kleinen Dörfchen bei dem guten und frommen Pastor , der ihn in den ersten Jahren unterrichtet . Es saßen zusammen zehn Kinder auf den Bänken der Konfirmanden , sechs Knaben auf der einen Seite und vier Mädchen auf der andern ; und hatten die Mädchen das alte Dorfkirchlein mit seinen hellen Fenstern und weißgetünchten Wänden durch Kränze und Blumengewinde verziert , mit den vollen und farbigen Herbstblumen , vornehmlich Georginen und Astern , und der Boden war mit Tannengrün bestreut , das die Knaben den Tag vorher aus dem Walde geholt hatten unter fröhlichen Gesängen und wichtigen Reden darüber , wie sie sich morgen würden mit der kurzen Pfeife sehen lassen auf der Dorfstraße , und daß sie zum Erntefeste tanzen durften . Sie dachten wohl mehr an die Freuden der natürlichen Menschen bei der Feier ; aber der natürliche Mensch und der geistige waren bei ihnen ja nicht so getrennt , wie wir meinen ; und wenn ein Junge , der jetzt zur Seite ausspuckt , wie er es bei den erwachsenen Burschen gesehen , und vom Tanzboden spricht mit überlegener Miene , wenn der erst durch sein Leben gepilgert ist , durch Jugendtorheiten , Verliebtheit , Heiraten , Kindererziehen , Sorgen , Arbeiten und Kummer und als ein Greis im Hochalter vor seiner Hütte in der Sonne sitzt , dann denkt er auch wohl einmal an seine Einsegnung , und da verspürt er , daß er in Wahrheit doch noch andre Gedanken gehabt wie an die kurze Pfeife und das Tanzen . Es ist wohl recht lächerlich , daß auch Hans nicht die rechten Gedanken hatte ; ihm fiel immer die Uhr ein , die ihm der Vater geschenkt , nebst der stählernen Kette , und der schwarze Anzug beengte ihn , und dann fürchtete er sich , daß er weinen werde . Karl saß neben ihm und war in sich versunken und hatte schwere Gedanken . Die Kirche war ganz voll . Da saßen unten die Frauen , voran die Bäuerinnen mit ihren Töchtern , dann die Frauen der Holzarbeiter , und hinten die Tagelöhner . Vorn sah man feste , ruhige und glatte Gesichter , denen man Sicherheit , Ordnung und Fleiß anmerkte und gute Gesundheit . Dann kamen Gesichter , in denen man viele Mühe und Not las und Sorge um das tägliche Leben , aber dabei doch Würde und Ehrbarkeit , und zuletzt sah man Übermut und niedergedrücktes Wesen , fahrigen Sinn , Unterwürfigkeit und gedankenloses Dahinleben . Auf dem Rang saßen die Männer , glattrasiert die alten und mit Bärten die andern , und sie hatten nicht so ihre geordneten Plätze wie die Frauen unten . Hansens Eltern waren auch zugegen und saßen im Pfarrstuhl , und der Vater trug die grüne Gala-Uniform mit dem Hirschfänger an der Seite und sah groß und stattlich aus , und neben ihm die Mutter , die mit der Frau Pfarrerin die einzigen Frauen in städtischer Tracht waren . Wie die Gemeinde das Eingangslied gesungen , kam der gute Pastor und las das Evangelium , und seine Stimme tönte schön und tiefklingend wie eine wohllautende Glocke ; und nach dem zweiten Lied folgte dann die Predigt . Die wendete sich fast nur an die Kinder und ihre Eltern ; der alte Mann sagte , daß sich nun das Tor auftat zum Leben , und rühmte Gottes Güte , daß der uns die Gabe verliehen , durch dieses Tor zu gehen nur mit Hoffnung und Freude ; und siehe da , als er diese Worte sprach , wurden einer harten und strengen Frau die Augen naß , der reichsten Bäuerin , und zog ihr Taschentuch hervor und weinte still vor sich hin , und die Tagelöhnerfrauen hinten stießen sich an und sahen nach ihr mit Erstaunen . Der Prediger fuhr fort und sprach von der Schuld , wie die sich jetzt anspinnt , in diesen Jahren , wenn sie nicht schon älter ist , und wie sie größer wird und größer und unversehens so groß , daß sie uns überragt und uns beherrscht wie einen Sklaven . An dieser Stelle wurde Karl bleich und schaute verzweifelt vor sich hin , daß Hans erschrak , wie er durch Zufall zur Seite blickte und in sein verfallenes Gesicht sah . Vieles verstanden die Leute nicht in der Predigt , so die Worte , daß das Gute leichter sei wie das Böse , und daß man das Gute tue als ein froher Herr und das Böse als ein ingrimmiger Knecht ; aber es war auch wohl nicht nötig , daß die Leute alles verstanden , denn für sie konnten die Worte ja doch nicht Mahnung sein , sondern nur Trost , und den faßten sie auch so , selbst wenn zu dem andern ihre Gemüter nicht genug licht waren . Und nahm jeder den Trost in seiner Weise , denn die stolzen und lebensklugen Bauern hatten doch einen Winkel in ihrer Seele , wo die Sicherheit nicht war , der wurde nun erhellt , und die bekümmerten Holzarbeiter , die sich sorgten , wie sie die Ihrigen rechtschaffen durch das Leben brachten , fanden eine Hoffnung auf ein Leben , da es keine Sorgen und Kümmernisse gab , aber die oberflächlichen und prahlerischen Tagelöhner wurden wohl aus ihrer Selbstzufriedenheit erweckt , doch schwieg gleichzeitig der Stachel des Neides , der sie sonst quälte , und auch sie wurden fröhlicher . Wie der Glauben bekannt wurde , sprachen die andern zaghaft und leise , Hans aber rief sein Ja laut und jubelnd , daß ihn der gute Pastor freundlich ansah ; und unter bangem Herzklopfen folgte dann die Abendmahlfeier , bei der ein unbegreifliches Geheimnis unsern Glauben mit den urältesten Hoffnungen , Furchten und Gedanken der Menschen verbindet und so auch in Leichtfertigen und Gedankenlosen einen Schauer erzeugt , der ernst macht . Danach sang die Gemeinde das Ausgangslied , und währenddem gingen die Eingesegneten einer nach dem andern zu dem Pastor in die Sakristei , brachten ihm , eingewickelt in Papier