wichtigen Studien beschäftigt scheint . Sie werden erfreut sein , die nöthige Ruhe und Muße zurück zu erhalten , Hochwürden . Darf ich bitten , mein Fräulein ? “ Lucie war im Begriff , das Anerbieten anzunehmen , Ottfried stand bereits an ihrer Seite und wies nach dem Fußpfade hinüber – da auf einmal trat der junge Priester zwischen sie . Seine Hand legte sich schwer und kalt auf den Arm des jungen Mädchens , sie schauerte leise zusammen unter der Berührung . „ Sie thun besser , den Rückweg allein anzutreten , mein Fräulein ! Der Wald ist sicher , vertrauen Sie sich immerhin seinem Schutze ! “ Ottfried wendete sich bei der unerwarteten Einmischung hastig um , und maß den Störer mit einem halb zornigen , halb ironischen Blick . „ Ich habe nicht geglaubt , Hochwürden , daß irgend eine weltliche Angelegenheit im Stande wäre , Ihr Interesse zu erregen ! “ sagte er spöttisch . „ Bitte , bedenken Sie , daß die junge Dame nicht zu Ihren Beichtkindern gehört , und daß ihr jedenfalls allein das Recht zusteht , meine Begleitung anzunehmen oder abzulehnen . “ Die Hand Benedict ’ s lag noch immer schwer und kalt auf Luciens Arm , seine Stimme war tonlos , aber sie hatte eine eiserne Festigkeit : „ Ich zweifle ebenso sehr daran , daß der Bruder Fräulein Günther ’ s von diesem – Zusammentreffen und von dieser Begleitung unterrichtet ist , als daß er sie billigt , und ich glaube in seinem Namen zu handeln , wenn ich beides verhindere . Die junge Dame kehrt entweder allein nach Dobra zurück , oder sie geht unter meinem Schutze , nicht unter dem Ihrigen . “ „ In der That , Sie maßen sich eine eigenthümliche Bevormundung über uns Beide an ! “ rief Ottfried gereizt . „ Wer giebt Ihnen das Recht zu solchen Befehlen , dem Fräulein und mir gegenüber ? “ „ Der Ruf , in dem Sie stehen , Herr Graf ! “ gab Benedict eisig zurück . „ Herr Pater Benedict ! “ fuhr Ottfried wütend auf . „ Herr Graf Rhaneck ! “ Rede und Gegenrede klangen gleich drohend und herausfordernd . Bebend vor Zorn wandte sich Ottfried jetzt an Lucie . „ So muß ich Sie bitten , mein Fräulein , diesen unerhörten Eingriff in Ihren Willen zurückzuweisen ! Sagen Sie dem Herrn Pater , daß Sie sich meinem Schutze allein anvertrauen , und nicht gesonnen sind , sich darüber Vorschriften machen zu lassen . “ Lucie – sagte gar nichts . Sie fand den Eingriff freilich auch unerhört , und jedem Andern gegenüber hätte sie sich mit vollster Heftigkeit dagegen erhoben , aber ihr sonst immer reger Trotz und Eigenwille sank hier machtlos zusammen . Sie konnte nicht trotzen diesem Manne gegenüber , der jetzt mit so furchtbarem Ernste auf sie niederschaute , aber sie fühlte mit tiefer Bitterkeit , ja mit einer Art von Verzweiflung , daß sie es nicht konnte . Ihre Ahnung , die sie gleich beim ersten Male diese „ Gespensteraugen “ fliehen hieß , hatte sie nicht getäuscht , er bannte sie ja förmlich mit diesen Augen , er legte ihren ganzen Willen damit in Fesseln und lähmte ihr das Wort auf der Zunge . Lucie hoffte trotzdem , der Graf werde ihr zu Hülfe kommen , und sie war entschlossen , sich dann auf seine Seite zu stellen ; jedoch der Graf schien keine Lust zu irgend einem Gewaltstreich zu haben , er schoß einen haßerfüllten Blick auf den jungen Priester , aber er trat zurück . „ Sie werden die Güte haben , mir eine Erklärung über dies Benehmen zu geben , Hochwürden ! “ „ Sobald wir uns allein gegenüberstehen – zu jeder Stunde ! “ Lucie fühlte , wie ihr Arm fester gefaßt wurde , sie sah sich fortgezogen , in der nächsten Minute lag die sonnige Wiese bereits hinter ihnen , und der tiefe Schatten des Waldes nahm sie auf . Das junge Mädchen eilte mit raschen Schritten vorwärts , sie wollte so bald als möglich der unwillkommenen Begleitung ledig werden , die sie gleichwohl nicht zu verweigern wagte . Benedict hatte ihre Hand in dem Momente losgelassen , als sie in den Wald eintraten , aber er blieb dicht an ihrer Seite . Nicht ein einziges Wort fiel zwischen ihnen während des ganzen , länger als eine halbe Stunde dauernden Weges , und wenn irgend etwas im [ 86 ] Stande war , Lucie noch mehr zu erbittern , so that es dies eisige Schweigen , denn sie fühlte ganz richtig heraus , daß eine Verurtheilung darin lag . Sie ging ja hier gerade wie eine Verbrecherin , die man nicht einmal mehr des Wortes würdigt , und doch war sie die Gekränkte , Beleidigte . Ihr Herz war zum Zerspringen voll von einer Bitterkeit , die sich jetzt zum Theil auch gegen den Grafen richtete . Warum ließ er sie so ohne Weiteres in der Gewalt dieses entsetzlichen Menschen , warum behauptete er nicht unter allen Umständen seinen Ritterdienst bei ihr ? Er mußte es ja doch sehen , daß sie nur halb gezwungen folgte , und er stand doch sicher nicht unter jenem lähmenden Einflusse , dem sie fast willenlos sich beugte . Dem jungen Mädchen waren die Thränen nahe , es bedurfte nur noch eines einzigen Anstoßes , und sie brachen hervor . Da endlich lag der Ausgang des Waldes vor ihnen , hier begann bereits das Gebiet von Dobra , von drüben schimmerte das Dach des Schlosses hinüber , und auf dem Felde waren eine Menge von Arbeitern beschäftigt ; Benedict blieb stehen . „ Ich habe Sie , wie es scheint , sehr gegen Ihren Willen jener Gesellschaft entzogen , mein Fräulein . Sie werden den Eingriff wohl auch ‚ unerhört ‘ finden , ich habe ihn mir nichtsdestoweniger nun einmal erlaubt , und ich erlaube mir sogar noch eine Warnung , auf die Gefahr hin