lützel führen , derweil ich mit deinem Bruder red ? « » Gib her ! « Runotter ging zum Haus . Er dachte zwei Menschen in Freude zu finden und fand zwei Leute , von denen sich keins ums andre zu kümmern schien . Wohl saßen sie nebeneinander , die alte Frau im Sessel und Malimmes auf dem Boden , ohne Wams und mit nackten Füßen , recht wie einer , der daheim ist ; doch er hielt die Arme um die aufgezogenen Knie geschlungen und guckte verdrossen vor sich hin ; die große Narbe brannte wie Feuer . Er war nicht wehleidig . Aber wie die Mutter seine Heimkehr nahm , das war doch wunderlich . Eine kurze Freude , wie beim Besuch einer Nachbarin , die man lange nicht gesehen . Und nun saßen die beiden so nebeneinander , schon den ganzen Nachmittag . Wenn Malimmes erzählen wollte , hörte die Mutter nicht zu und guckte zum Himmel hinauf ; und wenn er stumm wurde , redete sie vom andern , immer vom andern . Jetzt wieder . Und plötzlich fragte sie : » Malimmes , bist du noch da ? « » Noch allweil , ja ! « » Wie lang , sagst , hast du laufen müssen bis zu deiner Mutter ? « » Sieben Täg . « » Ein weiter Weg . Und der ander steht am Zäunl . Steht am Zäunl . Und geht nit herein zu mir . « » Das hast du mir schon gesagt , Mutter ! Oft schon . Magst nit ein lützel mit mir reden ? « » Steht am Zäunl und geht nit herein zu mir . « Malimmes sah den Richtmann kommen , streckte sich , stand auf und ging ihm lautlos durch das Gras entgegen . » Bist du nit der Runotter ? « » Freut mich , daß du mich noch kennen magst . « Erschrocken sah Runotter die brennende Narbe an . » Kommst du zu mir ? « » Wohl ! Hab gehört , du wärst wieder da . « » Gelt ! So wirft das Leben die Leut umeinand , man weiß nit , warum . « Das klang ein bißchen katzenjämmerlich . Und doch war an Malimmes keine Spur von Trunkenheit . Er sah über die Schulter zu der alten Frau hinüber . Dann zwang er sich zu heiterem Ton . » Ja , weißt , in Nüremberg hat ' s mir nimmer gefallen , seit man um der Franzosen willen die Badstuben geschlossen hat . Ich hab allweil ein lützel auf Sauberkeit gehalten . Wie kleiner ein Gärtl ist , um so feiner muß man ' s hegen . « Der Richtmann schien nicht zu verstehen . » Franzosen ? Im Reich ? Ist Krieg ? « Jetzt konnte Malimmes lachen . » Ein harter , ja ! Aber Gott sei Dank , von der Ramsau müssen die blauen Marodier noch weit sein ! - Jetzt red , Richtmann ! Ich sehe doch , du willst was . « » Bleibst lang daheim ? « Wieder sah Malimmes über die Schulter . » Glaub nit . Was tu ich denn da ? Man ist der Niemand . Der Schlechter ist allweil der Besser ! - Und was tu ich draußt in der Welt ? Nit wissen , wo man daheim ist . Pfui Teufel ! « » Hast keinen Herren ? « fragte der Richtmann rasch . Malimmes schüttelte den Kopf . Dem Runotter schoß die Freude heiß ins Gesicht . » Ich tät dir was wissen . Aber du wirst nit mögen . « » Schieß los ! « Der Soldknecht lachte . » Laß den Bolzen fahren ! Gut oder schlecht geschossen , ein Plätzl trifft er allweil . « » Mein Bub müßt im Winter zur Holdenwehr . Dienen kann er nit , weil er bresthaft ist . « Der Söldner nickte . » Das weißt ? - Weißt auch warum ? « Wieder nickte Malimmes . » Selbigsmal bin ich doch fort . Hab flüchten müssen , weil ich über den Hartneid Aschacher geschumpfen hab . « Jäh streckte Runotter die Hand . Malimmes nahm sie nicht . » Laß gut sein ! Deinetwegen hab ich nit geschumpfen . Ich hab geschumpfen , weil mir gegraust hat . - Also ? Was willst ? « Zögernd sagte der Richtmann : » Für meinen bresthaften Buben , daß er das Erbrecht nit verliert , such ich einen Stellmann zur Holdenwehr . « Jetzt verstand Malimmes und brach in heiteres Gelächter aus , wie über einen guten Spaß . » Jöija , Bauer ! Bist voll und toll ? Wer heut mit mir gesoffen hat , das weiß ich nimmer . Aber du bist doch nit dabei gewesen ? « » Spotten brauchst nit ! « Runotter war bleich geworden . » Hab mir eh schon gedacht , du wirst nit mögen . « Im Klang dieser Worte war ein so schwerer Kummer , daß Malimmes sein Lachen sein ließ und verwundert aufsah . » Gottes Gruß ! « Der Richtmann wollte gehen . Da faßte ihn Malimmes flink am Arm . » Du ! « Ein langes Schweigen . » Wenn ich um Allerheiligen noch leb und frei bin , meiner Seel , ich tu ' s. « Mit jagenden Worten sagte Runotter : » Wenn du möchtest , Mensch , ich tät dir Sold geben von heut an . Verlang , was du magst . Hab ich so viel , so geb ich ' s. « Nun mußte Malimmes wieder lachen . » Da tätest ja du mein Herr sein bis zum Winter ! « Immer heiterer wurde er . » Dem König hab ich gesoldet , einem Kurfürsten , einem Herzog , einem Bischof , einer schönen Frau , einem Heckenreiter und einer Stadt . Noch nie einem Bauren ! Jöija , schau , da hätt ich ja gar was Neues im Leben ! «