , und in ihren Gesellschaften sich langweilen , soll mir wahres Vergnügen machen . Wie sie von nichts zu reden wissen , was ihre wichtigsten Nationalinteressen betrifft , werde ich in gespannter Aufmerksamkeit mit anhören ; denn Das , wovon ein Volk nicht spricht , schildert es oft schärfer , als Das , wovon es spricht . Schöne Gegenden werde ich nie beschreiben , und ich glaube , mir fehlt fast der Sinn dafür , wenigstens die Begeisterung . Der Horizont dieser gegenwärtigen Zeit ist zu bewölkt , als daß man weit ausschauen könnte von den Bergen in die Thäler und die silbernen Ströme entlang , und auf die Kuppeln und Thürme der fernen schönen Städte . Das harmlose unschuldige Gemüth ist fort , das mit Landschaften und Gegenden sich freute , und ich suche es vergeblich in mir , und finde nichts , als daß ich kein Jean-Paulischer Jüngling mehr bin . Die Deutschen können nicht leiden , daß Jemand offen ist , und so werden mich auch meine nächsten Deutschen Freunde , deren ich so manche und liebe habe , jetzt schelten , wenn ich ihnen bekenne , wie vor den schönsten Naturgegenden das Herz mir oft kalt und bange schlägt . Ja , der Sinn ist fort , der mit Bäumen und Sträuchern einen guten idyllischen Umgang hatte , wie das Kind umgeht mit seinen Kameraden , den weißen Lämmchen auf der Wiese . Diese rauschenden Wälder , diese ernstgestalteten Felsen , dies naive Leben der Pflanzen und Blumen , dies Neigen und Grünen der Pappel , der Eiche , der düstern Fichte , diese hochwachsenden Felder , diese Triften und diese Flächen , diese Hügel und diese Tiefen , dies Blühen und Lachen , dies Klagen und diese heimliche Verstimmung , wie es von Wechsel zu Wechsel schleichend durch die Natur hingeht , Alles dies sieht und spricht mich an , wie eine Schaar gefallener Engel aus der träumerischen Frühperiode des Menschengeschlechts . Die Menschen hatten lange in und mit der Natur gelebt , und hatten versucht , ob sie sich zu etwas bilden könnten , indem sie träumten . Sie träumten am Wasserfall und in der romantischen Bergschlucht und auf der Hirtenflur ihr erstes morgenrothes Dasein hin , und die rieselnden Bäche , an denen sie lagen und schlummerten , flossen hell und klar ; aber des Menschen Seele war unklar , und aus dem natürlichen Traum des Lebens wachte kein Glück geistiger Wahrheit auf . Sie konnten sich nicht bilden , indem sie träumten . Da wurden sie unruhig , und ihre Flur langweilte sie , und ihr Wald machte ihnen Grausen . Sie legten die Axt an den grünen Baum , daß seine Wurzel erseufzte , und hieben ihm den Schmuck der Blätter herunter , und machten sich eine Lanze aus dem grünen Baum , oder ein Ackergeräth . Die Einen arbeiteten im Schweiß ihres Angesichtes , und die Andern zogen in den Krieg , und Keiner hatte mehr Ruhe und Frieden . Alle wurden in dem erwachten Drang menschlicher Unruhe zum ersten Mal historisch . An der Unruhe der Geschichte bildeten sie sich merkwürdig aus , und singen an , nach den höchsten Gütern des Lebens immer stürmischer zu trachten . Die alten grünen Wälder rauschten vergeblich mit ihren Friedensträumen hinter ihnen drein . Und so geht es noch täglich den einzelnen Menschen und den einzelnen Völkern . Auch den Deutschen liegt es in Gedanken , einmal historisch zu werden , aber die Einen können noch immer nicht den Werther , die Andern den Faust nicht vergessen , und das idyllische Naturelement hält sie gebunden . Die Lyrik