sieht , noch als ein Pferd würde erkannt werden , fragte sich Gerold . Dann ging es ans Betteln . Sie möchten ebenfalls ein wenig leiten dürfen , oder wenigstens die Geißel halten ! Der Seppli schnitt ein bedenkliches Gesicht . Das Gevatterspielen mit Zügel und Geißel , meinte er , wenn einer nichts davon verstehe , sei ein gefährliches Vergnügen mit dem Braunen ; ohnehin hitzig wie der Teufel - » nicht umsonst hat ihn der Dolf gekauft ! « - habe er obendrein noch Hafer gepickt . » Zwar , wenn ihr sehr , sehr vorsichtig sein wollt und mir aufs Wort gehorchen und die Zügel ruhig halten und die Geißel nur brauchen , wenn ichs erlaube , so könnte mans ja versuchen , unter dem Vorbehalt , daß ihr mir augenblicklich die Leitung zurückgebt , sobald ichs verlange . « Hiermit überreichte er unter fortwährenden Mahnungen und Anweisungen dem Hansli behutsam die Zügel . Ha ! das nenn ich einmal einen Unterricht ! Wenn man solche Stunden und solche Lehrer in der Schule hätte ! das wäre eine Hochzeit ! was meinst du , Gerold ? Es war auch erstaunlich , welche Wunder der Regierungskunst man von da oben auszurichten vermochte ! nur ein klein , klein wenig die Daumen gerückt , so nahm das ganze Fuhrwerk einen andern Weg , und zwar genau dahin , wohin man gewünscht hatte . Jetzt bekam Gerold sachte die Geißel zugelangt , hinten herum : » Aber ums Himmels-Heilandswillen nicht damit fuchteln oder fackeln , aufrecht halten und ruhig wie eine brennende Kerze , und nur gebrauchen , wenn ichs befehle , und dann bloß sachte die Haut streifen , etwa so wie ein Fischer die Angelschnur übers Wasser zieht , und ja an keine andere Körperstelle als aufs Kreuz . So , jetzt kannst du ihm einmal sanft aufs Kreuz tupfen , aber sanft , sage ich , wie Watte auf einen bösen Finger . « O Seligkeit ! Kaum berührte die Spitze des tänzelnden Zwickes das Rückenfell , so verdoppelte sich urplötzlich , doch ruhig die Schnelligkeit der Reise , als wäre ein gezähmter Blitzfunken dem Braunen in den Leib gefahren . Inzwischen begann hinter ihnen in der Versenkung des Wagens Gesima an ihr Dasein zu erinnern . Zunächst als Einleitung hüstelte sie . » Tu , als wenn dus nicht hörtest « , riet Hansli dem Bruder . Dann kam ein Potpourri aus der Regimentstochter . Gerold seufzte , der schönen alten Zeit vor Weidenbach gedenkend , blieb aber fest . Hernach verlauteten Selbstgespräche , mit nachdrücklicher Stimme geredet , fürs Publikum . Sie werde zum Kadettenball weiße Stiefelchen anziehen , verkündete sie , und ihre Bernsteinhalskette . Jetzt horchte Gerold mit einem Ohr nach hinten ; dabei geriet jedoch seine Geißel in flunkernde Bewegung , so daß ihm das Geißelrecht vom Seppli aberkannt wurde . Dann kam ein Rezitativ , frei die Tonleiter bergauf und bergab : » Von dem Postwagen will Gesima nichts sagen , und wie die Soldaten Gerold und Hansli daneben geraten . « Dem Rezitativ folgte eine Polka : » Stammt auch vom Storch der Kanonier , darüber zu spotten hat keine Manier . « » Laß dich nur nicht fangen « , mahnte Hansli , » sie will dir bloß schmeicheln . Denk an die Fabel von Odysseus und den Sirenen . « Zur Strafe dafür kam dem Hansli ein Marsch auf den Rücken getrommelt . Fuchswütend drehte er sich um . Durch diese Drehung steuerte er aber das Fuhrwerk quer über die Straße , weshalb ihm nunmehr vom Seppli das Recht der Zügel abgesprochen wurde . Danach blieb es ein Weilchen still . Dann ertönte ein leises , klägliches Wimmern . Mitleidig schaute sich Gerold um . Da steigerte sich das Wimmern zum Weinen . » Ach Gott ! « stöhnte Gerold und stieg ohne weiteres , den Seppli als Schwungbrett und Geländer benützend , zu Gesima in die Wagenwiege hinunter , setzte sich an ihre Seite und tröstete sie , indem er mit dem linken Arm ihren Leib umfaßte und mit der andern Hand ihr übers Gesicht und über die Knie strich . Nun hörte sie auf zu weinen , Gerold aber blieb vorsorglich neben ihr sitzen für den Fall eines neuen Schmerzensausbruches . Darüber war er scheints ein wenig eingenickt , denn wie er aufsah , saß Gesima nicht mehr neben ihm , sondern neben dem Seppli , sicher mit den Zügeln kutschierend , wie eine Fee im hirschbespannten Muschelwagen , während das Milchgesicht , der Seppli , ihr vergnügt zuschmunzelte , als ob man ihm Mehlbrei ums Maul geschmiert hätte . » Auch gut « , dachte Gerold , » so habe ich besser Platz « , und legte sich bequem auf den Rücken , aufwärts nach dem Himmel in die Wetterwolkensäule starrend , die wie der schiefe Turm von Pisa schräg gegen die Sonne wuchs und sie schon fast verschlungen hatte , und so schwarz , daß man meinte , es müsse ein weißer Pfau kommen und daran vorüberfliegen . Bis ihm der Schlummer die Augenlider zudrückte . Plötzlich tat der Wagen einen harten Ruck , und wie Gerold aus dem Schlaf emporschreckte , war der Wagen ganz am Rande der Straße , und Seppli stand auf dem Boden neben dem Pferde , das er mit gestemmten Fäusten am Zaum hielt . Ein prachtvoller Adjutant , schmuck wie aus einer Weihnachtsschachtel , es fehlte bloß die Holzwolle , kam herangesprengt . » Oskar « , grüßte Gesima fröhlich und klatschte in die Hände . » Mein Vetter « , erklärte sie den Buben . » Mama kommt mit dem Wagen « , rief ihr der Adjutant entgegen . » Haltet Ihr den Braunen auch gut ? « wandte er sich zum Seppli . » Keine Gefahr , ich bin bloß zur Sicherheit abgesprungen . « Dann sprengte Oskar im Galopp einige hundert Schritt zurück , Zeichen mit dem Säbel winkend ; und kam bald an der