Kutte durch die Straßen von Canterbury , seine Gäste , die sächsischen Bettler , wo er gehe und stehe , hinter sich herziehend , da wurde Herr Heinrich unsicher und die scherzhaften Anwandlungen vergingen ihm ; doch bald hatte er erraten , daß der unvergleichlich Kluge die Maske eines heiligen Mannes nur vorgenommen , um gegen den Papst in den bevorstehenden Unterhandlungen über die geistliche Gerichtsbarkeit in Engelland eine Macht zu gewinnen . Immerhin beschloß er , selbst zu der Sache zu sehen , und beschleunigte seine Überfahrt nach Engelland . Unterwegs zwischen Dover und London wurde er zu wiederholten Malen von normännischen Herren erwartet und um Recht angerufen gegen den neuen Primas , seinen Kanzler , der sich weigere , ihnen ihre entlaufenen sächsischen Knechte zurückzugeben , welche – so klagten die Herren – jetzt haufenweise den Klöstern zueilen , um sich das Haupt scheren zu lassen , wozu Herr Heinrich mißmutig das seinige schüttelte . Am Morgen nach seiner Ankunft in Windsor versammelte sich in der großen Halle des Schlosses aller Adel , um die heimgekehrte Majestät zu begrüßen . Sie schlummerte noch . Ich aber bewachte die Tür , durch welche mein König in die Halle zu treten pflegte , und von wo sich die glänzende Versammlung leicht überschauen ließ . Unter all den Herren war von nichts anderem die Rede als von der unerklärlich plötzlichen Verwandlung des Herrn Thomas Sie waren gespannt auf seine Erscheinung ; denn sie wußten ; daß er kommen würde , die Majestät zu begrüßen , und unterhielten sich lebhaft mit gedämpften Stimmen , wie es sich in königlichen Gemächern geziemt . Nur Herr Rollo , der Greis , der sie alle um Haupteslänge überragte , tat sich keine Gewalt an und seine Rede grollte wie ein dumpf rollender Donner . Er stand auf der rechten Seite des Saales in einem Kreise bejahrter Herren , die hagerste , trockenste Gestalt unter ihnen , und lästerte nach seiner Art gegen die Gesamtheit der Geschorenen und den neuen Primas insbesondere . › Nie traute ich ihm Mannestreue zu ‹ , schalt der Waffenmeister , › dieser blassen Memme ! Der falsche und feige Sklave duckt seinen dünnen Leib in die Kutte , weil er ihn dort mehr in Sicherheit glaubt , als unter dem Schilde seines Königs . Hätt ich mit dem Heuchler angebunden , solange er ein Schwert trug ! Ihr werdet erleben , der Ränkeschmied stiftet uns schweres Unheil an ! ‹ Und die Herren stimmten ihm bei . Auf der anderen Seite höhnten und kicherten die Jüngern , denen Herr Wilhelm Tracy sein Mokierbüchlein wies . Dieser Herr war ein fertiger Zeichner , müßt Ihr wissen , der mit dem Stifte zu spotten verstand wie kein anderer . Mit einer kleinen Verzerrung verwandelte er ein Menschenantlitz in das eines Tieres oder in das Abbild eines toten Dinges , dem Gelächter aller Welt es preisgebend . Auch mich faßte einmal sein Griffel und schuf mich zu einem krummbeinigen Jagdhund , der dem König in seiner großen Schnauze eine Schnepfe zutrug . Obschon mir damals der Spaß nicht gefiel , war ich der erste ihn zu belachen , denn es war das klügste . Andere , von reizbarerem Blute und besserem Adel als ich , erzürnten sich wohl , wenn sie Herr Wilhelm in solcher Verwandlung auf die Täfelchen seines Buches kritzte , das er jederzeit an den Gurt gekettelt trug . Gut , daß seine Klinge ebenso spitz war als sein Griffel , sonst hätte ihm dessen Schärfe das Leben gekostet . Der Spötter wies jetzt der jungen Ritterschaft ein neues Blatt seiner Schildereien . Neugierig näherte ich mich Herrn Rinald dem Schönen , wie sie ihn nannten , der das Spottbüchlein eben in der Hand hielt . Fr wand sich vor Lachen und ließ dabei das Büchlein auf den Boden fallen . Ich hob es ihm auf und erblickte darin eine seltsame Pflanze . Aus einem mageren Halme , dessen herabhängende Blätter die Ärmel einer Kutte bildeten , wuchs am schwanken Stielchen eines dünnen Halses als Ähre ein mir wohlbekanntes Marterangesicht . Es war die Heuchelgestalt eines Eremiten und der Primas , wie er leibte und lebte . So schnell wird am Hofe ein Gefürchteter zu einem Verlachten . Das Büchlein machte noch die Runde , da vernahm man aus der Ferne einen wunderlichen Klang . Es war eine fromme , ein fältige Litanei , die sich dem Burghofe langsam näherte , von tausend und aber tausend inbrünstigen Stimmen halb kriegerisch halb klagsam gesungen . › Der Primas und seine Bettler ! ‹ ertönte es im Saal und die Herren eilten an die Fenster . Auch ich fand meine Spalte und sah , wie Herr Rollo von der zunächst ragenden Zinne die gepanzerte Rechte gebieterisch ausstreckte . › Die Zugbrücke auf ! Zu die Torflügel ! ‹ schrie er in den Burghof hinunter , wo normännische Waffenknechte das Tor hüteten . Aber der friedliche Heerhaufe : Mönche , Bettler , Kinder , jegliches Volk geringer Art , drückte und drang wie eine Herde unaufhaltsam herein . Die Kriegsknechte konnten Herrn Rollo nicht mehr gehorchen , sie waren unwillkürlich zurückgewichen , denn Herr Thomas hatte sie mit ausgebreiteten Armen gesegnet . Er schritt hinter einem hochgetragenen Kreuze an der Spitze seines armen Zuges . Er , den ich nie anders hatte zu Hofe kommen sehen , als im kostbarsten Aufzuge und mit dem edelsten Geleite trug ein grobes , härenes Gewand , und die Zehen seines nackten auf Sandalen wandelnden Fußes glänzten unter der dunkeln Wolle hervor wie ein Stück Elfenbein . Ehrerbietig und scheu empfing ihn die königliche Dienerschaft um ihn in die Burg zu geleiten . Noch einmal wandte er sich auf der Schwelle gegen die Seinigen und gebot ihnen , geduldig seiner Rückkehr zu harren . Sie gehorchten und lagerten sich demütig auf den Boden , die steinernen Bänke des Hofes und die Stufen der Marmortreppe frei lassend . Mein Blick fiel auf den Sachsen , der dem Primas