, o Freund , da war ich glücklicher denn König Réné : mein Idyll kam mir vom Himmel , ich durfte mir nicht erst bunte Kleider dazu anziehen . Eines Tages - in unserem Bürgerleben war es Mittag und unsere kleine Mahlzeit wurde schon aufgetragen - stand ich mit Desdemona am offenen Fenster , das auf die Straße sah , nur wenige Weinranken verhinderten von außen das Hereinsehen . Ich hatte meinen Arm um ihren Nacken geschlungen , und meine Hand ruhte auf ihren Schultern - wir sahen hinaus in die grünen Gärten . Da nahten sich Reiter , eine Dame zu Pferd sah nach uns herüber - es war die Fürstin . Sie schien ihren Augen nicht zu trauen und hielt einen Augenblick ihr Pferd an . Nur einen Augenblick , dann hieb sie ' s mit der Gerte über den Kopf , daß es wild davon brauste . - Um diese Zeit traf mich die Einladung hierher nach Grünschloß ; Du kannst denken , daß ich wenig Lust dazu hatte . Ich ging noch einmal in die Gesellschaft zum Fürsten ; durch unbefangenes Fragen bracht ' ich heraus , daß der Schwager des Fürsten mit dem Pferde gestürzt sei , und krank daniederliege , daß in einer stürmischen Nacht Diebe versucht hätten , in den Palast einzudringen usw. - Die Fürstin war nicht da , man meinte , sie sei schon seit einigen Tagen unwohl und werde wohl schwerlich in der Gesellschaft erscheinen . Doch kam sie noch später . Sie sah wirklich krank und angegriffen aus . Mich behandelte sie natürlich sehr vornehm , doch entging es mir nicht , daß ihr Auge oft schwermütig auf mir ruhte , oft hastig blitzend mich suchte . Ich trat in ihre Nähe , sie war sehr zerstreut . Ich war sehr munter und aufgeräumt , und tändelte mit einem kleinen flinken Dämchen , das sich gar nicht zu gut geben konnte über das prätentiöse Wesen unserer jungen Gelehrten und Schriftsteller , die in die Gesellschaften kämen um auszuruhen , nicht um die Damen zu unterhalten . Als ich sie fragte , womit sie sich den Tag über beschäftigt habe , sah sie mich fragend an , wo ich hinaus wollte und erwiderte naiv : mit vielerlei , früh bin ich spazieren gegangen , nachmittags gefahren , und eh ' ich hierher kam , hab ' ich einen Akt in der Oper gesehen . - » Nun bedenken Sie , mein Fräulein , ob der Mann dort im Winkel mit dem jungen leidenden Gesicht recht hat : ich habe eben mit ihm gesprochen und weiß , daß er heute den ganzen Tag alle alten Rechtsgelehrten in allen Sprachen studiert hat , wie und unter welchen Verhältnissen Revolutionen erlaubt seien - daß er einen Artikel über Abschaffung der Todesstrafe geschrieben hat , aber freilich nicht spazieren gefahren und nicht in der Oper gewesen ist . Wollen Sie ihm nun nicht erlauben « - - Sie meinte , er hätte was Besseres tun können , und - ward von der Fürstin abgerufen , und mit einem Geschäft entfernt . So ging mir ' s mit einer zweiten , einer dritten , bis ich mich selbst entfernte . - Desdemona , deren tiefes Spiel , deren blutende Seele nur von den besseren Zuschauern im Theater erkannt wurde , und deren giebt ' s in den deutschen Theatern sehr wenige , ward meisthin wenig applaudiert , das hohle dreschende Volk neben ihr mit dem bestialischen Spektakel galt immer mehr ; - das war sie gewohnt und es kümmerte sie nicht . Plötzlich zeigte sich eine heftige Opposition gegen ihre Verehrer , man zischte und lärmte , wenn sie applaudiert wurde . Die Anzettelung war nicht zu verkennen , aber Desdemona litt unsäglich dabei : endlich erklärte sie , es sei ihr unmöglich , vor einem Publikum zu spielen , das sie nicht wolle , ihr Gefühl erstarre zu Eis , sie sterbe darüber . Der Direktor des Theaters , ein Einfaltspinsel , der seine Kasse gefährdet glaubte , willigte in ihre Kündigung . Desdemona ward frei ; aber mit Entsetzen sah ich , wie sie verging in der neuen Untätigkeit - sie gestand mir weinend , daß sie stürbe , wenn sie nicht spielen könne . Aber sie könne nicht von mir gehen , um ein anderes Engagement , das man ihr geboten , anzunehmen . Was blieb mir übrig ? Sollt ' ich das schöne innige Weib sich verzehren sehen , dessen Lebensodem die Kunst war ? Ich küßte eines Abends den Abschied auf ihr weiches Antlitz , der Mond schien zitternd durch die Blätter der Bäume , unter denen wir standen , ihr Kopf lag wie ein verbleichender Stern an meiner Brust , sie schluchzte leise , obwohl ich ihr nichts gesagt , daß es ein langer Abschied sei . Ihre zartgesponnene Seele fühlte sein wie die Mimosa , sie ging mit mir bis an die Gartentür , ihr ganzer Körper schauerte , sie war heiß wie eine Fieberkranke . Ich wollte gehen und war schon einen Schritt fort , ihre kleinen Hände hielten mich noch , sie preßte sie krampfhaft in die meine und flehte innig - » Noch einmal , Hippolyt , noch einmal küsse mich ! « Ich umschlang das liebe Wesen , sie brach in die Knie zusammen wie eine gebrochene Blume . Ich mußte sie ins Haus tragen und aufs Sofa legen . Dort lächelte sie sanft und winkte mir mit der Hand zum Gehen . Am andern Morgen ritt ich hieher nach Grünschloß - erlaß mir heute das Weitere . Ich bin nicht der Mann der Sentimentalität , aber ich bin ein Mensch - schickt mir , was ein Mensch tragen kann , ich will ' s tragen , ich hab ' s getragen . Leb ' wohl ! 14. Kamilla an Julia . Den 30. Juli . Und Sie kommen nicht und kommen nicht , Sie Schlimme , und lassen uns immer vergebens warten .