Hühner wurden serviert , als der Baron wieder den Kopf erhob und fragte : » Werden durch die Verwüstung die Auerhähne nicht gestört ? « Dieses Mal antwortete Egloff ruhig und mit kaum merklichem Lächeln : » O nein , den Auerhähnen geschieht nichts . « Der Baron nickte : » Ja , ja , die korrekte Pflege der Jagd ist auch ein Stück adeligen Idealismus . « Christoph schenkte jetzt den Roederer ein , eine feierliche Pause entstand , mit zitternder Hand erhob der Baron sein Glas und sagte mit bekümmerter Stimme : » Nun , Arabella , wir können unserem neuen Verwandten jetzt wohl das Du anbieten , Gottes Segen über euch , meine Kinder . « Die Gläser klangen aneinander , Christoph stand hinter dem Stuhle seines Herrn , faltete die Hände und machte ein Gesicht , als wollte er weinen . Während die Charlotte verzehrt wurde , schleppte die Unterhaltung sich nur mühsam hin , alle waren erleichtert , als Baronesse Arabella die Tafel aufhob . Nach der Mahlzeit hielt man sich noch ein wenig im Saale auf , um eine Zigarette zu rauchen , der Baron sprach vom Nutzen der Drainage , und dann verabschiedete sich Egloff . Fastrade begleitete ihn ins Vorzimmer hinaus , sie beugte den Kopf zurück , um ihm in die Augen zu sehen , und lachte . » Das war ein Prüfungstag , « sagte sie , » wenn ich bei euch bin , ist die Reihe an mir . « » Es gibt eben eine Gerechtigkeit « , erwiderte Egloff , faßte Fastrade um die Taille , hob sie empor und küßte sie . Christoph sah das mit maßlosem Erstaunen und wandte sich ab . Zehntes Kapitel Egloff lag in der Auerhahnhütte auf dem einfach aus Brettern zusammengeschlagenen Ruhebett . Er hüllte sich in seinen Mantel , denn es war kalt . Neben ihm auf dem Tisch standen eine Flasche Portwein und ein Glas , in einem Messingleuchter brannte eine Kerze , deren Flamme im Winde , der durch die Spalten des kleinen Holzbaues hereinblies , heftig hin und her flackerte . Auf einem Stuhle saß der alte Förster Gebhard . Die grüne Mütze tief in die Stirn gezogen , das Gesicht halb in seinem großen Bart wie in einem grauen Schal versteckt , so warteten sie beide , daß es Zeit sein würde , auf die Balz zu gehen . » Sprechen Sie , Gebhard , sprechen Sie , sonst schlafen Sie ein « , sagte Egloff . Gebhard riß seine kleinen Augen auf , die ihm zufallen wollten und begann gehorsam zu sprechen . » Ja , wenn ich so denke , was wir hier schon alles für Besuch gehabt haben , feine Damen und andere . « » Nicht davon , Gebhard , « unterbrach ihn Egloff , » sprechen Sie von ruhigeren Sachen . Wenn Sie auch in meiner Jugend mein Lehrer in allerhand Sünden gewesen sind , so ist es doch nicht richtig , davon zu sprechen . « » Ich spreche so nicht davon « , murmelte Gebhard . » Wenn Sie schon von Weibern sprechen müssen , « fuhr Egloff fort , » dann sprechen Sie von guten , ruhigen , verheirateten Frauen . « Gebhard kicherte in seinen Bart hinein . » Ja , da hab ' ich nun meine drei . Die erste war nun so eine kleine Dicke , dumm war sie , aber eine gute Frau . Schade , daß die mir wegstarb . Die zweite war die Kammerjungfer der Frau Baronin , die wollte Kopfschmerzen haben wie die Frau Baronin und im Bett Kaffee trinken . Als dann das Kind kam , war sie zu schwach und starb . Nun , und meine dritte Frau kennt der Herr Baron . « Egloff richtete sich ein wenig auf . » Mensch , « sagte er , » was sprechen Sie da , was gehen mich Ihre Frauen an ? Drei Frauen haben Sie gehabt , und alle drei haben Sie genommen ? Und warum ? Was war denn an Ihnen besonders daran ? « Gebhard zuckte mit den Schultern . » Nun , nichts , « meinte er , » die Weiber wollen heiraten , was nun auch daraus wird . Das ist so , wenn einer das Reisen liebt , geht er auf die Reise , was ihm auf der Reise passiert , das ist abzuwarten . « Egloff ließ sich wieder zurücksinken : » Ach Gebhard , « sagte er , » Sie werden weise , dann schweigen Sie lieber . « Draußen um die Hütte rauschten die großen Tannen ein ununterbrochenes Brausen , das zeitweise anschwoll , dann wieder leise und weich wurde wie ruhiges Atmen . Egloff schloß die Augen , er wollte sich von dieser großen , verträumten Stimme des Waldes einschläfern lassen . Drei Frauen hat der alte Sünder gehabt , dachte er , so ganz ohne weiteres , und ich komme mit dieser einen Verlobung nicht zurecht . Wie unendlich einfach hatten ihm bisher die Weiber geschienen . Da war er , der ein Weib besitzen mußte , und da war ein Weib , das sich hingeben wollte , wie einfach und selbstverständlich sich so zwei Sinnlichkeiten auseinandersetzen . Selbst mit Liddy , ihre Zusammenkünfte vorigen Sommer im nächtlichen Park von Sirow , es hatte ihn erregt , er hatte sich stets gefreut , wenn er ihr weißes Kleid zwischen den Bäumen aufschimmern sah , oder wenn er sie dann atemlos und zitternd in seinen Armen hielt . Aber niemals hatte ihn der Gedanke beunruhigt , was Liddy von ihm denken könnte oder was in ihrer Seele vorging , und jetzt bei diesem Mädchen kamen da plötzlich solche Unsicherheiten über ihn , die ihn ruhelos machten , so der Gedanke , warum liebt dich dieses Mädchen ? Sie sieht wohl einen anderen in dir , und das Mißverständnis wird sich aufklären und du wirst sie verlieren . Und dann die beständige