Bildern ausgeschmückte Gemach , in dem wir die Fürstin fanden . Es war eine große , majestätische schöne Frau , der die Ordenstracht eine Ehrfurcht einflößende Würde gab . Sie sah mich mit einem ernsten , bis ins Innerste dringenden Blick an und frug : » Ist das Euer Sohn ? « - Ihre Stimme , ihr ganzes Ansehn - selbst die fremde Umgebung , das hohe Gemach , die Bilder , alles wirkte so auf mich , daß ich , von dem Gefühl eines inneren Grauens ergriffen , bitterlich zu weinen anfing . Da sprach die Fürstin , indem sie mich milder und gütiger anblickte : » Was ist dir , Kleiner , fürchtest du dich vor mir ? - Wie heißt Euer Sohn , liebe Frau ? « - » Franz « , erwiderte meine Mutter , da rief die Fürstin mit der tiefsten Wehmut : » Franziskus ! « und hob mich auf und drückte mich heftig an sich , aber in dem Augenblick preßte mir ein jäher Schmerz , den ich am Halse fühlte , einen starken Schrei aus , so daß die Fürstin erschrocken mich losließ und die durch mein Betragen ganz bestürzt gewordene Mutter auf mich zusprang , um nur gleich mich fortzuführen . Die Fürstin ließ das nicht zu : es fand sich , daß das diamantne Kreuz , welches die Fürstin auf der Brust trug , mich , indem sie heftig mich an sich drückte , am Halse so stark beschädigt hatte , daß die Stelle ganz rot und mit Blut unterlaufen war . » Armer Franz , « sprach die Fürstin , » ich habe dir weh getan , aber wir wollen doch noch gute Freunde werden . « - Eine Schwester brachte Zuckerwerk und süßen Wein , ich ließ mich , jetzt schon dreister geworden , nicht lange nötigen , sondern naschte tapfer von den Süßigkeiten , die mir die holde Frau , welche sich gesetzt und mich auf den Schoß genommen hatte , selbst in den Mund steckte . Als ich einige Tropfen des süßen Getränks , das mir bis jetzt ganz unbekannt gewesen , gekostet , kehrte mein munterer Sinn , die besondere Lebendigkeit , die nach meiner Mutter Zeugnis von meiner frühsten Jugend mir eigen war , zurück . Ich lachte und schwatzte zum größten Vergnügen der Äbtissin und der Schwester , die im Zimmer geblieben . Noch ist es mir unerklärlich , wie meine Mutter darauf verfiel , mich aufzufordern , der Fürstin von den schönen herrlichen Dingen meines Geburtsortes zu erzählen , und ich , wie von einer höheren Macht inspiriert , ihr die schönen Bilder des fremden unbekannten Malers so lebendig , als habe ich sie im tiefsten Geiste aufgefaßt , beschreiben konnte . Dabei ging ich ganz ein in die herrlichen Geschichten der Heiligen , als sei ich mit allen Schriften der Kirche schon bekannt und vertraut geworden . Die Fürstin , selbst meine Mutter , blickten mich voll Erstaunen an , aber je mehr ich sprach , desto höher stieg meine Begeisterung , und als mich endlich die Fürstin frug : » Sage mir , liebes Kind , woher weißt du denn das alles ? « - da antwortete ich , ohne mich einen Augenblick zu besinnen , daß der schöne wunderbare Knabe , den einst ein fremder Pilgersmann mitgebracht hätte , mir alle Bilder in der Kirche erklärt , ja selbst noch manches Bild mit bunten Steinen gemalt und mir nicht allein den Sinn davon gelöset , sondern auch viele andere heilige Geschichten erzählt hätte . - Man läutete zur Vesper , die Schwester hatte eine Menge Zuckerwerk in eine Tüte gepackt , die sie mir gab und die ich voller Vergnügen einsteckte . Die Äbtissin stand auf und sagte zu meiner Mutter : » Ich sehe Euern Sohn als meinen Zögling an , liebe Frau , und will von nun an für ihn sorgen . « Meine Mutter konnte vor Wehmut nicht sprechen , sie küßte , heiße Tränen vergießend , die Hände der Fürstin . Schon wollten wir zur Tür hinaustreten , als die Fürstin uns nachkam , mich nochmals aufhob , sorgfältig das Kreuz beiseite schiebend , mich an sich drückte und heftig weinend , so daß die heißen Tropfen auf meine Stirne fielen , ausrief : » Franziskus ! - Bleibe fromm und gut ! « - Ich war im Innersten bewegt und mußte auch weinen , ohne eigentlich zu wissen warum . - Durch die Unterstützung der Äbtissin gewann der kleine Haushalt meiner Mutter , die unfern dem Kloster in einer kleinen Meierei wohnte , bald ein besseres Ansehen . Die Not hatte ein Ende , ich ging besser gekleidet und genoß den Unterricht des Pfarrers , dem ich zugleich , wenn er in der Klosterkirche das Amt hielt , als Chorknabe diente . - Wie umfängt mich noch wie ein seliger Traum die Erinnerung an jene glückliche Jugendzeit ! - Ach , wie ein fernes heiliges Land , wo die Freude wohnt und die ungetrübte Heiterkeit des kindlichen unbefangenen Sinnes , liegt die Heimat weit , weit hinter mir , aber wenn ich zurückblicke , da gähnt mir die Kluft entgegen , die mich auf ewig von ihr geschieden . Von heißer Sehnsucht ergriffen , trachte ich immer mehr und mehr , die Geliebten zu erkennen , die ich drüben , wie im Purpurschimmer des Frührots wandelnd , erblicke , ich wähne ihre holden Stimmen zu vernehmen . Ach ! - gibt es denn eine Kluft , über die die Liebe mit starkem Fittich sich nicht hinwegschwingen könnte ? Was ist für die Liebe der Raum , die Zeit ! - Lebt sie nicht im Gedanken , und kennt der denn ein Maß ? - Aber finstre Gestalten steigen auf , und immer dichter und dichter sich zusammendrängend , immer enger und enger mich einschließend , versperren sie die Aussicht und befangen meinen Sinn mit den Drangsalen der Gegenwart , daß selbst die Sehnsucht ,