so ein Großer , Dicker , Gesunder , mit Schmissen kreuz und quer übers Gesicht . Ich konnt ' s nicht , fiel um , der Fuß wurde wieder schlimmer . Er war sein Assistent , der Professor war menschlicher . Die Schwester sieht mich - ich rutschte die letzte Strecke auf den Knieen - : Legen Sie sich zu Bett , sagt die Schwester . Das war eine Gute . Er hieß Reich , hieß der Assistent , ist nun auch schon Professor . Es war nicht hier , es war draußen , in Deutschland . Aber sagen Sie mal , was soll ich denn auf der Welt ? was für ruhige Jahre hätte ich gehabt , wenn ich damals gleich gestorben wäre ! « Nein , das geht nicht ! das kann nicht so weiter gehen ! dachte Josefine , sprechen konnte sie kaum , nur ein paar leere Worte , die vor dem heißen Blick der Unglücklichen zu Schaum zerflossen . Sie stand auf und ging von ihr , sie schämte sich so für all diesen Jammer und Unsinn , in den sie schon verwickelt war . Wenn man nur den hundertsten Teil der gesamten Arbeit , Mühe , Anstrengung , den hundertsten Teil des Nachdenkens und des Geldes , das man auf die Hinwegräumung des Schuttes , des Abfalles , des Aases , auf das Hoffnungslose verwendete , auf die Vorbeugung all dieses Elends verwendet hätte , wie unendlich anders müßte es in unserer Gesellschaft aussehen ! dachte Josefine . Aus Mangel , in ungesunden Massenwohnungen wurden die Kranken krank , und wenn sie krank waren , dann nahm man sie in die Kliniken auf , damit die Studenten an ihnen lernten , schnitt ihnen die tuberkulösen Knochen weg und entließ sie , damit sie weiter hungerten . Aber niemand dachte daran , daß es einzig mitleidig , menschlich und vernünftig wäre , niemand aus Mangel an Nahrung in gesundheitsschädlicher , abstumpfender Arbeit und in schlechten , engen Wohnungen krank werden zu lassen . Was hatte diese Unglückliche , eine nur von Tausenden , gearbeitet , ehe sie krank wurde ? Sie erzählte Josefine , daß sie in Berlin Knopflöcher gemacht hatte , nichts als Knopflöcher , nicht mit der Maschine , mit der Hand . Hundertvierundvierzig Knopflöcher bezahlte der Wäscheverkäufer mit zweiunddreißig Pfennigen . Knopflöcher zum Frühstück , Knopflöcher zum Mittag , Knopflöcher zum Abendessen , Knopflöcher im Sommer , wenn der heiße Kalkstaub zum Fenster hereinfliegt und die Nadel rostig wird in der schwitzenden Hand . Knopflöcher im Winter , wenn der ganze Tag dunkel ist in dem dunkeln Hinterhaus , wo sie eine Stube haben , und wo die Füße absterben vor Kälte vom ewigen Sitzen . Knopflöcher , Knopflöcher , Knopflöcher , hundertvierundvierzig Stück für zweiunddreißig Pfennig , achtzehn Jahre lang . » Ich bracht ' s auf acht Mark die Woche , bevor daß ich krank wurde . « Josefine nahm ein Blatt Papier und begann zu rechnen . Ihre Hand bebte , ihr Herz schlug unregelmäßig , setzte aus und begann dann mit einem wilden Auftakt von neuem . Sie wollte ausrechnen , wie viele Knopflöcher die Frau am Tage , in der Woche gemacht , um acht Mark zu verdienen . » Arbeiteten Sie auch Sonntags ? « » O ja , manchmal aber nur den halben Tag . « » Also gewöhnlich den ganzen Sonntag ? « » Ja , aber meist doch ' n paar Stunden weniger als Alltags . « » Und Alltags - wie lange arbeiteten Sie da ? « » Siebzehn bis achtzehn Stunden - unter dem konnt ich das nicht zwingen . « » Und waren verheiratet und hatten drei Kinder , wie Sie sagen ? « » Ja , drei Kinder , mein kleiner August starb mir ja gleich . « » Also eigentlich vier Kinder ? « » Ja , drei sind am Leben und verdienen schon mit . Hier ist das ja ganz anders , hier kriegen sie dreißig Centimes die Stunde ; wär ich hier man eher hergekommen . « » Und Ihr Mann , was macht der ? « » Mein Mann ist schon sieben Jahre in der Erde . Der ist damit durch . « » Was war sein Geschäft ? « » Sein Geschäft war auf Nadelspitzen , wissen Sie , in der Fabrik . Aber , das is auch nich gut . « Nadelspitzen ! Auch nicht gut ! Nein , freilich . » Und er hatte dann Malör . Das war ' ne ganze Kleinigkeit , will ich mal sagen . Er hatte bei einer Aufladestelle ' n paar Kohlen aufgesammelt . Wir konnten das ja gut brauchen , das können Sie sich wohl denken . Nu kam das raus , und mein Mann kriegte zwei Monat . Das Gericht wollt mich da auch mit ' rein ziehen , aber mein Mann sagte : nee , ich hätte da nichts von gewußt . Na , das war je nu nich wahr , ich wußt das ganz gut , wo die paar Kohlen herkamen , das waren je man ' n paar , so ' n kleinen Brotbeutel voll . Aber , einer mußt doch bei den Kindern bleiben . Nu kam er wieder zu Haus und war ganz anders . Mutter , sagt er , nu haben sie mir zum Dieb gemacht , nu is mir alles gleichgültig . Das dauert nich lange , da kommt mein Mann und bringt ' n feinen Herrenhut . Ach jotte doch , trag ihn wieder hin ! sag ich ; ich hatte so ' ne Angst . - Nee , sagt er , der is ' n Studenten abgefallen , mitten auf ' m Weg . Der war ja betrunken , der andere gab ihm ' n Stoß , und da fiel der Hut in ' n Dreck . Ich hab ihn man mitgenommen , daß er nich untern Wagen kommt . Anderen Tag haben wir die