Angst ein klägliches Jammergeschrei erhebend . Ich fühlte , daß etwas in das Behältnis hinabgriff und mich sehr unsanft beim Leibe packte , und dies gab mir Gelegenheit , die erste wunderbare Kraft , womit mich die Natur begabt , zu fühlen und zu üben . Aus meinen reich überpelzten Vorderpfoten schnellte ich spitze gelenkige Krallen hervor und grub sie ein in das Ding , das mich gepackt , und das , wie ich später gelernt , nichts anders sein konnte , als eine menschliche Hand . Diese Hand zog mich aber heraus aus dem Behältnis und warf mich hin , und gleich darauf fühlte ich zwei heftige Schläge auf den beiden Seiten des Gesichts , über die jetzt ein , wie ich wohl sagen mag , stattlicher Bart herüberragt . Die Hand teilte mir , wie ich jetzt beurteilen kann , von jenem Muskelspiel der Pfoten verletzt , ein paar Ohrfeigen zu , ich machte die erste Erfahrung von moralischer Ursache und Wirkung , und eben ein moralischer Instinkt trieb mich an , die Krallen ebenso schnell wieder einzuziehen , als ich sie hervorgeschleudert . Später hat man dieses Einziehen der Krallen mit Recht als einen Akt der höchsten Bonhomie und Liebenswürdigkeit anerkannt und mit dem Namen » Samtpfötchen « bezeichnet . Wie gesagt , die Hand warf mich wieder zur Erde . Bald darauf erfaßte sie mich aber aufs neue beim Kopf und drückte ihn nieder , so daß ich mit dem Mäulchen in eine Flüssigkeit geriet , die ich , selbst weiß ich nicht , wie ich darauf verfiel , es mußte daher physischer Instinkt sein , aufzulecken begann , welches mir eine seltsame innere Behaglichkeit erregte . Es war , wie ich jetzt weiß , süße Milch , die ich genoß , mich hatte gehungert , und ich wurde satt , indem ich trank . So trat , nachdem die moralische begonnen , die physische Ausbildung ein . Aufs neue , aber sanfter als vorher , faßten mich zwei Hände und legten mich auf ein warmes weiches Lager . Immer besser und besser wurde mir zumute , und ich begann mein inneres Wohlbehagen zu äußern , indem ich jene seltsame , meinem Geschlecht allein eigene Töne von mir gab , die die Menschen durch den nicht unebenen Ausdruck : spinnen bezeichnen . So ging ich mit Riesenschritten vorwärts in der Bildung für die Welt . Welch ein Vorzug , welch ein köstliches Geschenk des Himmels , inneres physisches Wohlbehagen ausdrücken zu können durch Ton und Gebärde ! - Erst knurrte ich , dann kam mir jenes unnachahmliche Talent , den Schweif in den zierlichsten Kreisen zu schlängeln , dann die wunderbare Gabe , durch das einzige Wörtlein » Miau « Freude , Schmerz , Wonne und Entzücken , Angst und Verzweiflung , kurz , alle Empfindungen und Leidenschaften in ihren mannigfaltigsten Abstufungen auszudrücken . Was ist die Sprache der Menschen gegen dieses einfachste aller einfachen Mittel , sich verständlich zu machen ! - Doch weiter in der denkwürdigen , lehrreichen Geschichte meiner ereignisreichen Jugend ! - Ich erwachte aus tiefem Schlaf , ein blendender Glanz umfloß mich , vor dem ich erschrak , fort waren die Schleier von meinen Augen , ich sah ! - Ehe ich mich an das Licht , vorzüglich aber an das buntscheckige Allerlei , das sich meinen Augen darbot , gewöhnen konnte , mußte ich mehrmals hintereinander entsetzlich niesen , bald ging es indessen mit dem Sehen ganz vortrefflich , als habe ich es schon mehrere Zeit hintereinander getrieben . O das Sehen ! es ist eine wunderbare herrliche Gewohnheit , eine Gewohnheit , ohne die es sehr schwer werden würde , überhaupt in der Welt zu bestehen ! - Glücklich diejenigen Hochbegabten , denen es so leicht wird als mir , sich das Sehen anzueignen . Leugnen kann ich nicht , daß ich doch in einige Angst geriet und dasselbe Jammergeschrei erhob , wie damals in dem engen Behältnis . Sogleich erschien ein kleiner , hagerer alter Mann , der mir unvergeßlich bleiben wird , da ich , meiner ausgebreiteten Bekanntschaft unerachtet , keine Gestalt , die ihm gleich oder auch nur ähnlich zu nennen , jemals wieder erblickt habe . Es trifft sich häufig bei meinem Geschlecht , daß dieser , jener Mann einen weiß und schwarz gefleckten Pelz trägt , selten findet man aber wohl einen Menschen , der schneeweißes Haupthaar haben sollte und dazu rabenschwarze Augenbraunen , dies war aber der Fall bei meinem Erzieher . Der Mann trug im Hause einen kurzen hochgelben Schlafrock , vor dem ich mich entsetzte und daher , so gut es bei meiner damaligen Unbehilflichkeit gehen wollte , von dem weichen Kissen herab zur Seite kroch . Der Mann bückte sich herab zu mir mit einer Gebärde , die mir freundlich schien und mir Zutrauen einflößte . Er faßte mich , ich hütete mich wohl vor dem Muskelspiel der Krallen , die Ideen Kratzen und Schläge verbanden sich von selbst , und in der Tat , der Mann meinte es gut mit mir , denn er setzte mich nieder vor einer Schüssel süßer Milch , die ich begierig auflutschte , worüber er sich nicht wenig zu freuen schien . Er sprach vieles mit mir , welches ich aber nicht verstand , da mir damals als einem jungen unerfahrnen Kiekindiewelt von Käterchen das Verstehen der menschlichen Sprache noch nicht eigen . Überhaupt weiß ich von meinem Gönner nur wenig zu sagen . So viel ist aber gewiß , daß er in vielen Dingen geschickt - in Wissenschaften und Künsten hocherfahren sein mußte , denn alle , die zu ihm kamen ( ich bemerkte Leute darunter , die gerade da , wo mir die Natur einen gelblichen Fleck im Pelze beschert hat , d.h. auf der Brust , einen Stern oder ein Kreuz trugen ) , behandelten ihn ausnehmend artig , ja zuweilen mit einer gewissen scheuen Ehrfurcht , wie ich späterhin den Pudel Skaramuz , und nannten ihn nicht anders , als