gestört , und gestört , leicht wieder hergestellt wird . Zudem hat dich das Glück in einer großen reichen Familie geboren werden lassen . Die Pisonen bedürfen keiner fremden Unterstützung . Dein Vater hat außer zwei hoffnungsvollen Söhnen - dem Stolz , und den Stützen seines edeln Hauses - nur dich , das Ebenbild einer geliebten längst entschlafenen Gattin . In dir lebt ihm seine Sempronia wieder auf , in dir liebt er Tochter und Weib zugleich , dich wird er nie zu einem Eheband zwingen , das dein Herz verwirft , und ob er gleich wünscht , durch dich einen dritten Sohn zu erhalten , drängt er dich doch nie zu diesem Schritt , und wendet nicht einmal die Waffen der Ueberredung gegen dich an . Du bist also von Natur und Glück zur Epikuräerin bestimmt , ja du bist die geborne Schülerin dieses Weisen . Mich leitete ein düsteres Temperament , das Unglück eines herabgekommenen Hauses , der Kummer einer geliebten Mutter , die ihr häusliches Leiden standhaft trug , der harte Zwang , unter welchem mein Vater nach alt römischer Sitte das ganze Haus hielt , zu einer ernsteren Schule . Ich glaubte in den Lehren der Stoa die Kraft zu finden , die mich mein Loos ertragen machen sollte . Ich suchte meinen Stolz darin , den Göttern das Schauspiel eines starken , mit seinem feindlichen Schicksal ringenden Gemüthes zu geben1 , und so folgte ich mit keinem besondern Widerwillen dem Befehle meines Vaters , als er , ohne mich zu fragen , laus Rücksichten für seine übrigen Kinder , meine Hand einem Sohne des Anicischen Hauses verhieß . Serranus Anicius wurde mein Gemahl , und ich glaube , ich hatte ihn vorher kaum dreimal , und nie anders als in Gegenwart unserer Verwandten gesehen . Ich fühlte keine besondere Abneigung gegen ihn , aber eine große Neigung , meine Pflichten auf ' s strengste zu erfüllen . Die Matronen des alten Roms , jene würdigen großen Gestalten der Vorwelt , waren meine Vorbilder : ihnen suchte ich zu gleichen . Wie sie , lebte ich nun in meinem Gynecäum2 , versammelte meine Sclavinnen um mich , arbeitete mit ihnen , und ich kann mit Wahrheit behaupten , daß in den drei Jahren unserer Ehe mein Mann und ich kein anderes Gewand trugen , als was durch meine Hände , oder unter meiner Aufsicht gesponnen , gewoben , genäht oder gestickt wurde . Die volle Zufriedenheit meines Vaters , die unbegränzte Achtung des Serranus war der Lohn meiner Anstrengungen . Die Eitelkeit , seine einzige Leidenschaft , war durch den Gedanken geschmeichelt , eine Frau von ächt römischer Sitte zu besitzen , die sich vor den Meisten ihrer Zeitgenossinnen auszeichnete . Ich war zufrieden - aber bei weitem nicht glücklich . Da kam Tiridates in unser Haus . Laß mich von dem Eindrucke schweigen , den seine Gestalt , sein Schicksal auf mich gemacht haben . Du weißt es ohne dies , du warst größtentheils Zeugin jener Begebenheiten . Nur das laß mich sagen , daß seit jenem Augenblicke mein ganzes Wesen verändert und umgestaltet war . Laß mich das Gleichniß brauchen , das meine Empfindungen am besten erklärt . In mir war es , wie in einer düstern Nachtgegend , wenn auf einmal Aurora die Pforten des Tages öffnet , und Licht und Wärme durch die kalte Dunkelheit sich ergießt . In mir ward es Licht . Ich wußte , was ich wollte , was mir so lange gefehlt hatte , wozu ich eigentlich auf der Welt war . Diese Leidenschaft hat das Räthsel meines bis dahin zwecklosen Daseyns gelöset - und was hindert mich , mit frommem Glauben der Meinung des göttlichen Plato beizupflichten , und überzeugt zu seyn , daß ich jetzt die zweite Hälfte meines Ichs gefunden habe ? Was thut ' s zur Sache , daß Tiridates an den Ufern des Arares und ich in Rom geboren wurde ? Die Seelen , die sich vor ihrer Herabkunft auf die Erde kannten und liebten , haben sich wieder gefunden , und nichts als der Tod kann sie scheiden . In diesem festen - Glauben ? - nein , in dieser unumstößlichen Ueberzeugung wird und kann mich nichts irre machen , und nichts bewegen , auch nur um einen Grad kälter , oder besonnener , wie du es nennst , zu handeln . Tiridates oder den Tod ! Es gibt kein Glück , kein Leben , keine Tugend ohne ihn . Mag die Welt sagen , was sie will - mag Serranus durch Argwohn oder Verrath mein Geheimniß entdecken , mag er und mein Vater dann über mich verhängen , was sie wollen - es gilt mir gleich . Achtet der Taucher , der sich in ' s Meer stürzt , um eine köstliche Perle zu holen , achtet er der Wogen , die über ihn zusammenschlagen ? Muß er sie nicht über sich ergehen lassen , wenn er seinen Zweck erreichen will ? Und dann endlich - was kann Serranus von mir fordern , das ich nicht bereit wäre , ihm immer fort so zu leisten , wie bisher ? Sein Hauswesen will ich fortan mit pünktlicher Treue besorgen , seine Sclaven und Sclavinnen zur Arbeit anhalten , auf die Wirthschaft , auf seinen Nutzen sehen , wo und wie ich ' s vermag . Mehr fordert er nicht - mehr bedarf er nicht . Liebe hat er nie verlangt - ich nie gegeben - ihm nie geben können . Sein Herz hat keine Bedürfnisse . Worin wäre er also verkürzt ? Ich verletze keine Pflicht gegen ihn , und bin sicher , nie eine zu verletzen ; denn dafür , daß mein Umgang mit Tiridates in den Schranken der Tugend bleiben soll - bürgt mir meine Denkart . Uebrigens glaube nicht , daß ich so tief herabsinken würde , ihn zu betrügen . Die Reise nach Bajä war weder mein Vorwand , noch mein Plan . Sie war sein Wunsch -