Beim Trödler hatten meine Kumpane sich auffällig ausstaffieret , auch eine Kriegstrommel und eine Laute erworben . Wie nun der ganze Kram in Ordnung war , begab sich jeder auf seinen Posten , ich also hinunter in mein Laboratorium , wo das Schmelzen und Stänkern von neuem losging . Von oben aber scholl des Pomponii Marktschreierei . Da ich mittags die Lücken der Warenauslage ergänzen mußte , fand ich Gelegenheit , meine Verbündeten bei ihrem Gefecht zu beobachten . Kopf an Kopf drängten sich Gaffer um den Stand , und stolz wie der Gott Hippokrates thronte Schrepfeisen , angetan mit Lockenperücke und scharlachenem Mantel , auf der Nase eine Hornbrille . Dunkelrot im Gesicht , rührte Pomponius die Trommel , als solle ganz Böheim zum Aufruhr erwachen . Und wie sahe der Kerl aus ! Unter dem mächtigen Federhute wallten schwarze Locken über einen gefälteten Kragen , der sich wie ein Wagenrad um den Hals legte . Das Wams war von grasgrünem Sammet , mit Silber verscharmieret , über den Rücken hing ein buttergelber Mantel . Aus den Saiten zupfte er ein Präludium und sang wie ein Possenreißer : » Die Weibgen mit den Flöhen Hant ewiglichen Krieg . Wie hetzen sie und spähen , Daß man die Flöh ' erschlüg ' ! Und hätt ich allweil baren Ein Gulden in der Hand , So oft die Weibgen fahren Noch Flöhen unters G ' wand , Zwölf Kisten tät ich nageln , Zu bergen meinen Zoll , Die sollten täglich hageln Von Gulden krachend voll . « Weil des Gelächters ein reicher Tribut kam , warf sich Pomponius auf den Hauptteil seiner Rolle . Wie eine Posaune dröhnte sein Ausrufen : » Jawohl , jawohl , jawohl ! Flöhe , Läuse , Wanzen - die nennt ein jeder sein - sie zwicken uns den Ranzen - wie heiße Höllenpein . Doch da kommt der famose , gloriose , hochberühmte Medikus , Herr Doktor Schrepfeisen , nach Jung-Bunzlau und vertreibt alles Geziefer mit dieser Mixtur , aus Würzlein und Kräutlein des Landes Arabia kunstreich bereitet . Etliche Tropfen ins Gewand gesprengt , ins Hemd oder Bett , betäuben und vergiften das ganze Floh- und Wanzengeschmeiß . Aber wir haben hier noch andere Raritäten : Pillulen wider harten Leib , Pflaster für Gliederweh und Husten , wie wir denn alle Gebreste heilen oder doch zu lindern wissen . Da ist insonderheit diese Wundersalbe . Schauet her , Leute ! Hier hab ich ein irden Büchslein voll . Zum Einreiben der kranken Glieder und ein wahrer Lebensbalsam . Euch ist bewußt , ehrbar Publikum : Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde , am letzten Tage aber hat er den Menschen gemacht . Drum bezeugen alle Gelahrten , daß des Menschen Schmalz alle andern Schmälze übertrifft , so wie Gold weit mehr wert , denn Zinn oder Blei . Wenn ich nun diese Wundersalbe mache , so nehm ich erstlich dazu Menschenschmalz , danach Wachs , das haben die Bienen des heißen Landes Afrika aus denen afrikanischen Blüten gesammelt . Drittens nehm ich dazu Sankt Johannisöl , fleußet im Lande Thucia aus den harten Steinfelsen durch wunderbare Schickung Gottes . Endlich brauch ich das oleum popoleum oder Schmalz einer wilden Katze , die schläft auf dem Schweizergebirg von Sankt Gallen bis Sankt Jörgentag und wird davon so feist , daß , wer es nicht mit eigenen Augen gesehen , meinen sollte , das wäre alles erlogen . Summirum summarum , ich nehme das Kräutlein Herba , gewachsen im Lande Regio auf dem Berge Mons , am lieblichen Wasser Aqua , im Monat Mensis . Daraus hat meine Salb ihre wunderbarlichen Kräfte , und ich will nicht ehrlich sein , so mir jemand im ganzen Römischen Reiche die Salbe nachmachet . Herbei denn , alt und jung , Mann und Weib ! Kauf in der Zeit , so hastu in der Not ! Und wenn die Gesunden tüchtig mit der Salbe schmieren , so kann ihnen keine Krankheit an den Leib . Kaufet , kaufet , das Salbenbüchslein für 5 Gröschel ! Ich hab auch kleinere , die kosten drei . Dahier , wer will ? « Und es streckten sich gleich fünf , sechs , sieben Arme aus , die Toren gaben gläubig ihre Groschen . Hatte nun Pomponius eine Gattung von Medikamenten unter die Leute gebracht , so fing das Getrommel wieder an , und stets aufs neue vernahm ich das Geträller » Die Weibgen mit den Flöhen . « So ging es Tag für Tag ; am vierten aber war ich von meinem Gewerbe derart angewidert , daß ich mich von den saubern Kumpanen scheiden wollte . Doch wie ich beim Nachtmahl mit meiner Absicht herausrückte , fielen Pomponius und Schrepfeisen mit wilder Beredsamkeit über mich her . Rasselten mit dem eingenommenen Gelde und meinten , das Geschäft gehe über Erwarten gut . Wie ich den mir zukommenden Lohn forderte , wollten sie nicht damit herausrücken und machten geltend , ich wolle sie im Stich lassen . Schließlich kamen wir überein , ich solle zunächst die verdienten zween Dukaten , den dritten am sechsten Tage empfahen . Da mich die Quacksalber nicht entbehren konnten , hielten sie ihre Zusage . Ich atmete erleichtert , als ich nach Schluß des Marktes im Kämmerlein meine erschöpften Glieder zur Nachtruhe hingestreckt hatte . Und wie ein Vogel aus dem Käfig schlüpfte ich in der Morgenfrühe zum Stadttore hinaus . Bei der ersten Rast im Walde wollte ich meine Goldstücke ins Wams einnähen und holte sie herfür . Sie ersetzten die in Turnau mir entwendeten Dukaten , sahen auch nicht minder blank aus . Indessen schien ein ekler Geruch daran zu haften , und sie weckten peinliche Erinnerung . Hingegen gemahnten jene anderen Dukaten , die mir Beate ins Wams eingenäht hatte , an meine guten Eltern und den Oheim , an ehrliche Arbeit , Sparsamkeit und treue Fürsorge ... Doch was war das ? Wie ich meine Dukaten so betrachte , sind es genau