wiederholte er . „ Ja , von Fräulein Moser . Ich kann Ihnen die Beruhigung geben , daß der Zustand der jungen Dame nicht gefährlich ist , wenn die Patientin auch großer Schonung und Pflege bedarf . Sie ist allerdings sehr nervös , indessen – “ „ Herr , wie kommen Sie zu meiner Tochter ? “ rief der Hofrath . „ Indessen , das wird sich bei geeigneter Behandlung geben , “ fuhr Max fort , ohne sich in seiner Rede an Geringsten stören zu lassen . „ Ich habe vorläufig eine Arznei verordnet , von der ich mir die beste Wirkung verspreche , und komme in einigen Tagen wieder , um nach dem Fräulein zu sehen . “ „ Ich habe Sie aber gar nicht gerufen , “ protestirte der Hofrath , dem es jetzt ganz wirr im Kopfe zu werde begann , da er sich den Zusammehang des ihm Berichteten gar nicht erklären konnte . „ Bitte , ich wurde gerufen , “ sagte Max . „ Fragen Sie nur Frau Christine ! Wie gesagt , ich hoffe sehr viel von der Arznei und komme übermorgen wieder . Bitte , keinen Dank , Herr Hofrath ! Es geschieht mit dem größten Vergnügen . Wollen Sie mich dem Fräulein empfehlen ? Auf Wiedersehen ! “ Hofrath Moser stand einige Secunden lang starr , wie eine Bildsäule , dann aber eilte er im Sturmschritt nach seiner Wohnung , um dort die Aufklärung des Räthsels zu suchen , während der junge Arzt lachend den Weg nach der Stadt einschlug . Textdaten zum vorherigen Teil < < < > > > zum nächsten Teil zum Anfang Autor : W. Heimburg Titel : Um hohen Preis aus : Die Gartenlaube 1878 , Heft 15 , S. 239 – 242 Fortsetzungsroman – Teil 7 [ 239 ] Das ganze erste Stockwerk des Regierungsgebäudes war glänzend erleuchtet . Bei dem Gouverneur fand alljährlich am Geburtstage des Landesherrn eine große Festlichkeit statt , wo die Elite der Stadt und der Umgegend zu erscheinen pflegte . Diesmal sollte sich dem üblichen Empfange noch ein Ball anschließen , eine Neuerung , die man wohl hauptsächlich der Anwesenheit der Baronin Harder und ihrer Tochter verdankte , die aber von der Damenwelt Rs . entschieden beifällig aufgenommen wurde . Es war noch zu früh für die Ankunft der Gäste , aber die Festräume strahlten schon in vollem Glanze , und die Diener hatten sich , nachdem die letzten Vorbereitungen beendigt waren , in das Vorzimmer zurückgezogen . Gabriele war mit der Toilette früher fertig geworden als ihre Mutter , die noch immer die Geduld ihres Kammermädchens auf eine harte Probe stellte und fortwährend an dem Anzuge zu ändern und zu bessern fand . Die junge Baronin betrat also allein den kleinen Salon , am Anfange jener Zimmerreihe , die nur bei festlichen Gelegenheiten geöffnet wurde . Die Hauptwand dieses Salons schmückte ein Bild , dessen reich vergoldeter Rahmen sich effectvoll von der dunklen Sammettapete abhob . Es stellte die verstorbene Gemahlin des Freiherrn von Raven dar und war von einem der berühmtesten Künstler gemalt worden . Aber auch dessen Hand hatte es nicht vermocht , den nicht unangenehmen , aber völlig apathischen und geistlosen Zügen irgend ein Interesse zu verleihen ; eine gewisse Vornehmheit der Haltung und eine überreiche Toilette-Entfaltung war das Einzige , was den Beschauer flüchtig zu fesseln vermochte . Wer dieses Bild sah und sich daneben die bedeutende , energische Persönlichkeit des Freiherrn vergegenwärtigte , der fühlte heraus , wie tief die geistige Kluft zwischen den beiden Gatten , wie unmöglich eine gegenseitige Annäherung derselben gewesen sein mußte . Gabriele war vor dem Bilde stehen geblieben und betrachtete es noch , als sich die Thür öffnete , die am Ende der langen Zimmerflucht zu den Gemächern des Freiherrn führte . Raven selbst trat heraus . Er war heut , zu Ehren des Tages , in voller Galakleidung , und die reiche Hoftracht mit dem breiten Ordensbande über der Brust hob noch das Imponirende seiner Erscheinung , als er langsam , in gewohnter stolzer Haltung durch die Säle schritt und sich dem jungen Mädchen näherte . „ Sieh da , Gabriele ! Schon fertig ? Was stehst Du so nachdenkend hier vor dem Bilde ? “ Es sprach ein deutliches Mißvergnügen aus den letzten Worten . Gabriele bemerkte es nicht ; sie antwortete unbefangen : „ Ich wundere mich , das Portrait der Tante hier zu finden . Hast Du denn an Deinen eigenen Zimmern keinen Raum dafür ? “ „ Nein ! “ war die kurze , aber sehr bestimmte Antwort . „ Aber die Gesellschaftsräume werden ja kaum einige Male im Jahre geöffnet . Weshalb hängt das Bild nicht in Deinem Arbeitszimmer ? “ „ Wozu das ? “ fragte Raven kalt . „ Deine Tante hat es nie betreten . Ich habe ihr Portrait in die Salons bringen lassen , wo es jedenfalls besser an seinem Platze ist . – Wie gefallen Dir die Festräume des Schlosses ? Du siehst sie ja zum ersten Male in voller Beleuchtung . “ Sein jähes Abbrechen verrieth , wie lästig ihm das Gespräch war . Er nahm ohne Weiteres den Arm Gabrielens , führte sie weg von dem „ Portrait ihrer Tante “ , und begannt mit ihr eine Wanderung durch die Gemächer , um ihr Verschiedenes zu zeigen und zu erklären . Die Flügelthüren waren überall weit zurückgeschlagen , und man übersah die ganze Reihe der Zimmer und Säle . Es waren wahrhaft fürstliche Räume , die dem Gouverneur zu Gebote standen , und ihnen entsprach die schwere , etwas alterthümliche Pracht der Einrichtung . Die reichen Wand- und Deckenverzierungen , die tiefen Fensternischen und hohen Marmorkamine gehörten noch der früheren Zeit des Schlosses an . Man hatte sie unverändert gelassen , aber dazu gesellten sich kostbare Damast- und Atlastapeten , schwere Sammetvorhänge , reiche Vergoldungen , und das Alles , strahlend im hellsten Kerzenglanz , machte einen wahrhaft blendenden Eindruck . Die junge Baroneß Harder