noch ein andrer Kerl . Die südliche Luft hatte mich aufgethaut , von Muth und Lust floß ich über , und du warst auch ein heißes köstliches Mädchen . Bey Deinem Vater gings damals herrlich zu ; Spielleute und Sänger waren weit und breit herzugekommen , und lange war in Augsburg keine lustigere Hochzeit gefeyert worden . Ihr spracht vorhin von Träumen , sagte die Mutter , weißt du wohl , daß du mir damals auch von einem Traume erzähltest , den du in Rom gehabt hattest , und der dich zuerst auf den Gedanken gebracht , zu uns nach Augsburg zu kommen , und um mich zu werben ? Du erinnerst mich eben zur rechten Zeit , sagte der Alte ; ich habe diesen seltsamen Traum ganz vergessen , der mich damals lange genug beschäftigte ; aber eben er ist mir ein Beweis dessen , was ich von den Träumen gesagt habe . Es ist unmöglich einen geordneteren und helleren zu haben ; noch jetzt entsinne ich mich jedes Umstandes ganz genau ; und doch , was hat er bedeutet ? Daß ich von dir träumte , und mich bald darauf von Sehnsucht ergriffen fühlte , dich zu besitzen , war ganz natürlich : denn ich kannte dich schon . Dein freundliches holdes Wesen hatte mich gleich anfangs lebhaft gerührt , und nur die Lust nach der Fremde hielt damals meinen Wunsch nach deinem Besitz noch zurück . Um die Zeit des Traums war meine Neugierde schon ziemlich gestillt , und nun konnte die Neigung leichter durchdringen . Erzählt uns doch jenen seltsamen Traum , sagte der Sohn . Ich war eines Abends , fing der Vater an , umhergestreift . Der Himmel war rein , und der Mond bekleidete die alten Säulen und Mauern mit seinem bleichen schauerlichen Lichte . Meine Gesellen gingen den Mädchen nach , und mich trieb das Heimweh und die Liebe ins Freye . Endlich ward ich durstig und ging ins erste beste Landhaus hinein , um einen Trunk Wein oder Milch zu fordern . Ein alter Mann kam heraus , der mich wohl für einen verdächtigen Besuch halten mochte . Ich trug ihm mein Anliegen vor ; und als er erfuhr , daß ich ein Ausländer und ein Deutscher sey , lud er mich freundlich in die Stube und brachte eine Flasche Wein . Er hieß mich niedersetzen , und fragte mich nach meinem Gewerbe . Die Stube war voll Bücher und Alterthümer . Wir geriethen in ein weitläufiges Gespräch ; er erzählte mir viel von alten Zeiten , von Mahlern , Bildhauern und Dichtern . Noch nie hatte ich so davon reden hören . Es war mir , als sey ich in einer neuen Welt ans Land gestiegen . Er wies mir Siegelsteine und andre alte Kunstarbeiten ; dann las er mir mit lebendigem Feuer herrliche Gedichte vor , und so vergieng die Zeit , wie ein Augenblick . Noch jetzt heitert mein Herz sich auf , wenn ich mich des bunten Gewühls der wunderlichen Gedanken und Empfindungen erinnere , die mich in dieser Nacht erfüllten . In den heidnischen Zeiten war er wie zu Hause , und sehnte sich mit unglaublicher Inbrunst in dies graue Alterthum zurück . Endlich wies er mir eine Kammer an , wo ich den Rest der Nacht zubringen könnte , weil es schon zu spät sey , um noch zurückzukehren . Ich schlief bald , und da dünkte michs ich sey in meiner Vaterstadt und wanderte aus dem Thore . Es war , als müßte ich irgend wohin gehn , um etwas zu bestellen , doch wußte ich nicht wohin , und was ich verrichten solle . Ich ging nach dem Harze mit überaus schnellen Schritten , und wohl war mir , als sey es zur Hochzeit . Ich hielt mich nicht auf dem Wege , sondern immer feldein durch Thal und Wald , und bald kam ich an einen hohen Berg . Als ich oben war , sah ich die goldne Aue vor mir , und überschaute Thüringen weit und breit , also daß kein Berg in der Nähe umher mir die Aussicht wehrte . Gegenüber lag der Harz mit seinen dunklen Bergen , und ich sah unzählige Schlösser , Klöster und Ortschaften . Wie mir nun da recht wohl innerlich ward , fiel mir der alte Mann ein , bei dem ich schlief , und es gedäuchte mir , als sey das vor geraumer Zeit geschehn , daß ich bey ihm gewesen sey . Bald gewahrte ich eine Stiege , die in den Berg hinein ging , und ich machte mich hinunter . Nach langer Zeit kam ich in eine große Höhle , da saß ein Greis in einem langen Kleide vor einem eisernen Tische , und schaute unverwandt nach einem wunderschönen Mädchen , die in Marmor gehauen vor ihm stand . Sein Bart war durch den eisernen Tisch gewachsen und bedeckte seine Füße . Er sah ernst und freundlich aus , und gemahnte mich wie ein alter Kopf , den ich den Abend bey dem Manne gesehn hatte . Ein glänzendes Licht war in der Höhle verbreitet . Wie ich so stand und den Greis ansah , klopfte mir plötzlich mein Wirth auf die Schulter , nahm mich bei der Hand und führte mich durch lange Gänge mit sich fort . Nach einer Weile sah ich von weitem eine Dämmerung , als wollte das Tageslicht einbrechen . Ich eilte darauf zu , und befand mich bald auf einem grünen Plane ; aber es schien mir alles ganz anders , als in Thüringen . Ungeheure Bäume mit großen glänzenden Blättern verbreiteten weit umher Schatten . Die Luft war sehr heiß und doch nicht drückend . Überall Quellen und Blumen , und unter allen Blumen gefiel mir Eine ganz besonders , und es kam mir vor , als neigten sich die Andern gegen sie . Ach ! liebster Vater , sagt mir doch , welche Farbe sie hatte , rief der Sohn mit heftiger Bewegung