Kang yu weis verlangt , weil er ihrer spotte . Dann sei der Kaiser nach Peking zurückgekehrt . - Tschun war ganz entsetzt , in wie unehrerbietigen Ausdrücken diese Bediensteten Tzü Hsis untereinander von dem Himmelssohn sprachen ! Kang yu wei aber belegten sie mit dem Namen » Schildkrötenei « , dem ärgsten chinesischen Schimpfwort . Er habe den Kaiser schon so verblendet , daß dieser in seinem eigenen Palast europäische Kleidung trage , und jetzt empfehle er ihm sogar den Gott der Fremden ! Tschuns Herz schlug heftig bei diesen Worten . Ach , wenn das doch möglich wäre , daß der Kaiser sich dem wirklichen lieben Gott zuwendete ! Wie würden sich die Priester und Nonnen des Petang freuen . Und wenn dieser Kang yu wei wirklich etwas so Schönes wollte , dann würden auch der Ta-jen und der erste Sekretär sicher ganz anders als bisher über ihn denken ! Doch nun kamen Boten : Der kaiserliche Zug nahe durch die Gärten . Die Schauspieler eilten auf die Bühne , um die Gebieterin bei ihrem Eintritt in die Loge durch ehrfurchtsvolles Niederknien zu begrüßen . Tschun mit den Bogenschützen des Kriegsgottes war auch dabei . Er kam ganz nach vorn zu stehen . Die beiden Galerien , die an den Längsseiten der Bühne liefen und für Gäste bestimmt waren , hatten sich schon gefüllt mit allerhand Großwürdenträgern in feierlichen Wappenröcken und Bernsteinketten , und in der kaiserlichen Mittelloge harrten eine Menge Prinzessinnen , Hofdamen und Palastwächter . Und nun nahte von der Veranda her die gnadenreiche Gegenwart . Die Kaiserin wurde von zwei Eunuchen gestützt , und hinter ihr folgten , wie am Morgen , die vielen Menschen , die ihr überall die verschiedensten Dinge nachschleppten . Tschun bemerkte sofort , daß sie ein anderes Kleid trug ; es war mit unzähligen Schmetterlingen bestickt , und über die Schultern hing ihr ein Netzwerk von mehreren tausend großen Perlen , das in Nephritquasten endete . Tschun mußte an die Taitai denken , die auch so oft am Tage , je nach Beschäftigungen und Stunden , die vielen Kleider wechselte , die Madame Angèle nähte . Aber ganz wie die Taitai keineswegs am frohesten aussah , wenn sie Festgewänder angelegt hatte , schien auch die Kaiserin , trotz Perlen und Schmetterlingen , jetzt gar nicht mehr so guter Stimmung wie am Lotosteich zu sein . Sie blickte finster drein ; die Nase erschien jetzt noch gebogener , gleich dem Schnabel eines bösen Raubvogels , und die Lippen waren ganz schmal geworden . Und dann geschah etwas ganz Seltsames . Gerade als die Kaiserin sich auf den geschnitzten Thron niederlassen wollte , stieß sie einen schrillen Schrei aus und wies mit dünnem , spitzem Finger auf das Polster . Da saß , auf dem goldgelben Atlas , eine dicke schwarze Brummfliege . Vor diesen kleinen Tieren aber empfand Tzü Hsi , die Gewaltige , einen unüberwindlichen , schreckhaften Ekel . Und sie herrschte die ihr zunächst Stehenden heftig an : » Wie kann der Fliegenwedler es wagen , so nachlässig zu sein : Wo ist er ? « Zitternd trat ein mit einem Wedel bewaffneter Palastwächter heran und warf sich vor der Gebieterin auf den Boden . » Er ist zu bestrafen , « befahl Tzü Hsi und wendete sich dabei an Li lien ying . » Sicherlich , « antwortete dieser , und seine Augen blickten tückisch , » soll er sofort hingerichtet werden ? Oder vielleicht des langsamen Todes sterben ? « » Das ist ein bißchen viel , « antwortete Tzü Hsi , nachdem sie sich einen Augenblick besonnen , » er empfange hundert Streiche in die Kniekehlen . « Und nun erkannte Tschun , was das Amt der Männer war , die er am Morgen den gelben Atlassack hatte schleppen sehen . Sie entnahmen ihm Bambusrohre , und damit erhielt der am Boden Liegende die befohlenen Streiche . Er gab keinen Laut von sich , und der ganze Hofstaat stand gleichmütig dabei . Dann erteilte die Mütterliche , Glückverheißende den Befehl , daß das Stück beginne . Die dichten Scharen des Kriegsgottes sollten sich zu Anfang über die Bühne entfalten und den Hintergrund bilden für die Zweikämpfe besonderer Helden . Auch die Bogenschützen hatten dabei in seltsam rhythmischem Schritte mit bizarr verschränkten Armen vorüberzuziehen . Aber Tschun war ganz erstarrt von dem , was er soeben mit angesehen hatte , er erinnerte sich kaum noch , was er auf der Bühne zu tun hatte , die andern Knaben mußten ihn hin und her schieben . Ja , jetzt glaubte er es dem Vetter Sin schen gern , daß es Berge gibt , die plötzlich vernichtende Lohe sprühen ! Er mußte immerwährend in die Loge starren . Da saß die Kaiserin auf dem geschnitzten Thronsessel mit dem hohen Wandschirm und zwei großen Standarten aus Pfauenfedern hinter ihr , unbekümmert , als sei gar nichts vorgefallen . Wie ein Idol sah sie wieder aus , und jetzt zwar wie ein ganz vergnügtes . Es war , als habe ihr das kleine Vorspiel sogar gut getan und sie von angesammeltem Unmut befreit . Sie folgte der Vorstellung mit sichtlichem Vergnügen , und dazwischen lachte sie und scherzte mit Li lien ying , der dicht neben dem Throne stand . Und dann kam das Nachspiel . Plötzlich ward die große Tür der kaiserlichen Loge von der Veranda her heftig aufgestoßen , und ein Mann , in hoher Militärmandarinentracht , kam hereingestürzt . Durch die erstarrten Eunuchen , die puppenhaften Hofdamen bahnte er sich unaufhaltsam den Weg , stürzte bis zum Thron der Kaiserin vor , sank da auf die Knie , hob die Hände und rief atemlos : » Schutz , Majestät , ich flehe um den Schutz dieses Heiligtums ! « Die Schauspieler hatten unwillkürlich bei dem Lärm innegehalten . Jetzt war es lautlos still geworden . Von der Bühne und aus den Seitengalerien starrten alle Augen auf die Kaiserin . Die war zuerst bei dem unerhörten Auftritt zusammengefahren ,