mich ein und nahm dabei alle Fremdwörter zu Rate , deren er in seinem Gedächtnisse habhaft werden konnte . Als ich trotzdem so unwissend blieb , wie ich war , stieg er ab und forderte mich auf , dasselbe zu tun . Dann deutete er nach der Gegend , in welcher das Hotel lag , und machte eine Zeichnung in den Sand . Auf einen Punkt dieser Zeichnung deutend , wiederholte er mehrere Male die beiden Worte Bab und Chambre . Daß Chambre das französische Wort für Zimmer ist , weiß Jedermann , und aus dem Plan von Kairo ist mir zufällig bekannt , daß Bab soviel wie Tür oder Tor bedeutet . Der Sejjid sprach also von einer Zimmertür , aber von welcher denn ? Wie es ihm gelungen ist , mich endlich klug zu machen , das weiß ich nicht , aber es kam doch der Augenblick , an welchem ich ihn mit Hilfe seiner Zeichnung begriff : Ich hatte den Haupteingang zu vermeiden und mich oben nach der von der Cheops-Pyramide abfallenden Sanddüne zu wenden , auf welcher das erste Stockwerk des Hotels auf dieser Seite ein Paterre bildet . Dort gibt es eine offenstehende Tür , nach welcher ich zu gehen hatte . Als ich ihm unter fleißiger Anwendung von Bab und Chambre klar gemacht hatte , daß er verstanden worden sei , strahlte sein Gesicht vor Freude . Er zog seinen Mantel aus , unter welchem er ein langes , hellbraunes , hemdartiges Gewand trägt , und gab ihn mir um . Dann ballte er meinen neuen Hut zusammen , schob ihn in seine weite Hosentasche und setzte mir dafür seinen Tarbusch auf , an dessen Stelle er sich mein Taschentuch um den Kopf wickelte . Dann stieg er auf sein Pferd , nahm das meinige am Zügel und ritt davon , absichtlich so , daß ihn die Posten bald bemerkten . Sie rannten auf ihn zu , wodurch sie mir den Weg freigaben . Er ließ sie nicht an sich herankommen . Sie schrien ihm zu und verdoppelten ihre Eile , mit ihm zu reden . Dadurch lockte er sie immer weiter fort , und ich ging langsamen Schrittes nach der mir vorgeschriebenen Gegend . Sie sahen mich von Weitem , achteten aber nicht auf mich , weil sie mich infolge des Tarbusch und des Mantels für einen Araber hielten . Ich erreichte die Düne , ging ihr entlang und kam an die bewußte Tür , welche , was ich freilich nicht geahnt hatte , die Tür der Wohnung meines Retters ist . « Nun hielt der Erzähler inne . Er hatte in einem heiteren Ernste gesprochen , der ihm weit besser zu Gesichte stand als der selbstbewußte , schnarrende Ton , der ihm sonst so eigen war . Er kam mir jetzt ganz anders vor , gar nicht so ungesund fromm und salbungsvoll , wie ich ihn bisher gesehen hatte . Welchen viel , viel bessern Eindruck macht doch der Mensch , wenn in ihm die gute Natur über das künstlich Gemachte siegt ! » Und nun aber der Dank ! « erinnerte seine Tochter . » Oder war es wirklich dein Ernst , nicht von ihm sprechen zu wollen ? « Ich wehrte mit der schnellen Bitte ab , dies Wort weder jetzt noch später zu erwähnen . Da klopfte es an , und als ich ein lautes » Fut ! « 13 gerufen hatte , kam der Sejjid herein , welcher meldete , daß er glücklich angekommen sei und die Pferde nach dem Stalle geschafft habe . Ich wußte , wie man Orientalen seines Standes und seiner Art zu nehmen hat , reichte ihm meine Hand , was an und für sich schon eine Auszeichnung war , und sagte : » Du hast deine Sache gut gemacht , Omar . Ich engagiere dich ; du wirst mein Diener sein und mich begleiten dürfen . Stände Mohammed , dein Prophet , an meiner Stelle , so würde er dir ganz dasselbe sagen , was ich dir schon gesagt habe : Du sollst vor allen Dingen ein guter Mensch sein , und du bist es heut gewesen . Bleibe stets und immer so , wie du an diesem Tage warst ! « Mr. Waller gab ihm den Mantel und den Tarbusch wieder , wofür er sein Taschentuch und den freilich sehr zusammengedrückten Hut zurückbekam , und bat mich , dem Sejjid die Worte zu übersetzen , die er ihm zu sagen habe . Sie lauteten : » Ich habe dich um Verzeihung zu bitten . Gieb mir deine Hand ! « Omar befand sich infolge meiner Rede in gehobener Stimmung . Die Bitte des Amerikaners aber schien ihm noch tiefer zu gehen . Seine Augen bekamen einen feuchten Glanz . Er streckte ihm die Hand in bescheiden zögernder Weise hin und antwortete : » Ich habe dir meine Hand , wenn auch nur die unsichtbare , schon draußen an der Pyramide gegeben , als du geritten kamst , um dich von mir führen zu lassen . Und ich habe dir dann noch mehr gegeben , indem ich dir meine Kleider gab , welche ich wieder anlegen werde , ohne sie reinigen zu lassen , obgleich ein Christ sie getragen hat . Wenn Allahs Hand an die Güte eines Menschen klopft , soll dieser nicht nach dem Glauben seiner Brüder fragen . Das ist es , was ich heut gelernt habe . Und daß ich es gelernt habe , das macht mich so froh , wie ich noch nie gewesen bin ! « Er ging . Waller sah mich , als ich ihm diese Worte übersetzt hatte , erstaunt an und sagte : » Der spricht ja genau wie ein Christ ! Sollte man das für möglich halten ? Uebrigens ein prächtiger Mensch , den man lieb haben muß ! « Ich hütete mich , zu seinen Worten irgend eine Bemerkung zu machen . Es hatte ihn in diesem Augenblicke die Hand eines lieben