mir zu halten hast , und Du weißt auch , daß ich Dich immer gern gehabt habe , trotz alles Streitens . – willst Du meine Frau werden , Martha ? “ Die Werbung kam so gewaltsam , so stürmisch und heftig heraus , wie es in dem Wesen des Freiers lag . Er athmete tief auf , als sei mit dem entscheidenden Worte auch eine Last [ 91 ] von seiner Brust herunter . Martha saß noch immer unbeweglich vor ihm ; ihre sonst so blühende Gesichtsfarbe war einer tiefen Blässe gewichen , aber sie schwankte und zögerte auch nicht einen Moment lang , als sie ein leises , freilich halb ersticktes Nein hervorstieß . Ulrich glaubte nicht recht gehört zu haben . „ Nicht ? “ „ Nein , Ulrich , ich will nicht ! “ wiederholte das Mädchen tonlos , aber fest . Der junge Mann richtete sich beleidigt auf . „ Nun , dann freilich hätte ich die ganze Rede sparen können ! Der Vater hat sich also geirrt und ich dazu . Nichts für ungut , Martha ! “ Durch die kurze Abweisung in seinem Mannesstolze arg verletzt , war er im Begriff , die Stube zu verlassen , als ein Blick auf Martha ihn zwang zu bleiben . Sie hatte sich erhoben und mit beiden Händen die Lehne des Stuhles gefaßt , als müsse sie sich daran halten . Kein Wort der Erwiderung oder der Erklärung kam über ihre Lippen , aber diese Lippen bebten so heftig und in dem bleichen Gesichte zuckte ein so unnennbares Weh , daß Ulrich eine Ahnung überkam , sein Vater könne trotz alledem Recht haben . „ Ich glaubte , Du hättest mich gern , Martha ! “ sagte er mit leisem Vorwurf . Sie wandte sich mit einer heftigen Bewegung weg von ihm und verbarg das Gesicht in den Händen , aber er hörte einen Laut , der wie mühsam unterdrücktes Schluchzen klang . „ Ich hätte es mir denken können , daß ich Dir zu rauh , zu wild bin . Du fürchtest Dich davor und meinst , es könnte nach der Heirath nach schlimmer damit werden – an dem Lorenz wirst Du freilich einen besseren Mann haben , der Dir in allen Stücken den Willen thut . “ Das Mädchen schüttelte den Kopf und sie kehrte ihm jetzt auch langsam das Gesicht wieder zu . „ Ich fürchte mich nicht vor Dir , wenn Du auch oft rauh und wild bist . Ich weiß , Du kannst nicht anders , und ich hätte Dich genommen , wie Du warst , und vielleicht gern genommen . Aber so will ich Dich nicht , Ulrich , wie Du jetzt bist , wie Du bist seit dem Tage , wo – die gnädige Frau herkam . “ Ulrich zuckte zusammen ; eine flammende Röthe schlug auf einmal in seinem Gesichte auf . Er wollte auffahren , wollte ihr heftig Schweigen gebieten und brachte doch keine Sylbe über die Lippen . „ Der Oheim meint , Du kümmertest Dich um Niemanden , weil Du ganz andere Gedanken im Kopfe hättest , “ fuhr Martha immer erregter fort , „ ja wohl , ganz andere Gedanken ! Um mich hast Du Dich auch nie gekümmert , und jetzt kommst Du auf einmal und willst mich zur Frau haben ! Du brauchst wohl Jemand , der Dir die ‚ Gedanken ‘ forttreibt , nicht wahr , Ulrich ? Und dazu ist Dir die nächste Beste recht , dazu bin ich Dir gut genug ? Aber so weit ist ’ s denn doch noch nicht , daß ich dazu tauge . Und wenn ich Dich lieb gehabt hätte mehr als Alles in der Welt , und wenn es mir an ’ s Leben ginge , daß ich von Dir lassen muß – lieber den Lorenz , lieber jeden Anderen jetzt , nur Dich nicht ! “ Es war ein Ausbruch furchtbarer Leidenschaftlichkeit bei dem sonst so ruhigen Mädchen . An dem Sturme , den er in ihr entfesselt , hätte Ulrich empfinden können , wie tief er ihr im Herzen saß , vielleicht empfand er es auch wirklich , aber das nahm die Wolke nicht von seiner Stirn und nicht den flammenden Schein , der dunkler wurde bei jedem ihrer Worte . Er hatte keine Erwiderung darauf , und als sie jetzt in ein lautes Weinen ausbrach , da stand er stumm neben ihr , ohne ein Wort des Trostes oder der Beruhigung . So vergingen einige Minuten in qualvollem Schweigen . Martha lag mit Kopf und Armen über den Tisch hingeworfen . Man hörte nur ihr krampfhaftes Schluchzen und dazwischen das einförmige Ticken der alten Wanduhr . Endlich beugte sich Ulrich zu ihr hinab ; seine Stimme war nicht mehr rauh und heftig , aber auch nicht milde ; es lag in ihr nur ein dumpfes Schmerzgefühl . „ Laß gut sein , Martha ! Ich dachte , es sollte besser werden , wenn Du mir hülfest ; vielleicht wäre es auch nur schlimmer geworden , und Du hast ganz Recht , wenn Du es darauf hin nicht mit mir wagen willst . So bleibt es denn beim Alten mit uns Beiden . “ Er ging ohne weiteren Abschied ; nur an der Schwelle blieb er noch einmal stehen und sah nach dem Mädchen zurück . Sie hob den Kopf nicht , und er ging rasch vollends hinaus . „ Nun ? “ fragte eifrig der Schichtmeister , der ihm draußen entgegen kam . „ Nun ? “ wiederholte er langsamer , denn das Gesicht seines Sohnes sah nicht aus wie das eines glücklichen Bräutigams . „ Es war umsonst , Vater ! “ sagte Ulrich tonlos . „ Die Martha will mich nicht . “ „ Will Dich nicht ? Dich nicht ? “ rief der Alte in einem Tone , als ob ihm das Unglaublichste von der Welt gemeldet werde . „ Nein ! Und nun quäle sie nicht