. Er war noch bei mir , als man uns die Nachricht brachte , der Markese sei am vorigen Abend , nicht weit von unserm Garten , ermordet gefunden worden . Todesschauer überfiel mich bei dieser Nachricht und ein gräßlicher Argwohn zuckte mir wie ein Dolchstich durch die Seele . O ! Albret ! rief ich mit leichenblassem Gesicht , und bebender Stimme . Mein Mann heftete lange einen festen Blick auf mich , und schien den schrecklichen Gedanken ohne große Befremdung in meinem Auge zu lesen . Es lag etwas furchtbares in seinem Blick , aber zugleich eine gewisse Hoheit , der ich nicht widerstehen konnte . Unsre Abreise erfolgte bald darauf , und ich blieb in dieser schauderhaften Ungewißheit , deren Quaalen nur durch die Veränderung der Gegenstände , und durch den gänzlichen Mangel einer , jenen Verdacht bestärkenden , Bestätigung , gemildert worden sind . Doch , frage Dich selbst , ob mir nicht , wenn ich darüber nachdenke , immer noch Gründe genug zu ängstlichen , entfernenden Zweifeln gegen Albrets Carakter übrig bleiben ? - Was soll , was kann ich von diesem geheimnißvollen Wesen denken ? und ist nicht vielleicht diese erhabene , in allen Fällen sich gleichbleibende , Fassung selbst ein Beweis , daß gewisse schreckliche Grundsätze ihm ganz zur Natur geworden sind ? Ich verlasse Dich , um mich zu zerstreuen , und diese Gedanken so viel als möglich aus meiner Seele zu verbannen . Wollte ich ihnen nachhängen , so müßte ja aller Frieden und aller Glauben an Menschlichkeit auf ewig daraus scheiden . Zweiter Brief Eduard an Barton Seitdem Du mich verlassen , mein Barton , habe ich schon oft den waldigen Hügel erstiegen , wo ich zum letztenmal Deines vertrauten , freundschaftlichen Umgangs genoß . Du warst damals in einer ungewöhnlich feierlichen Stimmung , und Dein Auge schaute voll tiefer Rührung herunter in die heitere , weit um uns verbreitete Welt . » Welches Leben , welche Wirksamkeit in der ganzen Natur ! sagtest Du . Stete Umschaffung , Verarbeitung , Veränderung , und eine Kraft , die immer bleibt ; denn nur das Bleibende kann sich verändern . Aber was sie ist , diese Kraft , welche die Räder des Ganzen zusammen hält , daß kein Theil sich aus seinen Fugen herausreißen darf , die den Geist mit Formen bekleidet , und das Aufgelösete , nach Ruhe strebende , zu neuem Leben , neuer Thätigkeit zwingt ? - Forsche nicht darnach ; nur das , was sich verändert , können wir wahrnehmen , und das Bleibende erkennen wir , wie unser eignes Wesen , aus seinen Wirkungen . Ja , Eduard , fuhrst Du fort , wir lernen unser inneres Leben immer deutlicher und schöner kennen , je wirksamer wir in dem äussern sind . Laß uns dem großen , guten All aufs innigste angehören , und unser Selbst nur in dem Ganzen wiederfinden . Der Mensch fängt damit an , Alles von Andern zu erwarten , und soll damit enden , Andern so viel er kann zu gewähren . Es giebt eine Zeit , wo er sich unglücklich fühlt , wenn Andere ihm nichts sein wollen , und wieder eine andere , wo es ihm Bedürfniß ist , der Welt etwas zu sein . Du hast den Weg bis dahin natürlich und gut vollendet ; ich gebe Dich mit frohem Muth der Welt ; und verlasse Dich , weil Du es werth bist , allein zu stehen . « - Dieses , und noch manches andere fällt mir ein , so oft ich den Hügel ersteige , und ich liebe diese Erinnerungen . - O ! ich begreife wohl Deine Absicht , Theurer ! Du sahest meine Anhänglichkeit an Dich , meine feurige Bewundrung Deiner seltnen Eigenschaften , und Du fürchtetest , meine Eigenthümlichkeit könnte bei diesen Empfindungen leiden , das Lebendige , Wahre in mir könnte zu einer künstlichen , nachgeahmten Tugend herabsinken , die immer unfruchtbar bleibt , so vortrefflich auch ihr Vorbild sein mag . Deshalb hättest Du mich verlassen , auch wenn keine andre Geschäfte Deine Gegenwart verlangt hätten . Aber Dein Bild wird nie aus meinen Gedanken weichen , und in den Stunden des Unmuths , wie in Stunden der Weihe , wird es , wie ein freundlicher Genius , tröstend oder theilnehmend vor meiner Seele schweben . Ja , Du hast mich der Welt gegeben , ein heitres gutgebildetes Wesen , stehe ich vor ihr , und blicke mit Lust in die weite , lebensvolle Sphäre hin , wo auch ich mit wirken soll und will . Eindrücke aller Art strömen mit Macht an mein Herz , und ich brenne vor Verlangen , dem Ganzen , durch Wort und That , das wieder zu geben , was es so wohlthuend in mir erweckte . Ich kann Dir nicht beschreiben , Barton , wie sehr mich ein frohes Selbstgefühl zuweilen emporhebt , und glücklich macht . So war ich am gestrigen Abend in einer Gesellschaft junger Männer , die sich versammelt hatten , um fröhlich zu seyn . Wir hatten Musik , tranken , und die herrschende Idee eines Jeden mahlte sich bald lebendiger und stärker im freien Gespräch . Barton ! hier fühlte ich recht meinen Werth ; ich fühlte mich voll Kraft , reich an Erfindung eine ganze Welt zu beglücken , stark an Entschließung , trotz allen Verhältnissen , der Natur getreu zu leben . Ich sah um mich her - die meisten schienen mir kraftlos , künstlich , verstimmt - nicht Einer , der sich zu meinen Gefühlen hätte emporheben können . Mitleid und Stolz bestürmten mich wechselsweise so sehr , daß ich es nicht aushalten konnte . Hinaus in die freundliche Abendwelt lief ich , und an den einsamen Ufern des Stroms , wo nur die Abendwinde mit geistigen Stimmen mich umsäuselten , fand ich mich inniger , glücklicher wieder . Ich sank auf die Kniee und küßte die Blumen und die Erde , im Gefühl einer namenlosen