Fragen zuerst ihre Aufmerksamkeit beschäftigten , und daß sie den Schlüssel dieses wundervollen Gebäudes bald in einer Hauptmasse der wirklichen Dinge , bald in dem erdichteten Gegenstande eines unbekannten Sinns aufsuchten . Bemerklich ist hier die gemeinschaftliche Ahndung desselben im Flüssigen , im Dünnen , Gestaltlosen . Es mochte wohl die Trägheit und Unbehülflichkeit der festen Körper den Glauben an ihre Abhängigkeit und Niedrigkeit nicht ohne Bedeutung veranlassen . Früh genug stieß jedoch ein grübelnder Kopf auf die Schwierigkeit der Gestalten-Erklärung aus jenen gestaltlosen Kräften und Meeren . Er versuchte den Knoten durch eine Art von Vereinigung zu lösen , indem er die ersten Anfänge zu festen , gestalteten Körperchen machte , die er jedoch über allen Begriff klein annahm , und nun aus diesem Staubmeere , aber freilich nicht ohne Beihülfe mitwirkender Gedankenwesen , anziehender und abstoßender Kräfte , den ungeheuern Bau vollführen zu können meynte . Noch früher findet man statt wissenschaftlicher Erklärungen , Mährchen und Gedichte voll merkwürdiger bildlicher Züge , Menschen , Götter und Thiere als gemeinschaftliche Werkmeister , und hört auf die natürlichste Art die Entstehung der Welt beschreiben . Man erfährt wenigstens die Gewißheit eines zufälligen , werkzeuglichen Ursprungs derselben , und auch für den Verächter der regellosen Erzeugnisse der Einbildungskraft ist diese Vorstellung bedeutend genug . Die Geschichte der Welt als Menschengeschichte zu behandeln , überall nur menschliche Begebenheiten und Verhältnisse zu finden , ist eine fortwandernde , in den verschiedensten Zeiten wieder mit neuer Bildung hervortretende Idee geworden , und scheint an wunderbarer Wirkung , und leichter Ueberzeugung beständig den Vorrang gehabt zu haben . Auch scheint die Zufälligkeit der Natur sich wie von selbst an die Idee menschlicher Persönlichkeit anzuschließen , und letztere am willigsten , als menschliches Wesen verständlich zu werden . Daher ist auch wohl die Dichtkunst das liebste Werkzeug der eigentlichen Naturfreunde gewesen , und am hellsten ist in Gedichten der Naturgeist erschienen . Wenn man ächte Gedichte liest und hört , so fühlt man einen innern Verstand der Natur sich bewegen , und schwebt , wie der himmlische Leib derselben , in ihr und über ihr zugleich . Naturforscher und Dichter haben durch Eine Sprache sich immer wie Ein Volk gezeigt . Was jene im Ganzen sammelten und in großen , geordneten Massen aufstellten , haben diese für menschliche Herzen zur täglichen Nahrung und Nothdurft verarbeitet , und jene unermeßliche Natur zu mannichfaltigen , kleinen , gefälligen Naturen zersplittert und gebildet . Wenn diese mehr das Flüssige und Flüchtige mit leichtem Sinn verfolgten , suchten jene mit scharfen Messerschnitten den innern Bau und die Verhältnisse der Glieder zu erforschen . Unter ihren Händen starb die freundliche Natur , und ließ nur todte , zuckende Reste zurück , dagegen sie vom Dichter , wie durch geistvollen Wein , noch mehr beseelt , die göttlichsten und muntersten Einfälle hören ließ , und über ihr Alltagsleben erhoben , zum Himmel stieg , tanzte und weißagte , jeden Gast willkommen hieß , und ihre Schätze frohen Muths verschwendete . So genoß sie himmlische Stunden mit dem Dichter , und lud den Naturforscher nur dann ein , wenn sie krank und gewissenhaft war . Dann gab sie ihm Bescheid auf jede Frage , und ehrte gern den ernsten , strengen Mann . Wer also ihr Gemüth recht kennen will , muß sie in der Gesellschaft der Dichter suchen , dort ist sie offen und ergießt ihr wundersames Herz . Wer sie aber nicht aus Herzensgrunde liebt , und dies und jenes nur an ihr bewundert , und zu erfahren strebt , muß ihre Krankenstube , ihr Beinhaus fleißig besuchen . Man steht mit der Natur gerade in so unbegreiflich verschiedenen Verhältnissen , wie mit den Menschen ; und wie sie sich dem Kinde kindisch zeigt , und sich gefällig seinem kindlichen Herzen anschmiegt , so zeigt sie sich dem Gotte göttlich , und stimmt zu dessen hohem Geiste . Man kann nicht sagen , daß es eine Natur gebe , ohne etwas überschwengliches zu sagen , und alles Bestreben nach Wahrheit in den Reden und Gesprächen von der Natur entfernt nur immer mehr von der Natürlichkeit . Es ist schon viel gewonnen , wenn das Streben , die Natur vollständig zu begreifen , zur Sehnsucht sich veredelt , zur zarten , bescheidnen Sehnsucht , die sich das fremde , kalte Wesen gern gefallen läßt , wenn sie nur einst auf vertrauteren Umgang rechnen kann . Es ist ein geheimnißvoller Zug nach allen Seiten in unserm Innern , aus einem unendlich tiefen Mittelpunkt sich rings verbreitend . Liegt nun die wundersame sinnliche und unsinnliche Natur rund um uns her , so glauben wir es sey jener Zug ein Anziehn der Natur , eine Äußerung unsrer Sympathie mit ihr : nur sucht der eine hinter diesen blauen , fernen Gestalten noch eine Heimath , die sie ihm verhüllen , eine Geliebte seiner Jugend , Eltern und Geschwister , alte Freunde , liebe Vergangenheiten ; der Andre meynt , da jenseits warteten unbekannte Herrlichkeiten seiner , eine lebensvolle Zukunft glaubt er dahinter versteckt , und streckt verlangend seine Hände einer neuen Welt entgegen . Wenige bleiben bei dieser herrlichen Umgebung ruhig stehen , und suchen sie nur selbst in ihrer Fülle und ihrer Verkettung zu erfassen , vergessen über der Vereinzelung den blitzenden Faden nicht , der reihenweise die Glieder knüpft und den heiligen Kronleuchter bildet , und finden sich beseligt in der Beschauung dieses lebendigen , über nächtlichen Tiefen schwebenden Schmucks . So entstehn mannichfache Naturbetrachtungen , und wenn an einem Ende die Naturempfindung ein lustiger Einfall , eine Mahlzeit wird , so sieht man sie dort zur andächtigsten Religion verwandelt , einem ganzen Leben Richtung , Haltung und Bedeutung geben . Schon unter den kindlichen Völkern gabs solche ernste Gemüther , denen die Natur das Antlitz einer Gottheit war , indessen andre fröhliche Herzen sich nur auf sie zu Tische baten ; die Luft war ihnen ein erquickender Trank , die Gestirne Lichter zum nächtlichen Tanz , und Pflanzen und Thiere nur köstliche