zerstob die Bande und verbarg sich in dem unwegsamen Inselgewirr der Püttensümpfe , zog die Bretter ab und saß in den Erlenbüschen , hinter dem Reet und den dicken Wicheln , bis die Gefahr vorüber war . Störtebeker war der letzte , der die Feuer im Stich ließ , er war auch der erste , der wieder aus den Pütten kroch , und vergaß niemals zu sagen : » Ik bün obers ne bang , Jungens ! « Es warf stets das nasseste Zeug auf , damit es tüchtig räucherte , und fand es ganz vergnüglich , auch einmal eine alte Wichel in Brand zu setzen . Abends wusch er sich Gesicht und Hände im Graben und ging befriedigt nach Hause , ohne sich um die weiterschwelenden Feuer zu quälen . » Lot man brinnen « , sagte er zu seiner Mutter , wenn sie manchmal in der Dämmerung mit anderen besorgten Frauen hinlief und die Flammen dämpfte , damit nicht alle Bäume in Brand kommen sollten . Ihre Strafpredigten hörte er ungerührt an : Ostermoonen müßten sein : sein Vater hätte sie als Junge auch gehabt , so verteidigte er sich und fand am andern Morgen wieder den Weg nach dem Westerdeich . * * * In der Giebelstube des letzten Hauses lag ein kranker Matrose , der hieß Harm Külper und konnte von seinem Bett nach dem Westerdeich sehen . Als ein gesunder , starker , lauter Junggast war er vor Jahren aus der Heimat gegangen , - als ein kranker , schwacher , stiller Mann war er vor Wochen zurückgekommen . Er hatte alle seine Kraft zusammengenommen , um den Deich allein entlang zu gehen , und hatte die Leute noch gegrüßt , die vor den Türen gesessen hatten aber es war ihm doch nicht möglich gewesen , beim Kirchenweg sackte er um und mußte nach dem Neß getragen werden : Andrees Fink , der Starke , nahm ihn wie ein Kind auf den Arm und brachte ihn seiner Mutter , die laut aufschrie , so weiß war sein Gesicht . In Manaos am Amazonenstrom hatte das Fieber ihn gepackt und niedergeworfen . Nun lag er im Bett und wartete auf den Tod , denn er fühlte , daß er nicht wieder gesunden könne . Die große Fahrt war aus , - über sein Seefahrtsbuch war ein dicker , schwarzer Strich gemacht worden , den er nicht wegwischen konnte . Er war in ein Trauerhaus gekommen ; seine Mutter ging in schwarzen Kleidern , und die unteren Fenster waren dicht verhängt . Sein Vater und sein ältester Bruder waren mit ihrem Schiffe verschollen , während er butenlands gewesen war . Harm Külper sah die Osterfeuer qualmen . Mit großen Augen sah er sie an , als wenn er noch im deutschen Hospital läge und träume . Er sprach nur noch selten : an stillen Tagen ließ er das Bett so stellen , daß er die Elbe sehen konnte , sonst grübelte er die ganzen Tage vor sich hin . Mit fünfundzwanzig Jahren den Tod bei der Hand fassen : wie das Seemannsherz sich dagegen wehrte ! Wie er immer und immer wieder die zerrissenen Segel ansah , als könne er es nicht begreifen , daß sie nicht wieder zu machen waren . Nur auf eins freute er sich noch , auf den kleinen Klaus Störtebeker , der jeden Tag vorbeikam und seine Ostermoon ansteckte . Der brachte noch ein Lächeln in das ernste , verschlossene Gesicht , und er half ihm in Gedanken bei seinem Osterfeuer ... hol man noch fix Feek her , Klaus , hürst ? ... Kiek , hier ! Dat schall fluckern un räukern ! ... Hol du ok mol wat , Harm ! ... Jo , hier is een ganzen Arm vull ! ... Smiet man up ! ... U , wat fluckert dat , wat sleit de Flamm hoch ! ... Dat is doch een feine Ostermoon , ne , Harm ? ... Jo , dat is een scheune Ostermoon , Klaus Störtebeker ! » Säst du wat , mien Jung ? « fragte die Mutter besorgt , die ihn sprechen gehört hatte und von unten gekommen war . » Rop den lütten Klaus Störtebeker doch mol rup , Mudder , ik much giern mol mit em snacken « , bat er . Da kam Klaus Störtebeker die Treppe heraufgepoltert , wie er bei seinem Feuer gestanden hatte , geschwärzten Gesichts , und ließ sich ausfragen von dem todkranken Matrosen . Und berichtete von seiner Fischerei und seinen Kaninchen , von seinem Kahn und seiner Krähe , am meisten aber von seinem Vater , und daß er den Sommer mit nach See wolle und solle . Dann aber fing er an zu fragen : nach den großen Schiffen und den Schwarzen , nach dem Fliegenden Holländer und nach Amerika . Ob Harm schon mal Menschenfresser gesehen hätte , wollte er wissen , und ob es wahr wäre , was Kap Horn ihm von der großen Leine erzählt hätte , unter der alle Schiffe hindurch müßten . Harm Külper fand großes Gefallen an der Art des Jungen . Er schaute in dessen Augen wie in einen Spiegel hinein und sah seine Kindheit wieder , die er verloren hatte . Und er behielt Störtebeker lange bei sich , bis die Mutter ihn an das Ruhegebot des Arztes mahnen mußte . Da schenkte er ihm ein kleines , zierliches Vollschiff , das er in den Passaten , als die Segel wochenlang stehen bleiben konnten , geschnitzt und aufgetakelt hatte , und nahm ihm das Versprechen ab , den andern Tag und alle Tage wieder heraufzukommen . » Dat brukt ne ierst een Seemann to wardn : dat is all een « , sagte er zu seinem Bruder . » Herrgott innen Heben , wat förn moi Leben hett de nu noch vör sik - un mien is ut ! Mien is ut ! Ik bün beet ! « stöhnte er und kehrte das Gesicht