dem ungetauften Heidenbübl einzutreten wär gegen Brauch und Sitten gewesen . Nach einer kleinen Weil tat sich die Pforte auf und trat der Frühmeßpriester mit meinem Ziehvater als Diener heraus , machte das Zeichen des Kreuzes über uns und fragte dreimal : » Willst du getauft werden ? « , worauf die Weidhoferin andächtig sagte : » Ja . « Kam also allerlei Gefrag : ob er widersag dem bösen Feind und seinem Anhang , ob er glaub an Gott den Allmächtigen und Dreieinigen ; und die Kostmutter sagte zu allem ja : daß er widersagt und daß er glaubt , worauf nach vieler Benediktion das Heidlein hineingetragen werden durft . Ging also die Ziehmutter mit dem Päcklein in die Kirch und an den Taufstein , und ich folgte mit einem brennenden Wachs , das mir der Meßmer in die Hand gegeben . Da ward denn das schlafende Kindlein wuzelnackend ausgezogen und über das Taufbecken gehalten , mit Wasser begossen , mit Öl beschmiert und mit Salz gefüttert im Namen des Vaters , des Sohnes und des heiligen Geistes , daß es endlich laut zu schreien anfing und , eh man sich dessen versah , in die glänzende Kupferschale brinzelt ' . Und wurde also benannt : Mathias Paulus Anton ; wurd mit Weihrauch beräuchert , mit Weichbrunn besprengt und darnach wieder in seine Gewändlein und Betten gesteckt und heimgetragen mit großer Freud . Als wir aber in den Hof traten , stand vor der Haustür ein mächtig aufgetürmter Leiterwagen , mit Bändern , Buschen und Kränzen geziert , mit Krügen und Bildern behangen und mit dem Hausrat der künftigen Lackenschusterin beladen . Da thronte in der Mitten das Himmelbett mit seinem wohlgefüllten Flaumkissen und Ziechen ; davor prangte die Wiege und auf ihr der reichgeschnitzte Hausaltar . Hintenauf stand der weitgeöffnete Hausschrein , in dem allerhand Seidenröck und modische Gewänder , schwere Leinenballen und dazwischen mit Bändern durchflochtene Flachszöpfe , seidene Schultertücher , prächtige Gebetbücher und kunstvolle Wachsstöcke prangten . An den Schranktüren hingen Rosenkränze , Skapuliere und eine große Zahl heiliger Bildchen . Im obersten Fach aber standen alle die kleinen Schachteln , Trüchlein und Figuren , die ich der Jungfer einstmals geschnitzelt hatte . Alles war mit Bändern zierlich umwickelt und an Nägel geknüpft , damit beim Fahren nichts verloren ginge . Da stand ich denn und riß die Augen auf und vergaß die Tauf samt dem Kind , starrte auf den Kuchelwagen und konnte weder denken noch entweichen . Eine bemalte Schüsselrahme wurde hinten an den Wagen gehängt , ein zierlich aufgeputztes Spinnrad zuoberst auf das Dach des Himmelbetts gebunden , ein Stuhl dazugestellt - und ich stand noch immer auf demselben Fleck und sah nichts anderes denn diesen Wagen . Peitschenknallen weckte mich endlich ; der Wagen wurde mit sechs Ochsen bespannt , die Nähterin von Sonnenreuth ließ sich zum Spinnrad hinaufheben , die Kuh der seligen Irscherin trabte , mit Kränzen und Buschen geschmückt und geführt vom Zimmermann des Orts , aus dem Stall . Zwölf Böllerschüsse krachten vom nahen Kreuzberg herab , und ein Häuflein Musikanten kamen mit ihren Fiedeln und Flöten in den Hof . Da sprang die Jungfer und Hochzeiterin lachend die Stiegen herab und hielt mit der einen Hand das prächtige Gewand gerafft , mit der andern aber die hohe Pelzhaube aus der Stirn . Ihre Wangen waren purpurn , und ihre Augen leuchteten vor großer Freud , da sie um den Wagen ging und alles besah und betrachtete . Der Weidhofer aber lief geschwind vom Kirchhof herüber , spannte die Kutsche ein , steckte große Buschen daran und hob darnach die Jungfer hinein ; packte mich alsdann mit schnellem Griff und setzte mich rittlings auf eins der Rösser , gab mir eine mit Buchsbaum und Bändern geschmückte Peitsche in die Hand und sagte : » Mach ' n Führer ! Daß d ' mir Achtung hast ! Nit , daß was passiert ! « Reichte dann der Hochzeiterin einen Korb hinauf in den Wagen , darin ein Säcklein voll Kreuzer und Groschen , ein Bund Schlüssel zu den Schränken und Laden war samt dem stehenden Angebind für den Hochzeiter , nämlich einem gar feinen , milchweißen Bierkrug , mit Blümlein bemalt , nebst einem selbstgesponnenen Hemd und selbstgestrickten weißen Strümpfen für ihn . Derweil begannen die Knecht mit ihren Geißeln zu knallen und die Musikanten zu geigen und zu blasen ; dann gings dahin . Die Musik machte den Vortrab ; juchzend und knallend folgten die Knechte mit dem Kuchelwagen , und dahinter ging der Zimmermann und führte die Kuh . Das End aber machten wir mit dem Brautwagen . Der Meßmer hatte sich zu der Hochzeiterin gesetzt und schrie mir zu : » He , Bua , schnalz und juchz , daß alles scheppert ! - Dreimal um den Hof fahrn und darnach dahin ! « Ach , der hatt ein leichtes Reden ! Ich aber saß auf meinem Rößl wie ein angepappter Kripperlmann und sah hilflos bald hierhin , bald dorthin ; doch fand sich keiner , der mit mir hätt tauschen mögen . Da gab ich mir endlich selber einen Ansporn , schnalzte mit der Geißel , daß es nur so hallte , und schrie : » Huia , Heißerln ! Ziehgts ! Huiuh ! « Da liefen alle noch eilig an die Haustür ; die Weidhoferin und die Schwaigernandl mit meinem Godenkindl am Arm , die Knecht und Mägd samt den Kostbuben - alle kamen noch herzu und wünschten viel Glück und einen guten Einstand , bis ich endlich am Zügel riß und anfuhr . Sauste also dreimal um den Weidhof und knallte und plärrte dazu wie ein Schwed und fuhr darnach dahin durch Sonnenreuth . Doch kamen wir nicht weit ; schon vor der Schmiede stand eine Schar Kinder , hielten eine Stange über den Weg und wünschten eine frohe Brautfahrt . Da holte die Hochzeiterin das Säcklein mit den Kreuzern aus dem Korb und warf eine Handvoll unter die Hord . Drauf ging