Lothar neben dem Herzog , und eben schickten sie sich an , dem Hause zuzugehen , die fürstliche Frau am Arme Klaudines . Rasch schlüpfte sie durch die Glastür in die Wohnstube und von dort in Fräulein Lindenmeyers Zimmer . Die alte Dame stand vor dem Spiegel und stülpte die rotbebänderte Haube auf , die einen ebenso verzweifelten Eindruck machte wie ihre Besitzerin , deren Hände keine Nadel in die Haube zu stecken vermochten vor Zittern . Das alte Fräulein bot einen drolligen Anblick , sie hatte zwar schon die schwarze Kleidertaille angelegt , aber der Rock hing noch vergessen im Spinde mit den weit aufgesperrten Türen . » Lindenmeyerchen , regen Sie sich doch nicht auf ! « rief Beate belustigt , » sagen Sie mir lieber , wo die Kristallteller aufbewahrt werden , die noch von der Großmama stammen , und wo Klaudine die silbernen Löffel hat ? Und dann setzen Sie sich in Ihren Lehnstuhl ans Fenster . Dafür genügt Ihre Toilette just , und betrachten Sie später in aller Ruhe die Herrschaften , wenn sie im Garten spazieren . « Aber die alte Dame hatte so völlig den Kopf verloren , daß sie beteuerte , sie wisse sich in diesem Augenblick auf nichts , rein gar nichts zu besinnen , und wenn sie sich das Leben damit retten könnte . Lachend machte Beate die Tür zu und stieg die Treppe hinauf zu dem Träumer . Der hatte natürlich noch keinen Schimmer von der Ehre , die seinem Hause widerfuhr , und sah und hörte nichts als seine eigenen Gedanken . Sie schüttelte den Kopf und stand doch zaghaft vor der altersbraunen Tür , die in die Glockenstube führte . Ein helles Rot lag über ihrem Gesicht , als sie auf sein » Herein ! « den Drücker bog , und plötzlich sah ihr Antlitz , dieses strenge Antlitz mit den starken Linien , mädchenhaft lieblich aus . » Joachim , Sie haben Besuch « , sprach sie , » nehmen Sie Ihr köstliches Gewand und kommen Sie . Das herzogliche Paar ist unten . « Als er den Kopf hob und sie ärgerlich und verwundert ansah , lachte sie , und das war wieder das nämliche Lachen wie vorhin . » Aber eilen Sie doch ! Die Hoheiten werden den Hausherrn vermissen . Ich komme nach mit einer Erfrischung . « Unwillkürlich fuhr er sich in das üppige braune Haar . Das fehlte noch im Eulenhause , Allerhöchster Besuch ! Was wollen sie bei dem Verarmten ? Ah , Klaudine , sie wollen Klaudine wieder holen ! Mit finsterer Miene eilte er hinaus . Sie stand noch ein Weilchen in dem Gemach und sah sich um , scheu wie ein Kind , das zum erstenmal die Kirche betritt . Dann schlich das große robuste Mädchen auf den Zehen an den Schreibtisch und spähte herzklopfend mit purpurroten Wangen nach dem offenen Hefte , auf dem die Feder lag . Die Buchstaben dieser feinen leichten Schrift waren noch nicht getrocknet . Dort stand der Titel : » Einige Gedanken über das Lachen « . Sie schüttelte wie verwundert den Kopf und sah von dem Manuskript zu dem geöffneten Bücherschrank und da zuckte wieder ein Lächeln um ihren Mund , aber diesmal nicht schalkhaft , es war das Lächeln innerer herzlicher Befriedigung , und so ging sie hinunter in die Speisekammer , stellte frische , duftende Waldbeeren und Streuzucker auf einen Präsentierteller und kam , von Heinemann gefolgt , der in der längst nicht mehr getragenen Geroldschen Livree etwas wunderlich aussah , zu dem Tisch auf der Plattform , als just die Herzogin sich erhoben hatte , um den Wachskeller zu besuchen , der freilich nur noch den kleinsten Rest des Fundes barg . Beate von Gerold war den Herrschaften bereits vorgestellt worden . Als ihr Bruder sich mit einer Prinzeß des herzoglichen Hauses vermählte , hatte sie ihre drei qualvollsten Lebenstage in der Residenz verbracht , hatte Besuche machen müssen und wieder empfangen , hatte diniert bei der Prinzeß Thekla und einen Empfang im Schlosse » überstanden « , wie sie sagte . Sie hatte einmal himmelblaue Seide , einmal gelblichen Atlas getragen und war sich sterbensunglücklich darin vorgekommen , und als sie zurück nach ihrem Altenstein gekommen , war sie mit köstlichem Behagen wieder in die dehnbare Trikottaille gefahren und hatte geschworen , lieber Steine zu klopfen , als bei Hofe zu leben . In Erinnerung hieran fiel ihre Verbeugung sehr wenig devot aus , und ihr Gesicht zeigte ganz den Ausdruck , den Joachim als barbarisch zu bezeichnen pflegte . » Also in den Wachskeller , meine Herrschaften « , mahnte der Herzog und legte seiner Gemahlin fürsorglich das rote , golddurchwirkte Mäntelchen um die Schultern . Klau- dine nahm einen großen Schlüssel aus dem Körbchen , das neben der Nähmaschine auf dem Tische stand , und hieß Heinemann vorangehen . Joachim führte die Herrschaften . Sie selbst eilte in das Haus , um die noch immer fehlenden Löffelchen und Teller und ein Tafeltuch auszugeben . Sie tat es mit zitternden Händen und um ihren Mund lag ein gramvoller Zug . » Warum ? « fragte sie halblaut , » warum auch hierher ? « Sie lehnte den Kopf an die Pfosten des alten Eichenschrankes , der das Linnen der Großmutter barg , als suchte sie eine körperliche Stütze in dem Sturme , der durch ihre Seele ging . » Nur ruhig « , flüsterte sie und preßte die Hand gegen die Brust , als wollte sie das stürmisch klopfende Herz gewaltsam zum Gehorsam zwingen . Als sie ein paar Minuten später sich anschickte , den Herrschaften in den Keller nachzufolgen , da war ihr ernstes , schönes Gesicht unbewegt wie immer . » Halt ! « sagte eine tiefe Stimme am Kellergewölbe , » bis hierher und nicht weiter ! Sie haben keine Umhüllung , und dort unten ist es kühl . « Baron Lothar stand in dem dämmerigen Gewölbe und streckte die Hand gegen