dann noch etwas , Hierangl . Ich habe Sie gerade deswegen rufen lassen , weil ich will , daß die Gemeinde Kenntnis erhält von dieser Aufschreibung . « » Sie moana , i soll dös weiter erzähl ' n ? « » Ja , das heißt ... « » Herr Pfarrer , i will Eahna glei sag ' n , auf dös kon i mi net ei ' lassen . G ' rad wann ' s i verzähl , hamm d ' Leut ' an Zweifel . « » Ich will nicht , daß Sie ' s öffentlich erzählen . Aber ein paar Leuten , die ohnehin gegen die Wahl sind . Vielleicht beschweren sich die . « » Wer mag der Katz ' d ' Schellen o ' hänga ? I net . « » Sie brauchen es nicht selber zu tun . Aber finden sollen Sie einige . Es ist doch im Interesse der Gemeinde ! « » Es gibt an großen Spektakel . Der Schuller hat viel Leut ' auf seiner Seiten . « » Die Leute werden doch nicht immer gegen ihren Pfarrer sein ! Wenn sie erfahren , daß auch mein Vorgänger die größten Bedenken hatte , müssen sie glauben , daß etwas daran ist . Da müssen ihnen doch die Augen aufgehen ! « » A paar vielleicht , aba viel it . « » Das ist sehr traurig . « » Ja no ; von heut auf morg ' n geht so was it . Sie wer ' n sehg ' n , es gibt viel Vadruß . « » Das hindert mich nicht ; jetzt fechte ich diesen Kampf erst recht durch . Ich tue es dem Andenken meines verstorbenen Amtsbruders zuliebe . « Baustätter hatte die Stimme erhoben ; aber es klang nicht wie heiliger Eifer aus seinen Worten ; es verbarg sich hinter ihnen Haß , recht irdischer Haß . Hierangl hörte ihn heraus und freute sich . Aber er verstand es besser , seine Gedanken zu verbergen ; seine Augen blitzten nicht wie die des Herrn Baustätter ; sie hafteten ruhig auf dem Marienbilde über dem Schreibtische und wanderten hinüber zu der Bibliothek , wo die verstaubten Bücher lagen ; der heilige Alphons von Liguori neben dem Sulzbacher Kalender . » Recht viel wer ' n si net unterschreiben , « sagte er gleichmütig , » aber oan woaß i. « » Wen ? « » An Geitner . Gelt ' n tuat er halt it recht viel . « » Ein Name ist wie der andere . Ich hab ' übrigens auch schon daran gedacht . Der Geitner wäre der Mann , der die Leute aufmerksam machen könnte . « » Für so was is er g ' schickt ; dös glaab i selber . « » Und wenn jemand zu Ihnen kommt , Hierangl , und redet mit Ihnen darüber , dann können Sie ja bestätigen , daß Sie die Schrift gesehen haben ? « » Dös kon ' i scho , Herr Pfarrer , da ko im neamd verklag ' n. « » Schön ! Es bleibt dabei . Grüß Gott , Hierangl ! « » ' ß Good . « Der Hierangl schritt langsam durch den geräumigen Gang ; vor dem Hausaltare fuhr er nach seiner Gewohnheit mit dem Daumen über das Gesicht herunter , zum Zeichen des heiligen Kreuzes . Wie er den Pfarrhof verließ , saß ihm ein verstecktes Lachen in den Mundwinkeln und er sagte halblaut vor sich hin : » Sei ' Feind is er it . « Der Geitner war nie ein guter Hauser und nie ein richtiger Mann gewesen . Er hatte sein Gütl schuldenfrei vom Vater übernommen ; seine Frau , eine Kistlertochter von Webling , brachte Bargeld in die Ehe , vielleicht viertausend Mark . Und so hätte er ein leichtes Machen gehabt , denn das Gütl war nicht schlecht . Es waren zweiunddreißig Tagwerk Acker und Wiesen dabei und elf Tagwerk Wald , darunter vier mit schlagbarem Holz . Aber vom ersten Tag an war es nichts mit ihm . Er hatte keine Freude an der Arbeit und auch keinen Verstand dazu . Das Beste an ihm war sein Mundwerk . Mit dem konnte er gut vorwärts . Er wußte von jedem im Dorfe , wie er seine Sache besser machen könne , und verwaltete alles , was ihn nicht anging . Zu allen Tageszeiten war er im Wirtshaus zu treffen , und kein Weg verdroß ihn , wenn in der Gegend ein Preiskegeln war oder ein scharfer Tarock . Mitunter kam es über ihn , daß er sein Gütl in die Höhe bringen wollte , um den Erlbachern zu zeigen , wie man die Ökonomie treiben müsse . Dann schaffte er die neueste Maschine an oder kaufte ein teures Roß oder probierte es mit neumodischen Erfindungen , die in landwirtschaftlichen Büchern gepriesen werden . In solchen Zeiten saß er noch einmal so gerne im Wirtshaus und rühmte sich vor Leuten , daß er eine neue Ära auftun wolle in Erlbach . Lange blieb er nicht bei dem Eifer ; über eine kurze Weile war die neueste Maschine von ihm billig zu haben , das teure Roß dazu , der Chilesalpeter lag unbenützt hinten in der Scheune , und der Sieg der Neuzeit wurde hinausgeschoben . Der Geitner warf wieder die Kegel um , sechs auf einen Sdiub , wenn es schlecht ging , und wartete mit der Schellenaß auf den Zehner . Es war leicht zu glauben , daß bei einem solchen Hantieren kein Gedeihen sein konnte . Zuerst ging das Bargeld der Frau auf Reisen ; hinterdrein mußte , wie bei allen schlechten Wirten , der Wald dran glauben , und als der letzte Stamm zu Brettern geschnitten war , ging das Borgen an . Zu Anfang war es nicht schwierig . Die ersten zwei Hypotheken waren schnell unter Dach , aber für die dritte brauchte es schon Zeit und Überredung . Damals hätte