den Strom und die Berge drüben , welche heute Nacht stille Zeugen seiner Glückseligkeit gewesen waren . Jetzt sah da draußen alles anders aus und eine unbeschreibliche Bangigkeit flog durch sein Herz . Die Pferde , welche die Studenten hierherbestellt hatten , um darauf wieder zurückzureiten , harrten ihrer schon seit gestern unten . Auch Friedrich hatte sich ein schönes , munteres Pferd gekauft , auf dem er nun ganz allein seine Reise fortsetzen wollte . Die Reisebündel wurden daher nun schnell zusammengeschnürt , die langen Sporen umgeschnallt und alles schwang sich auf die rüstigen Klepper . Die Studenten beschlossen , den Grafen noch eine kleine Strecke landeinwärts zu geleiten , und so ritt denn der ganze bunte Trupp in den heitern Morgen hinein . An einem Kreuzwege hielten sie endlich still und nahmen Abschied . » Lebe wohl « , sagte einer von den Studenten zu Friedrich , » du kommst nun in fremde Länder , unter fremde Menschen , und wir sehen einander vielleicht nie mehr wieder . Vergiß uns nicht ! Und wenn du einmal auf deinen Schlössern hausest , werde nicht wie alle andere , werde niemals ein trauriger , vornehmer , schmunzelnder , bequemer Philister ! Denn , bei meiner Seele , du warst doch der beste und bravste Kerl unter uns allen . Reise mit Gott ! « Hier schüttelte jeder dem Grafen vom Pferde noch einmal die Hand und sie und Friedrich sprengten dann in entgegengesetzten Richtungen voneinander . Als er so eine Weile fortgeritten war , sah er sie noch einmal , wie sie eben , schon fern , mit ihren bunten Federbüschen über einen Bergrücken fortzogen . Sie sangen ein bekanntes Studentenlied , dessen Schlußchor : » Ins Horn , ins Horn , ins Jägerhorn ! « der Wind zu ihm herüberbrachte . » Ade , ihr rüstigen Gesellen « , rief er gerührt ; » ade , du schöne freie Zeit ! « Der herrliche Morgen stand flammend vor ihm . Er gab seinem Pferde die Sporen , um den Tönen zu entkommen und ritt , daß der frische Wind an seinem Hute pfiff . Wer Studenten auf ihren Wanderungen sah , wie sie frühmorgens aus dem dunkeln Tore ausziehen und den Hut schwenken in der frischen Luft , wie sie wohlgemut und ohne Sorgen über die grüne Erde reisen , und die unbegrenzten Augen an blauem Himmel , Wald und Fels sich noch erquicken , der mag gern unsern Grafen auf seinem Zuge durch das Gebirge begleiten . Er ritt jetzt langsam weiter . Bauern ackerten , Hirten trieben ihre Herden vorüber . Die Frühlingssonne schien warm über die dampfende Erde , Bäume , Gras und Blumen äugelten dazwischen mit blitzenden Tropfen , unzählige Lerchen schwirrten durch die laue Luft . Ihm war recht innerlichst fröhlich zumute . Tausend Erinnerungen , Entwürfe und Hoffnungen zogen wie ein Schattenspiel durch Seine bewegte Brust . Das Bild der schönen Rosa stand wieder ganz lebendig in ihm auf , mit aller Farbenpracht des Morgens gemalt und geschmückt . Der Sonnenschein , der laue Wind und Lerchensang verwirrte sich in das Bild , und so entstand in seinem glücklichen Herzen folgendes Liedchen , das er immerfort laut vor sich hersang : » Grüß euch aus Herzensgrund : Zwei Augen hell und rein , Zwei Röslein auf dem Mund , Kleid blank aus Sonnenschein ! Nachtigall klagt und weint , Wollüstig rauscht der Hain , Alles die Liebste meint : Wo weilt sie so allein ? Weil ' s draußen finster war , Sah ich viel hellern Schein , Jetzt ist es licht und klar , Ich muß im Dunkeln sein . Sonne nicht steigen mag , Sieht so verschlafen drein , Wünschet den ganzen Tag , Daß wieder Nacht möcht sein . Liebe geht durch die Luft , Holt fern die Liebste ein ; Fort über Berg und Kluft ! Und sie wird doch noch mein ! « Das Liedchen gefiel ihm so wohl , daß er seine Schreibtafel herauszog , um es aufzuschreiben . Da er aber anfing , die flüchtigen Worte bedächtig aufzuzeichnen und nicht mehr sang , mußte er über sich selber lachen und löschte alles wieder aus . Der Mittag war unterdes durch die kühlen Waldschluften fast unvermerkt vorübergezogen . Da erblickte Friedrich mit Vergnügen einen hohen , bepflanzten Berg , der ihm als ein berühmter Belustigungsort dieser Gegend anempfohlen worden war . Farbige Lusthäuser blickten von dem schattigen Gipfel ins Tal herab . Rings um den Berg herum wand sich ein Pfad hinauf , auf dem man viele Frauenzimmer mit ihren bunten Tüchern in der Grüne wallfahrten sah . Der Anblick war sehr freundlich und einladend . Friedrich lenkte daher sein Pferd um , und ritt mit dem fröhlichen Zuge hinan , sich erfreuend , wie bei jedem Schritte der Kreis der Aussicht ringsum sich erweiterte . Noch angenehmer wurde er überrascht , als er endlich den Gipfel erreichte . Da war ein weiter , schöner und kühler Rasenplatz . An kleinen Tischchen saßen im Freien verschiedene Gesellschaften umher und speisten in lustigem Gespräch . Kinder spielten auf dem Rasen , ein alter Mann spielte die Harfe und sang . Friedrich ließ sich sein Mittagsmahl ganz allein in einem Sommerhäuschen bereiten , das am Abhange des Berges stand . Er machte alle Fenster weit auf , so daß die Luft überall durchstrich , und er von allen Seiten die Landschaft und den blauen Himmel sah . Kühler Wein und hellgeschliffene Gläser blinkten von dem Tische . Er trank seinen fernen Freunden und seiner Rosa in Gedanken zu . Dann stellte er sich ans Fenster . Man sah von dort weit in das Gebirge . Ein Strom ging in der Tiefe , an welchem eine hellglänzende Landstraße hinablief . Die heißen Sonnenstrahlen schillerten über dem Tale , die ganze Gegend lag unten in schwüler Ruhe . Draußen vor der offenen Tür spielte und sang der Harfenist immerfort . Friedrich sah den Wolken nach , die nach jenen Gegenden hinaussegelten