Zwischen der Wand und dem Kasten scheint sich der Tod als Kalkant zu befinden , denn eine knöcherne Hand und ein vorstehender Fuß des Gerippes wird bemerkt . Unter den Gestalten im Mittelgrunde zeichnet sich namentlich eine Gruppe von Tanzenden aus , zwei kräftige Männer und ebensoviel Frauen in anmutigen und kunstvollen Bewegungen , mit hochgehaltener Handreichung , wobei zuweilen nackte Körperteile edel und schön zum Vorschein kommen . Indessen , der Tanz scheint langsam und den ernsten , ja traurigen Mienen derjenigen zu entsprechen , welche ihn aufführen . Diesen zu beiden Seiten und dann mehr gegen den Hintergrund entfaltet sich ein vergnügteres Leben ; man gewahrt muntere Stellungen , endlich possenhafte und neckische Spiele . Etwas fiel mir besonders auf . Ein Knabengerippe im leichten Scharlachmäntelchen sitzt da und wollte sich gern von einem andern den Schuh ausziehen lassen , aber das Bein bis zum Knie ging mit und der ungeschickte Bursche will sich zu Tode lachen . Hingegen ein anderer Zug ist folgender : Vorn bei dem Flötenspieler befindet sich ein Gesträuche , woraus eine magere Hand ein Nestchen bietet , während ein hingekauerter Greis sein Söhnchen bei der hingehaltenen Kerze bereits einem Vogel in die verwundert unschuldigen Äuglein blicken läßt ; der Bursche hat übrigens schon eine zappelnde Fledermaus am Fittich . Es gibt mehrere Züge der Art ; es gäbe überhaupt noch gar vieles anzuführen . Die Beleuchtung , der wundervolle Wechsel zwischen Mond- und Kerzenlicht , wie dies einst beim Ölgemälde , besonders in der Wirkung aufs Grün , sich zauberisch darstellen wird , ist überall bereits effektvoll angedeutet und mit großer Kenntnis behandelt . Doch genug ! der Henker mag so was beschreiben . « Tillsen hatte schon seit einer Weile zerstreut und brütend gesessen . Jetzt da das Schweigen des Barons ihn zu sich selbst gebracht , erhob er sich rasch mit glühender Stirn vom Sessel und sprach entschlossen : » Ja , mein Herr , ich darf es sagen , von meiner Hand ist , was Sie gesehen haben , doch « - hier brach er in ein gezwungenes Gelächter aus . » Gott sei Dank ! « unterbrach ihn der Baron , entzückt aufspringend , » nun hab ich genug ; lassen Sie sich küssen , umarmen , Charmantester ! die anderthalb Jahre Fastenzeit , worin Sie die Palette vertrocknen ließen , haben Wunder an Ihnen gereift , eine Periode entwickelt , über deren Früchte die Welt staunen wird . Nun geht es Schlag auf Schlag , geben Sie acht , seitdem der neue , starke Frühling für Ihre Kunst durchbrochen hat , und in dieser Stunde prophezei ich Ihnen die Fülle eines Ruhmes , der vielleicht Hunderte begeistern wird , das ganze Mark der Kräfte an die edelste Kunst zu wenden , aber auch Tausende zwingen muß , in mutlosem Neide sie abzuschwören . Ach lieber , bescheidener Mann , Sie sind bewegt , ich bin es nicht weniger von herzlicher Freude . Lassen Sie uns in diesem glücklichen Moment mit einem warmen Händedruck auseinandergehen , und kein Wort weiter . Ich gehe zum Grafen . Leben Sie wohl ! auf Wiedersehen . « Damit war er zur Türe hinaus . Der Maler , unbeweglich , sah ihm nach . Es wollte ihn jetzt fortreißen , dem Baron zu folgen , ihm eine plötzliche Aufklärung zu geben , aber ein unwillkürlicher trockener Entschluß hielt ihn wie an den Boden gefesselt . Erst nach einer langen Stille brach er , beinahe schmerzlich lächelnd , in die Worte aus : » O betrogener redlicher Mann ! wie hast du dich unnötig über mich verjubelt , mir arglos meine ganze Blöße gezeigt ! Ich mußte ein Lob anhören , das nicht mir , sondern einem andern gehört und das just alles das heraushob , was mir zum rechten Maler abgeht , ewig abgehen wird ! « Es ist wahr , fuhr er in Gedanken fort , die Ausführung jener Kompositionen ist mein und ist nicht das Schlechteste am Ganzen ; sie dient , jenen Erfindungen die rechte Bedeutung zu geben ; ohne mein Zutun wären vielleicht die Skizzen des armen Zeichners gleichgültig übersehen worden . Aber nur auf der Spur seines Geistes stärkte , belebte sich der meinige , und nur von jenem ermutigt konnte ich sogar auf eine Höhe des Ausdrucks kommen , bis zu welcher ich mich nie erhoben hatte . Wie arm , wie nichts erschein ich mir diesem unbekannten Zeichner gegenüber ! Wie würf ich mit Freuden alles hin , was sonst an mir gerühmt wird , für die Gabe , solche Umrisse , solche Linien , solche Anordnungen zu schaffen ! Ein Crayon , ein dürftig Papier ist ihm genug , damit er mich über den Haufen stürze . Wüßten nur erst die Herren , daß es die Werke eines Wahnsinnigen sind , welche sie bewundern , eines unscheinbaren verdorbenen Menschen , ihr Staunen würde noch größer sein , als da sie in mir den Meister gefunden zu haben glauben . Noch kennt außer mir niemand den wahren Erfinder , aber gesetzt , ich wollte auf die Gefahr , daß dieser sein eigensinniges Inkognito brechen kann , mir dennoch den Ruhm seiner Schöpfung erhalten , ich fände einen weit stärkeren Grund dagegen in dem eigenen innern Bewußtsein . Darum muß es an den Tag , lieber heute als morgen , ich sei keineswegs der Rechte . Das waren ungefähr die Gedanken des lebhaft aufgeregten Mannes . Indessen war er , was den letzten Punkt betrifft , noch nicht so ganz entschieden . Hatte er bisher die Meinung der Freunde so hinhängen lassen , ohne sie eben zu bestärken , ohne zu widerlegen , indem er sich mit zweideutigem Scherz in der Mitte hielt , so dachte er jetzt , er könne unbeschadet seines Gewissens noch eine Zeitlang zuwarten mit der Enthüllung , und er wolle sein Benehmen nachher , wenn es nötig sei , schon auf ehrenvolle Art rechtfertigen . Soeben trat die junge Frau wieder ins