Augen . Ein Schwindel ergriff sie dabei , ein inneres Erzittern . Was sollte aus dem allen werden ? War sie noch bereit für ihn ? Jedes Gefühl in ihr verlor sich in grenzenloser Unsicherheit . Etwas dergleichen mußte er wohl in ihrem Blick lesen , denn er reckte sich plötzlich straff zusammen und ließ ihre Hand nach kurzem Druck los . » Man muß nicht getrocknete Blumen wieder lebendig machen wollen ... Ich glaube , Mimi , das ist dein Geschmack so wenig wie der meine . Sieh mal , da draußen in der Schonung , wo das alte Holz niedergeschlagen ist , da wächst das junge Grün am tollsten . « Er lächelte jetzt , und sie nickte ihm zu mit tränenglänzenden Augen . Dann hob sie noch einmal die Hand und reichte sie ihm mit gutem Druck . » Auf neue Freundschaft ! « rief sie mit einem wunderlichen kleinen Lachen , drehte sich dann schnell um und lief eilig davon , als könnte sie ihren eigenen widerstreitenden Empfindungen entfliehen , wenn sie sich in die Obhut von Tante Kosegarten zurückbegeben würde . Fritz ließ sie gehen und verfolgte langsamen Schrittes den Waldweg weiter . Er zog eine der großen starken Zigarren , die er zu rauchen pflegte , aus der Brusttasche und steckte sie sorgsam in Brand . Er befand sich in dem behaglichen Geisteszustand eines Mannes , der sich aus einer schwierigen Situation glücklich gerettet und sie nach seinen Wünschen gelenkt hat . Mimi war nun auf dem Weg , auf dem er sie haben wollte . Fritz kam nach einer Weile auf den Platz am Pavillon zurück . Er fand dort niemand von den Seinen mehr vor . Zipperjahn war beschäftigt , unten am Bach die Tassen und Teller zu spülen und für den Abend neu herzurichten . Es lag Fritz im Augenblick nicht viel daran , wieder mit den Damen und seinem Vater zusammenzutreffen . Er setzte sich vor den Portikus des baufälligen kleinen Gebäudes und überdachte seine Pläne und Absichten für die Zukunft . Debberitz war sehr erfreut gewesen , ihn zu sehen , und sie waren auch schnell wieder in den alten kameradschaftlichen Ton gekommen . Aber als Fritz das Gespräch auf geschäftliche Dinge lenkte , hatte Herr Debberitz sich doch sehr vorsichtig und zurückhaltend gezeigt . Die pompöse Überheblichkeit des guten Theodor , die des alten Herrn Zorn so sehr herausgefordert hatte , amüsierte Fritz außerordentlich . Ja , sie freute ihn beinahe . Er wußte längst , wie die Eitelkeit der Menschen die beste Handhabe bietet , um sie daran zu leiten und sie nach dem eigenen Willen zu regieren . Und er überlegte jetzt nur , auf welche Weise er ihr in diesem Fall die nötige Nahrung zuführen könne , um Thete Debberitz gefügig zu machen und zugleich die Antipathie in seiner Familie zu schonen . Fritz war wie alle Menschen eines unsteten abenteuerlichen Lebens ein wenig abergläubisch . Er vertraute seinem guten Stern , wartete bestimmt auf unvorhergesehene günstige Zufälle , die da helfend eingreifen würden , wo sein Verstand im Augenblick noch keinen Ausweg sah , und war jetzt wie immer fest entschlossen , wenn sein Stern sich ihm nicht günstig erweisen würde , wenn der Zufall ihm hindernd , statt fördernd in den Weg treten sollte , das Unternehmen , um dessentwillen er herübergekommen war , binnen kurzem aufzugeben und irgendeinen neuen Weg zu Glück und Erfolg einzuschlagen . Als er in seinem Gedankengange bei solchen Erwägungen angelangt war und aufblickend die gewichtige und stattliche Erscheinung des Herrn Theodor Debberitz sich über die Brücke auf den Platz zu bewegen sah , verwunderte ihn dieses Zusammentreffen nicht weiter . Es erfüllte ihn nur mit der ruhigeren Sicherheit , daß sein Glücksstern ihm diesmal treubleiben werde . Er ging dem in seiner Leibesfülle langsam Daherschreitenden mit einem ziemlichen Aufwand von Herzlichkeit und Freude entgegen und rief ihm schon von weitem zu : » Na , alter Junge , du kommst ja wie gerufen ! Weißt du , daß wir im Begriff sind , hier meinen allerhöchsten Geburtstag zu feiern , daß aber meine werten Angehörigen in ungebändigter Naturschwärmerei sich im Wald zerstreut haben und mich mit der Maibowle hier ganz allein ließen ! Du mußt durchaus ein Glas mit mir trinken . Zipperjahn , hebe die Bowle aus dem Korb im Bach , und bringe Gläser her . Sie wird gerade gut angekältet sein ! « » Nee , nee , « machte Debberitz abwehrend , » Fritzeken , laß jut sein ! Du bist ja ein janz famoser Kerl jeblieben , aber mit deinem Ollen , nee , mit dem möcht ich doch hier nicht zusammentreffen ! « » Das sind so kleine Mißverständnisse , « rief Fritz munter , » die gleichen sich schon wieder aus . Mein Vater ist ein jähzorniger , alter Herr , aber seine Ausbrüche sind nicht so ernst zu nehmen . « Debberitz stemmte die Arme in die Seiten . » Siehste , Fritz , das ist eine vernünftige Anschauung . Im Grunde meine ich ' s ja jut mit deinen Leuten , man hat doch die alte Anhänglichkeit ... Aber wie einen Wucherer und Blutsauger mag man sich doch nicht behandeln lassen ! « Fritz lachte . » Das mußt du meinem Vater schon zugute halten , « meinte er gemütlich , » das ist nun mal die alte Anschauung der Landjunker ... In jedem Geschäftsmanne sehen sie einen Blutsauger oder einen abenteuerlichen Spekulanten . Betrachtet mich denn mein Vater anders ? Na also ... Zipperjahn , schenk ein ! « Er hatte seinen Freund untergefaßt und nach dem Pavillon gezogen , nahm nun zwei Gläser aus dem noch unausgepackten Korb und ließ sie von dem herbeigeeilten Zyprian mit Maibowle füllen . » Junge , die scheint gut , da müssen wir uns dranmachen ! « rief er lustig . Debberitz stand noch zögernd . » Was wird aber die olle Jnädige dazu sagen ? « meinte er ,