wie durch einen elektrischen Schlag entzaubert , trat der Vogel hervor , und gleichsam , als wolle er sich für das lange Schweigen schadlos halten , blieb er in einem schnarrenden Geschmetter , bis das rostige Räderwerk , abgelaufen , wieder in seine Fugen zurücksprang , indem noch zuletzt ein Ton nachklang und langsam verhallte . Da nun der Marquis mit diesem einen letzten Tone zugleich aus seiner halben Ohnmacht aufschreckte , und es sich fand , daß es nach Mitternacht , ja nach den übrigen Uhren des Schlosses , auf den Glockenschlag Eins sei , so behauptete er , die Stunde seiner Wiedergeburt habe zugleich auch in der Geisterwelt geschlagen , und alles , was er in dieser erlebt und nicht erlebt , was er geahndet und innerlich gesehn , sei Mahnung zu einem höchst wundervollen Berufe , dem er sich nun ganz ohnfehlbar weihen solle . Hierin ward er folgenden Tages um so mehr bestärkt , indem er jene herausgefallene und zerbrochene Scheiben aufsammelte , und wirkliche Schildereien , ja recht sinnvolle Gestalten , darauf wahrnahm , was er früher niemals bemerkt , indem sie die obern Felder ausfüllten und sich weiter herunter keine gemalte , sondern , vielleicht als spätere Ergänzungen , nur farbige Gläser vorfanden . Besonders auffallend war ihm die Bildung eines Mannes mit großem Buch und goldenem Schlüssel in der Hand . Die Figur war sorgsam ausgezeichnet , nur in Rücksicht der Kleidung schien sie keinem Zeitalter noch Volk eigends anzugehören , sondern allein das Wunderbare der Zauberei anzudeuten . Da sich nun dasselbe Buch mit darüber liegendem Schlüssel auf den übrigen Glasscherben , auch ohne die erwähnte Gestalt , zeigte , so glaubte der Marquis , hierin , in Verbindung mit jenen im Innern gesehenen , feurigen Schriftzügen , eine Weisung zu finden , daß solches Buch noch irgendwo im Schlosse verborgen sei , welches ihm vielleicht allein die ersehnten Aufschlüsse geben könne . Er stellte deshalb sogleich die allergenauesten Untersuchungen an , und gelangte endlich , am äußersten Ende des Gebäudes , in ein Zimmer , welches den untern Raum eines der vielen kleinen Thürme ausmachte . Hier hatte man nun wohl seit Jahren den lästigen Ausschuß abgetragener Kleider , veralteten Hausgeräths , zerrissener und verblichener Schildereien , kurz alles dasjenige hingeworfen , was die neuere Zeit von sich wegschiebt , ohne grade zu auf zerstörende Weise Hand daran legen zu wollen . Unter vermodertem Plunder und einer Decke von Staub und Spinnengewebe lagen auch wirklich Bücher , welche der Marquis sogleich hervorzog , und einen Folianten mit Pergamentdeckel als das rechte und ersehnte erkannte . Zu seinem Kummer aber war es in unbekannter Sprache geschrieben , und die über jedem Paragraphen eingestochenen Cirkel , Linien und seltsamen Figuren , reitzten seine Begier bis zur quälendsten Leidenschaft . Er konnte indeß den gefundenen Schatz dennoch nicht wieder fahren lassen . Er beschloß , alles anzuwenden , das Geheimniß zu entziffern , indem er ausfündig zu machen hoffte , in welcher Sprache das Buch abgefaßt sei , und diese sodann ohne weiteres erlernen zu können meinte . Voll von diesem Gedanken wollte er das Zimmer verlaßen , als er auf dem hervorspringenden Sims der Thür einen Schlüssel liegen sah . Er durfte , seiner Meinung nach , nichts unbeachtet laßen , und ob er gleichwohl keinen Nutzen von dieser Entdeckung einsah , so steckte er doch den Schlüssel zu sich , und träumte sich im Besitz vom Steine der Weisen , ohne diesen jemals zu finden , denn wenn er auch Tage und Nächte und Monate und Jahre über das Buch sann , und forschte , es blieb ihm verschlossen , und keine Spur konnte ihm die eigentliche Sprache entdecken . Er begnügte sich demnach , mit den darin befindlichen Zeichen Versuche anzustellen , und , indem er sie so oder so legte und stellte , brachte er Resultate heraus , die ihm zwar nicht gnügten , dennoch aber eine eigene Magie zusammenbaueten , in welcher er sich selbst als Herrn und Meister feierte . Drittes Kapitel Auf diese Weise war dem Marquis , unter stetem Forschen und angestrengter Arbeit , eine Reihe von Jahren in einer Gattung von Thätigkeit verflossen , welche zwar keinen sichtbaren Einfluß auf das Gestalten und den Fortgang der Dinge gewann , ihm jedoch große Ereignisse vorzubereiten schien . Was überall geschehen könne ? was er besonders erringen werde ? darüber war er wohl nicht völlig auf dem Reinen . Nur so viel schien ihm gewiß : Die Natur habe in jeder ihrer Offenbarungen eine Stimme , und ob nun gleich diese der sinnlichen Warnehmung meist unverständlich bliebe , so müsse die entbundene Seele doch nothwendig in einen Rapport mit der geheimnißvollen Innenwelt zu setzen und in Einverständniß mit ihr zu bringen sein . Das große Phänomen des Somnambülismus und der Clairvoyance schwebte ihm hierbei vor Augen . Was dort dem Uebergewicht einer animalischen Kraft über die andere möglich sei , das , glaubte er , dürfe der Einwirkung höherer Kräfte um so weniger entstehn . Wie diese nun zu beschwören , wie sie von den Banden der Leiblichkeit frei zu machen seien , das war die große Angelegenheit seines Lebens , an die er Gesundheit , frische und freudige Sinnenlust , den Schmuck und die heitere Klarheit des Lebens , ja alles in allem , des Daseins ewig bewegliches Element , der Liebe und Freundschaft belebenden Verkehr , setzte . Während er sich indeß in die finstern Schachten langsam selbst vergrub , und der Qualm und Dampf . nebelnder Ahndungen sein Herz vertrocknete und den Geist wie ein flackerndes Licht unstät hin und her trieb , rückte ihm das wirkliche Leben immer näher und näher , und schien die gefristete Stundenzahl mit Wucher von ihm einzufodern . Sein abstruses , oft verzücktes , Wesen hatte ihm längst den Ruf stillen Wahnsinnes gegeben . Man war ihm mit einer Scheu begegnet , welche , bei aller Verachtung vor übersinnlicher Träumerei , in unsern Tagen , nicht selten ,