damit du auch das dann siehst . Der Tuman hängt am Ringe einer Geldbörse . Das andere Ende des Kettchens ist an diesen Ring befestigt . Das Goldstück steckt stets in der Börse . Wenn er sie durch das Aufschieben des Ringes öffnet , zieht er dadurch zu gleicher Zeit den Tuman hervor . Er braucht ihn auf diese Weise nicht erst unter den andern Geldstücken hervorzusuchen und kann ihn auch nicht irrtümlicherweise ausgeben oder gar verlieren , falls er nicht etwa die Börse selbst verliert . « » Bist du allwissend , Effendi ? Ich sehe nichts von allem , was du sagst ! « » Man sieht es aber doch sofort ! Wie viel Siegel hat der Brief ? « » Fünf . « » Er wurde von rechts unten nach links oben gesiegelt . Der Lack ist ein sehr guter , weicher . Er wird nicht sofort hart . Das Kettchen ist nicht so lang , wie der Brief breit ist . Als der Absender links oben das letzte Siegel machte , kam infolgedessen die Börse quer auf die drei ersten Siegel zu liegen . Indem er mit den Fingern den Tuman da oben in den Lack drückte , drückte er zu gleicher Zeit , natürlich aber ohne es zu wollen , mit dem Handballen auf die Börse . Die drei Siegel waren noch nicht ganz kalt und hart geworden , und so kam es , daß von den Maschen des Geldbeutels und von dem untern Teile des Ringes Spuren entstanden , die gar nicht schwer zu bemerken sind . Du darfst nur nicht bloß nach den Abdrücken des Tuman sehen , welche tief liegen , sondern auch die hohen , breiten Ränder des Lackes betrachten ; dann wirst du ganz dasselbe bemerken wie ich . « Er sah genauer nach , gab dann den Brief dem Pedehr und sagte : » Schau auch du ihn an ! Würdest du etwas finden , wenn du nicht gehört hättest , was der Effendi sagte ? Und nun sieht man die Maschen ganz deutlich und auch die Stelle , wo der Ring gelegen hat . Und da habe ich geglaubt , sehen zu können ! « » Du konntest auch sehen , aber du dachtest und kombiniertest nicht dabei , « erklärte ich . » Es ist gar nicht so leicht , wie ihr nun vielleicht denken werdet , mit dem körperlichen Auge diese Eindrücke , mit dem geistigen dann aber auch sofort das Kettchen , die Börse und den Ring zu sehen . Nachdem ich vorwärts geschlossen und die Sache gefunden habe , ist es nun für euch nicht schwer , auf diesem meinem Wege rückwärts zu gehen und mir zu bestätigen , daß ich mich nicht geirrt habe . Dein Wunsch , Ustad , ist also erfüllt : Du weißt , wo der Tuman getragen wird . « » Ja , « lächelte er . » Wenn ich einen Menschen sehe , an dessen Geldbeutelringe , wenn er ihn aus der Tasche zieht und öffnet , an einem Sa- und Lam-Kettchen ein persischer Goldtuman hängt , so habe ich den Verfasser dieses Briefes entdeckt ! Mein lieber Effendi , habe doch die Güte , ihn mir so schnell und so sicher zu bringen , wie du uns gelehrt hast , diese Siegel zu verstehen ! Kannst du zaubern ? « » Nein . Es giebt überhaupt keine Zauberei . Aber wer zur rechten Zeit und an der rechten Stelle zuzugreifen versteht , dem wird vieles gelingen , worüber andere sich dann laut verwundern . Der Schreiber dieses Briefes ist ein Perser . Wir sind in Persien . Ist es eine Unmöglichkeit , daß er uns irgendwo und irgendwann begegne ? Aber ihn dann auch wirklich sehen , ihn erkennen und - - dann rasch zugreifen ! Das ist es , was wir dann zu thun hätten ! Würden wir das ? « » Ich hoffe es ! « antwortete der Ustad , indem er den Brief von dem Pedehr zurücknahm . » Aber das Schreiben ist ja noch gar nicht geöffnet ! « » Warum nicht ? « » Weil ich nicht der Adressat bin . Verschlossene Briefe sind mir heilig . « » Was bist du für ein Mann ! War den Schatten vielleicht an dir etwas heilig ? Sogar ermordet solltet ihr von ihnen werden ! Und nun wagst du dich nicht an dieses armselige Papier , obwohl du weißt , daß ein Schatten es beschrieben hat und daß es höchst wahrscheinlich Dinge enthält , welche guten , ehrlichen Menschen Schaden bringen müssen ! Ich werde ihn sofort öffnen ! « Er nahm ihn derart in seine beiden Hände , daß ich sah , er wolle die Siegel erbrechen . » Halt ! « rief ich ihm zu . » Nicht so ! « » Wie denn ? « » Verletze die Siegel nicht ! « » Du meinst , ich solle ihn aufschneiden ? « » Auch nicht ! « » Aber was sonst ? Warum diese Einwände ? « » Weil wir Grund haben , bedachtsam zu sein ! Es ist möglich , daß wir diesen Brief zu unserem Vorteile brauchen können , entweder gegen den Verfasser selbst oder gegen Ghulam , an den er gerichtet ist , vielleicht auch gegen beide . « » Um dies zu wissen , müssen wir ihn eben öffnen und lesen ! « » Aber mit Vorsicht ! Wie nun , wenn wir nach dem Oeffnen guten Grund fänden , die Schatten glauben zu machen , daß er noch unverletzt sei ? « » Maschallah ! Hältst du das für möglich ? « » Gewiß ! Wir haben ihn so zu öffnen , daß wir ihn genau wieder so verschließen können , wie er jetzt verschlossen ist . « » Wer kann das thun ! Ich habe kein Geschick zu solchen Dingen ! « Bei diesen Worten reichte er das Schreiben mir . Nun untersuchte ich es