. Bloß Flachsen schlugs heimlich zu ; dieser hielt sich Kabels Wohltaten und die schlechten Röcke und grauen Haare seiner Zuhörerinnen des Frühgottesdienstes , den Lazarus mit seinen Hunden und seinen eigenen langen Sarg in der Eile vor , ferner das Köpfen so mancher Menschen , Werthers Leiden , ein kleines Schlachtfeld und sich selber , wie er sich da so erbärmlich um den Testaments-Artikel in seinen jungen Jahren abquäle und abringe - noch drei Stöße hatt ' er zu tun mit dem Pumpenstiefel , so hatte er sein Wasser und Haus . » O Kabel , mein Kabel « , fuhr Glanz fort , fast vor Freude über nahe Trauertränen weinend , » einst wenn neben deine mit Erde bedeckte Brust voll Liebe auch die meinige zum Vermod « - - » Ich glaube , meine verehrtesten Herren « , sagte Flachs , betrübt aufstehend und überfließend umhersehend , » ich weine « - setzte sich darauf nieder und ließ es vergnügter laufen ; er war nun auf dem Trocknen ; vor den Akzessitaugen hatt ' er Glanzen das Preis-Haus weggefischt , den jetzt seine Anstrengung ungemein verdroß , weil er sich ohne Nutzen den halben Appetit weggesprochen hatte . Die Rührung Flachsens wurde zu Protokoll gebracht und ihm das Haus in der Hundsgasse auf immer zugeschlagen . Der Bürgermeister gönnt ' es dem armen Teufel von Herzen ; es war das erstemal im Fürstentum Haßlau , daß Schul- und Kirchenlehrers Tränen sich , nicht wie die der Heliaden in leichten Bernstein , der ein Insekt einschließet , sondern , wie die der Göttin Freia , in Gold verwandelten . Glanz gratulierte Flachsen sehr und machte ihm froh bemerklich , vielleicht hab ' er selber ihn rühren helfen . Die übrigen trennten sich durch ihre Scheidung auf dem trockenen Weg von der Flachsischen auf dem nassen sichtbar , blieben aber noch auf das restierende Testament erpicht . Nun wurd ' es weiter verlesen . 4te Klausel Von jeher habe ich zu einem Universalerben meiner Activa - also meines Gartens vor dem Schaftore , meines Wäldleins auf dem Berge und der elftausend Georgd ' ors in der Südseehandlung in Berlin und endlich der beiden Fronbauern im Dorf Elterlein und der dazugehörigen Grundstücke - sehr viel gefodert , viel leibliche Armut und geistlichen Reichtum . Endlich habe ich in meiner letzten Krankheit in Elterlein ein solches Subjekt aufgetrieben . Ich glaubte nicht , daß es in einem Dutzend- und Taschenfürstentümlein einen blutarmen , grundguten , herzlichfrohen Menschen gebe , der vielleicht unter allen , die je den Menschen geliebt , es am stärksten tut . Er hat einmal zu mir ein paar Worte gesagt , und zweimal im Dunkeln eine Tat getan , daß ich nun auf den Jüngling baue , fast auf ewig . Ja ich weiß , dieses Universalerben tät ' ihm sogar wehe , wenn er nicht arme Eltern hätte . Ob er gleich ein juristischer Kandidat ist , so ist er doch kindlich , ohne Falsch , rein , naiv und zart , ordentlich ein frommer Jüngling aus der alten Väterzeit und hat dreißigmal mehr Kopf , als er denkt . Nur hat er das Böse , daß er erstlich ein etwas elastischer Poet ist , und daß er zweitens , wie viele Staaten von meiner Bekanntschaft bei Sitten-Anstalten , gern das Pulver auf die Kugel lädt , auch am Stundenzeiger schiebt , um den Minutenzeiger zu drehen . Es ist nicht glaublich , daß er je eine Studenten-Mausfalle aufstellen lernt ; und wie gewiß ihm ein Reisekoffer , den man ihm abgeschnitten , auf ewig aus den Händen wäre , erhellet daraus , daß er durchaus nicht zu spezifizieren wüßte , was darin gewesen und wie er ausgesehen . Dieser Universalerbe ist der Schulzen-Sohn in Elterlein , namens Gottwalt Peter Harnisch , ein recht feines , blondes , liebes Bürschchen - - * Die sieben Präsumtiv-Erben wollten fragen und außer sich sein ; aber sie mußten forthören . 5te Klausel Allein er hat Nüsse vorher aufzubeißen . Bekanntlich erbte ich seine Erbschaft selber erst von meinem unvergeßlichen Adoptivvater van der Kabel in Broek im Waterland , dem ich fast nichts dafür geben konnte als zwei elende Worte , Friedrich Richter , meinen Namen . Harnisch soll sie wieder erben , wenn er mein Leben , wie folgt , wieder nach- und durchlebt . 6te Klausel Spaßhaft und leicht mags dem leichten poetischen Hospes dünken , wenn er hört , daß ich deshalb bloß fordere und verordne , er soll - denn alles das lebt ' ich eben selber durch , nur länger - weiter nichts tun als : a ) einen Tag lang Klavierstimmer sein - ferner b ) einen Monat lang mein Gärtchen als Obergärtner bestellen - ferner c ) ein Vierteljahr Notarius - ferner d ) solange bei einem Jäger sein , bis er einen Hasen erlegt , es dauere nun 2 Stunden oder 2 Jahre - e ) er soll als Korrektor 12 Bogen gut durchsehen f ) er soll eine buchhändlerische Meßwoche mit Hrn . Paßvogel beziehen , wenn dieser will - g ) er soll bei jedem der Hrn . Akzessit-Erben eine Woche lang wohnen ( der Erbe müßt ' es sich denn verbitten ) und alle Wünsche des zeitigen Mietsherrn , die sich mit der Ehre vertragen , gut erfüllen - h ) er soll ein paar Wochen lang auf dem Lande Schul halten - endlich i ) soll er ein Pfarrer werden ; dann erhält er mit der Vokation die Erbschaft . - Das sind seine neun Erb-Ämter . 7te Klausel Spaßhaft , sagt ' ich in der vorigen , wird ihm das vorkommen , besonders da ich ihm verstatte , meine Lebens-Rollen zu versetzen und z.B. früher die Schulstube als die Messe zu beziehen - bloß mit dem Pfarrer muß er schließen - ; aber , Freund Harnisch , dem Testament bieg ' ich zu jeder Rolle einen versiegelten Reguliertarif , genannt die geheimen Artikel , bei ,