aus diesem Grunde hat sie auch durchaus nicht testamentarisch über das Gut verfügt . « » Ja , ja – Sie mögen recht haben – ja , ja ! « stotterte der Amtmann . Er duckte sich plötzlich ganz kleinlaut in seinem Lehnstuhl zusammen . » Ich erinnere mich auch , dergleichen Aussprüche aus ihrem Munde gehört zu haben . Es ist deshalb nur anzuerkennen , daß Sie die vieljährige innige Beziehung zwischen ihr und uns nicht ganz unbeachtet lassen ... Nun denn , ich nehme Ihr freundliches Anerbieten , einstweilen in das Gutshaus überzusiedeln , mit bestem Dank an ; aber – ich bitte Sie – was soll inzwischen aus meinem Viehstand werden ? « Es war schwer , dieser lächerlichen Aufgeblasenheit gegenüber ernst zu bleiben . » Nun , « sagte Herr Markus , indem er sich an seinem aufgesprungenen Handschuhknopf zu schaffen machte , » ich meine , vorhin im Vorübergehen eine Kuh im Stalle gesehen zu haben – « » Ja , ja – ganz recht , augenblicklich , Herr Markus ! – Ich war vor kurzem gezwungen , dem Fleischer zwei prächtige Schweizerkühe ans Messer zu liefern – eine schwere Heimsuchung für einen Landwirt ! Ich bin überhaupt schlimm daran , bester Herr ! Es steht draußen nicht alles so , wie es sein sollte , das weiß niemand besser als ich ; aber mir fehlt ein Knecht . Ich habe nach allen Himmelsgegenden geschrieben – einen hiesigen will ich um keinen Preis , das Volk taugt den Teufel nichts – habe Lohn über Lohn geboten ; aber den Lumpen ist ' s zu einsam hier , es will absolut keiner in den Hirschwinkel ! « » Lassen Sie mich einmal den Versuch machen , vielleicht habe ich mehr Glück , « versetzte der Gutsherr . » Die Kuh stellen wir auf dem Gute ein , und das Geflügel kann auch drüben auf dem Hofe mit durchgefüttert werden . Mit Vollendung des Neubaues aber muß alles wieder im alten Geleise sein – das heißt das nötige Vieh in den Ställen und die erforderliche Menschenkraft und Hilfe zur sorgfältigen Bewirtschaftung des Pachthofes , wenn er nicht ganz zugrunde sehen soll . Ich werde für alles Sorge tragen , auch dafür , daß der Knecht möglichst bald eintritt , der Ernte wegen . Selbstverständlich « – der Knopf am Handschuh schien sich durchaus nicht fügen zu wollen , der Sprechende wandte ihm seine ganze Aufmerksamkeit zu – » selbstverständlich brauchen wir auch noch eine Magd , ein echtes , rechtes Bauernmädchen , das tüchtig mit eingreift ... Das Mädchen , das jetzt auf den Vorwerkswiesen hantiert , ist doch wohl ursprünglich nicht zu diesem Zweck angenommen worden ? « Die Kranke legte die abgezehrte , blasse Hand über die Augen , als überkomme sie eine plötzliche Schwäche , und der Amtmann hatte in diesem Augenblick einen so krampfhaften Hustenanfall , daß er ganz blaurot im Gesicht wurde . Der Gutsherr aber brannte förmlich darauf , etwas Näheres über das Mädchen zu hören ; er hielt den günstigen Augenblick unerbittlich fest , trotz Schwäche und Stickanfall des alten Ehepaares . » Wie man mir sagte , ist sie ein Stadtkind , oder hat zuletzt in einer größeren Stadt gedient ? « forschte er hartnäckig weiter . » Ja , sie war in Frankfurt am Main , « antwortete die alte Dame . Ihre Rechte war von den Augen auf die Bettdecke gesunken und pflückte an dem Überzug . » Sie ist allerdings nicht für eine solche Tätigkeit erzogen , ach , nichts weniger als das ! Lieber Herr – « » Und deshalb sind wir Ihnen sehr zu Danke verpflichtet , wenn Sie uns eine richtige , tüchtige Bauernmagd verschaffen wollten , « fiel der Amtmann mit erhöhter Stimme ein . » Also , bis wann denken Sie mit dem Neubau zu beginnen , Herr Markus ? « » Ich will mich sofort mit einem Baumeister der nächsten Stadt ins Einvernehmen setzen , « entgegnete der Angeredete , sich erhebend – es lag eine tiefe Falte des Mißmutes , ja eines gründlichen Ärgers zwischen seinen Brauen – » und werde später nicht verfehlen , Ihnen den Bauriß vorzulegen . « » Gottes Segen über Sie ! Sie sind ein edler Mann ! « rief ihm die Kranke in tiefster Bewegung zu , während er sich mit einer ehrerbietigen Verbeugung von ihr verabschiedete , um das Zimmer zu verlassen . Der Amtmann bestand darauf , ihn hinauszubegleiten . Draußen in dem Hausflur hielt er ihn mit geheimnisvoller Miene fest . » Es ist alles sehr schön und liebenswürdig , was Sie da für uns tun wollen , « raunte er ihm mit gedämpfter Stimme zu . » Und ich bin Ihnen auch sehr dankbar dafür ; aber denken Sie ja nicht , daß Sie dabei irgend etwas aufs Spiel setzen – es wird alles bei Heller und Pfennig ausgeglichen werden , Sie kommen nicht um Ihr Geld , dafür stehe ich ! ... Sehen Sie , drin durfte ich nichts sagen – meine Frau weint sich noch die Augen aus vor Sehnsucht nach ihrem Jungen – das ist ein gar heikles Thema bei uns . Solch ein närrisches Weibchen ! Und wenn er zerlumpt und zerrissen heimkäme , sie wäre doch selig , ihn wieder zu haben – so sind die Frauen , und in solchen Dingen muß der Vater den Kopf oben behalten . Ich werde doch wahrhaftig meinen Sohn nicht vorzeitig und um dieser Grillen wegen aus seiner Laufbahn reißen ! Er hat großes Glück gehabt , der Tunichtgut , dem ' s zu Hause , in der schönen Thüringer Heimat , zu enge war – der junge Bengel ist schon jetzt so eine Art Nabob ; noch ein , zwei Jährchen , da frage ich Serenissimus schlankweg , was seine Gelsunger Domäne kostet – « » Ei , du Sackermenter , willst du gleich ' runtergehen ! « unterbrach er sich , riß sein Käppchen von