, und mein Eifer , Euch zu dienen « , sagte Jenatsch . » Dies Verlangen stärkte meine Erfindungskraft und ließ mich zur Erreichung des Ziels die kühnsten Mittel ergreifen . Meine Aufgabe in Zara ist gelöst , und wenn ich nach Venedig zurückeilte , bevor der Provveditore mir eine neue Herkulesarbeit auf irgendeiner fernen Insel aussann , so wird es Euch leicht werden , wofern Ihr mir geneigt seid , diese Dienstunregelmäßigkeit in ein günstiges – in ihr wahres Licht zu stellen und bei meinem Vorgesetzten zu entschuldigen . « Der forschende Blick des Herzogs versenkte sich eine Weile in das feurige Gesicht des Bündners , das für ihn mit irgendeiner fernen Erinnerung zusammenhing ; doch dieser Blick wurde immer wohlwollender , bestochen durch die innige Bitte der finster beschatteten Augen . Während dieses Gesprächs hatte sich die Gesellschaft dem Ausgange zubewegt . Der Küster hob den schweren Damastvorhang der Pforte und empfing mit devoten Bücklingen das Goldstück des Herzogs und die sorgfältig in ein Papier gewickelte Gabe des Herrn Waser . » Ein gutes Wort bei Grimani für Euch einzulegen , Signor Jenatsch , das werd ich mir noch heute angelegen sein lassen « , sprach der Herzog , als sie draußen in der sonnigen Luft standen . » Er speist bei mir . Diesen Abend , nachdem Ihr mir Zeit gelassen habt , ihn zu Euren Gunsten zu stimmen , stellt Euch bei mir ein , ich habe dann Muße , mich mit Euch über Eure Angelegenheiten zu unterhalten . Die Interessen Eures Vaterlandes sind auch die meinigen . Ich erwarte Euch zu früher Abendstunde in meiner Wohnung am Canal grande . – Wertmüller « , rief er , » bis dahin begleitet den Hauptmann . Ihr haftet mit Eurer Liebenswürdigkeit dafür , daß mein Gast nicht anderwärts in dem verlockenden Venedig gefesselt wird . Unterhaltet ihn geistreich , bewirtet ihn standesgemäß und bringt mir ihn pünktlich . « Die Herzogin war schon huldvoll grüßend in eine der harrenden Gondeln getreten . Nun schied auch der Herzog und nur Waser , welcher mit einigen Herren des Gefolges die zweite zu benutzen willens war , blieb noch einen Augenblick zurück . Er hatte die Unterredung des Herzogs mit seinem Jugendgenossen , den er eine Reihe von Jahren aus den Augen verloren , nicht stören wollen . Auch hatte er nicht ungern die Erkennungsszene um einen Moment hinausgeschoben , den er benutzte , um sich in Jürgs gegenwärtiger Gestalt zurechtzufinden . Seit jenem hoffnungslosen Abschied in Zürich waren nur zufällige Nachrichten von Jenatsch und dessen Schicksalen in verschiedenen protestantischen Heeren an sein Ohr gelangt . Da war die Rede gegangen von häufigen Lagerduellen mit unvermutet tödlichem Ausgange für den oft höhergestellten Gegner , halsbrechenden Abenteuern und blutigen Überfällen . Auch von bewunderten Kriegstaten in ehrlicher Feldschlacht sprach das Gerücht , doch alles schwebte und schwankte in unbestimmten Umrissen . Im Laufe der Zeit hatte sich Jürgs Bild in Wasers Seele zu einer rätselhaften Traumfigur verzogen . – So drückte er ihm denn freundschaftlich , aber etwas förmlich und verlegen die Hand und beschränkte sich darauf , angelegentlich nach seinem gegenwärtigen Befinden und jetzigen Range sich zu erkundigen . Dann bestieg auch er die Gondel und die beiden Offiziere standen sich auf dem Campo dei Frari allein gegenüber . » Wenn es Euch genehm ist , Herr Hauptmann « , begann Wertmüller , » erfülle ich von meinen drei Aufträgen den mittleren zuerst und führe Euch auf den Markusplatz in das von mir erprobte und gutgeheißene Gasthaus zu den Spiegeln . Hernach lustwandeln wir ein Stündchen in den Arkaden unter den venezianischen Schönheiten . Erfreut sich dieses Programm der Zustimmung des Herrn Kameraden ? « Der streng wissenschaftlich geschulte , ehrsüchtige Wertmüller glaubte sich die vertrauliche Anrede dem älteren aber in regelloser Laufbahn vorgedrungenen Kriegsmanne gegenüber erlauben zu dürfen . » Wie Ihr meint , Wertmüller « , sagte Jenatsch anscheinend mit heiterer Einwilligung , » doch schlag ich zuerst noch eine kleine Spazierfahrt vor – nach Murano ? « Diese laut mit fröhlicher Stimme gesprochenen Worte wurden augenblicklich von zwei Gondolieren aufgefangen , die im Vorüberfahren die beiden Offiziere auf dem Campo erblickt und an der Landungstreppe auf die glänzende Beute gelauert hatten . Schon hatten sie ihr leichtes offenes Fahrzeug von der Mauer gelöst und die Ruder ergriffen . Der Hauptmann sprang rasch in die Gondel und Wertmüller folgte . Viertes Kapitel Viertes Kapitel Der Auftrag des Herzogs war der unruhigen Neugier des jungen Zürchers in hohem Grade willkommen . In seiner Heimat hatte er vordem den bündnerischen Parteiführer aufs verschiedenste beurteilen hören . Auf den lärmenden Zunftstuben der Handwerker galt damals Jürg Jenatsch als ein volkstümlicher Held , in den landesväterlichen diplomatisch gefärbten Kreisen als ein gewissenloser , blutbefleckter Abenteurer . Aber Rudolf Wertmüller hatte seiner Heimat frühzeitig den Rücken gewandt , um einen militärischen Bildungsgang anzutreten , der den Begünstigten schon mit sechzehn Jahren in das Kriegsgefolge und die persönliche Nähe des edeln Herzogs Heinrich geführt hatte . Noch war ihm gegenwärtig , wie einst die unglaubliche Verwegenheit und Zähigkeit , welche Jenatsch in den Volkskämpfen gegen die Spanier bewiesen , seine junge Phantasie beschäftigte . Doch aus noch früherer Zeit erinnerte er sich auch , daß der wilde Anteil des protestantischen Prädikanten an den ruchlosen demokratischen Strafgerichten mit ihren Erpressungen und politischen Morden in seiner Familie Abscheu erregt hatte , und daß es ihm besondern Spaß gemacht , als sein Präzeptor darüber wehklagend die Hände gen Himmel erhob . Daneben schwebte ihm ein anderes Erlebnis seiner Kinderjahre mit frischester Deutlichkeit vor . Am städtischen Jahrmarkte stand er einst mitten in der gespannt lauschenden Volksmenge vor dem Schauergemälde eines Bänkelsängers und lauschte den endlosen Versen einer tragischen Mordgeschichte . Die ruckweis wandernde Gerte des Leiermanns wies auf die Szenen einer mit den grellsten Farben bemalten Tafel . Auf dem Mittelstück umstanden die sogenannten drei bündnerischen Telle ihr nur mit dem Hemde bekleidetes , aus einem Schlot heruntergerissenes Opfer , den unglücklichen Herrn Pompejus . Einer von