des Sprechens eine zarte Röte gestiegen , ihre Augen strahlten in weichem Glanz , und sie sprach weiter , so ernst , als hätte sie ein Glaubensbekenntnis abzulegen . » Sehen Sie - dieses Gefühl , das mich von einem Tun , zu dem mich vielleicht starke Neigungen drängen , oftmals abhält , habe ich so deutlich , daß ich es in Worten benennen könnte . « » Und diese Worte wären ? « Sie hob lebhaft den Kopf . Ich möchte sagen : » Wenn - wenn dir zum Zögern zumute ist - nun , - so zögere ! « - - - Sie lachte . » Eine tiefe Weisheit , wie ? aber diese Sentenz ist doch nicht so banal , wie sie klingt . « » Nein , « sagte Olga , » das ist sie nicht ; denn diese Sentenz ist vernünftig , und das Vernünftige ist nicht banal . « Eva sprach stark und ruhig weiter . » In jede sogenannte kritische Situation kommt früher oder später eine entscheidende Änderung ; sie kommt von innen oder von außen , von den Beteiligten selbst oder von seiten Dritter ; aber sie kommt . Und wenn sie kommt , - dann heißt es - hinhören , hinsehen und dann darf man - tun ; und dann - dann ist auf einmal alles , was verworren und schwer zu lösen schien , - unendlich einfach . Man braucht dann nur nach dem Nächstliegenden zu greifen , um dort , wo man früher nicht eine Handhabe seines Willens sah , hundert zu finden . « Und , als müßte sie von diesen Erörterungen , die von der Geschichte ihres Schicksals scheinbar abzweigten , wieder auf diese Geschichte selbst zurückkommen , fuhr sie fort : » Wenn ich aus meiner Ehe - die freilich keine wahre Gemeinschaft , aber immerhin ein erträgliches Los bietet , fortgestürmt wäre , hinaus in das Schicksal einer zum Kampf nicht genügend gerüsteten , » ausgesprungenen « Frau , die sich und ein Kind ernähren soll , - so wäre mein und des Kindes Schicksal kaum ein Ungewisses zu nennen ; es gehört nicht viel Vorstellungskraft dazu , sich diesen Weg auszumalen . « Schatten senkten sich über ihr Gesicht , hoben und zerteilten sich wieder . » So tue ich - was ich tun kann und wohl auch tun soll , - das , was man , um es recht profan auszudrücken und keine schöneren Worte für mein Tun zu gebrauchen , als ihm gebühren : profiter de la situation nennt . Ich benütze diese geschützte Lage , um mir Kenntnisse anzueignen , die mir eines Tages , wenn - wenn alles so deutlich geworden ist , daß das , was jetzt noch einer Herausforderung des Schicksals gleichkäme , dann einfache Selbstverständlichkeit wird - weiter helfen sollen ; ... heute « , - sie schwieg und blickte nachdenklich vor sich hin - » heute sehe ich den Weg noch nicht deutlich genug , aber ich glaube , « fügte sie leise hinzu - » ich werde bald sicherer sein . « Olga saß wortlos . Schlicht , alltäglich , ja verdächtig war , was sie gehört hatte . Warum überwältigte sie diese einfache Geschichte , als wäre sie - angewandt an dem Schicksal dieses Menschen - der vollkommenste Ausdruck wunderbarer Wegsicherheit ? - Die Portière des Nebenzimmers wurde zurückgeschoben . Stanislaus trat ein . » Ich darf nicht länger hier Zeuge von Gesprächen sein , « sagte er , während er die Frauen begrüßte , - » die nicht für mich bestimmt sind , und die ich aus Furcht , sie zu unterbrechen , dennoch zum Teil gehört habe . « » Mein Bruder « , sagte Olga . » Wir beide kennen uns schon wohl aus Olgas Erzählungen , und darum hat mich hier kein Fremder belauscht . « Stanislaus fiel es schwer , die richtige Antwort zu finden , - die besagen sollte , wie sehr er sie belauscht hatte ! Und so sagte er nur leise , - schüchtern , von einem Gefühl der Verehrung durchbebt : » Was ich belauscht habe , wird in meiner Erinnerung bleiben . « Man hörte die Klingel der Gartentür , das elektrische Licht glühte draußen über dem Kiesweg auf , und die drei sahen durchs Fenster Evas kleine Tochter mit ihrer Bonne . In ihrem weißen Mäntelchen kam sie durch den Garten dem Hause zu . Sie hatte denselben Gang wie die Mutter , diese eilige und doch zierliche Art , die Füße zu setzen , hielt sich sehr aufrecht und in der Mitte des Weges . Gleich darauf war sie im Zimmer und brachte einen frischen Luftstrom mit herein . Sie glich der Mutter in ungewöhnlicher Vollkommenheit , nur war das Haar des Kindes noch lichter und goldener , das Auge schien dunkler und größer und das Gesichtchen rosiger . Vollkommen unbefangen begrüßte sie , nachdem sie die Mutter umarmt hatte , die Gäste , und ging gleich wieder der Türe zu : sie müsse » auf ihr Zimmer « , ihre Kleider abzulegen , sie wollte nur erst » Mama sehen « . Und Stanislaus , der Lauscher , dachte : wie kann es etwas Falsches sein , was sie - die Mutter - getan hat ? War diese ungleichwertige Vermischung nicht zu ihrer Zeit gerechtfertigt , da sie so herrliches Leben fortsetzte ? Wissen wir denn , - so dachte er , - warum wir so gehorsam in die Falle gehen , die uns das Schicksal , in Form einer unausweichlich erscheinenden Verbindung , stellt ? Um wie vielfacher » zureichender Gründe « willen kann dies nicht geschehen ! Und wäre einer dieser Gründe der , ein neues Leben , das ohne diese Verbindung niemals würde , heil und schön ins Licht zu rufen , so wäre das genug , uns Ergebenheit zu lehren . Ihm war das Kind die wunderbare Erhöhung , die , über das eigene , arme Ich