das Gemälde fertig sey , werden wir sehen . Die Menschen haben alle etwas gegen sie , können es nicht leiden , daß ich so mit ganzer Seele an ihr hänge . Am Ende ist es der blosse Neid - freilich bei diesem herrlichen Jungen wohl nicht - denn ihr Auge ruht mit Wohlgefallen auf mir . Es quält mich , daß irgend etwas Wahres an seiner Bemerkung seyn möchte . - Aber bin ich nicht ein Thor ? Warum will ich sie so oder so ? warum nicht ganz als sie selbst malen ? - Die Tänzerin ! - da liegt es ! die Menschen haben mich schon mit ihren kleinlichen Vorurtheilen angesteckt . Glücklicherweise ist von dem Allen noch nichts laut geworden , und ich behalte freies Feld . Die Zeichnung ist fertig und das Bild untermalt . Sie , sie selbst ist es . Nicht ruhend , nicht stehend , schwebend , wie ich sie immer sehe , auch dann , wenn ich fern von ihr bin . Die armen Menschen ! sie erzählen mir allerhand , fragen mich um dieses und jenes , und geben nachher nicht undeutlich zu verstehen : daß ich wohl so gewissen Abwesenheiten unterworfen seyn müsse . - Ganz recht ! ich bin abwesend . O Gott , möchte ich es ewig so seyn ! Eine Fülle von Seligkeit durchströmt mein ganzes Wesen . Ich schliesse Mathilde , Bernhard , dessen Zorn mich schon lange nicht mehr beleidigt , in die Arme , und sie fühlen es , wiewohl , sonderbar genug , trauernd , daß ich selig bin . Wunderbar verstehen mich die Kinder . Sie wissen , daß ich Alles thue , was sie wollen ; daß sie dafür aber auch schweigen und mein Rasenplätzchen heilig halten müssen . Sie nahen sich mir immer nur mit bedeutendem Lächeln , in das sich bei den älteren , eben so sonderbar , wie bei Bernhard und Mathilden , etwas Wehmüthiges mischt . Alle Künste sind verschwistert , deuten alle die Sehnsucht nach der verschleierten Mutter , lindern , trösten , geben Antwort auf tausend weinende Fragen ; aber keine erheitert so schnell als Malerei . Seht , ich habe sie nicht , male nur ihr Gewand und mein Geist schwebt in Sonnenschein . Wunderbare Gewalt der Farben ! noch wunderbarere Gewalt der göttlich-menschlichen , der menschlich-göttlichen Form ! O es ist mein gelungenstes Bild ! das sagen Alle . Aber idealisirt - setzen sie hinzu . Und ich sage nein . Sie selbst , nichts als sie selbst ist es ; aber in ihrem glücklichsten Momente . So sehen sie sie nicht , so können sie sie nicht sehen ; denn dazu gehört nicht allein das Auge des Künstlers , sondern das Auge der Liebe , das allenthalben das Wahrste , das heißt : das Schönste entdeckt . Nun quälen sie mich um Copien . Jetzt , da sie festgehalten ist auf der Leinwand , ahnen sie doch ihren Werth . Die sind mir nun gerade die Unerträglichsten , die das läugnen , Alles auf die Kunst schieben , und sich in ein ewiges Geschwätz über Bescheidenheit und dergleichen vertiefen wollen . Ich weiß am besten , was an dieser Bescheidenheit ist . War ich begeistert , durch dieses göttliche Auge bin ich es geworden . Morgen bringe ich ihr das Bild . Eben war sie aufgestanden und saß im Garten unter blühenden Gesträuchen . O sie war schöner als das Bild . Ich kniete nieder und überreicht ' es ihr . Sie sprach von Lohn . Das schmerzte tief . Aber die Nachtigall schlug . Sie beugte sich nieder und ihr Rosenmund berührte meine Stirne . Ich bin belohnt . Gestern , da ich zu ihr ging , begegnete mir der Graf . Er kehrte plötzlich um und klagte in ihrer Gegenwart : sie habe ihm das Bild nicht ohne meine Zustimmung lassen wollen , und es sey doch für ihn gemalt . Da sey Gott vor ! - rief ich erzürnt . - Wie so ? - sagt ' er verwundert - ich verstehe mich zu jedem Preis . Kann seyn ! - erwiedert ' ich gefaßter und mit scheinbarer Kälte - das Bild ist für mich und für Niemand anders . Doch haben sie es mir zugesagt - fiel er ein . Da rief ich , plötzlich wieder ausser aller Fassung : ist erlogen ! Wie ! - sagte er mit einem widerlich affectirten Zorn - Sie unterstehen sich ? Das verdient eine Züchtigung ! Die Ihnen werden soll ! - entgegnete ich schnell , und so verliessen wir beide das Zimmer . Wir schlugen uns . Ich bekam eine leichte Schmarre über die linke Wange und er einen ernsthafteren Hieb , als ich wollte , über den einen Arm . Seitdem ist er artiger und bettelt nur um die Copie . Ich sage weder nein , noch ja ; glaube aber nicht , daß ich sie mache . Warum ? - Es widersteht mir ; weiter kann ich nichts sagen . Der Fürst hatte von dem Bilde gehört und ließ mich rufen . Welch ein liebenswürdiger Mensch ! welch ein wahrhafter Adel in allen Bewegungen ! welch ein schönes , tiefes Zartgefühl für die Kunst ! Er fragte mich : wem das Bild eigentlich gehöre ; ich gestand ihm , daß es Anfangs für mich bestimmt gewesen , daß Rosamunde aber von Lohn gesprochen , mich wirklich belohnt , und es sich demnach zum Eigenthum erkauft , ich aber bis jetzt gezittert habe , es ihr ganz zu überlassen , aus Furcht , es möge in unrechte Hände kommen , es wieder mitgenommen und seitdem allerhand Kleinigkeiten daran verbessert habe . Er faßte mit sonderbarer Heftigkeit meine Hand , und fragte , welche Summe ich bekommen habe . Ich sah beschämt vor mir nieder , und konnte die Worte nicht finden . Er aber drang immer heftiger in mich , und ich gestand die Wahrheit . » O