Ich war zweimal vergebens hier « bemerkte er ; » ich habe Ihnen viel zu sagen « . » Ich habe zwei Tage lang geschwänzt « . Sie sah ihn übermütig an . » Es ist so merkwürdig , etwas zu thun , was man nicht soll « . Er überhörte ihre Bemerkung , nahm den Hut ab und verbeugte sich vor ihr . » Ich habe die Ehre , in Ihnen eine junge , hoffnungsvolle Schriftstellerin zu begrüßen « . » Wieso , wirklich ? ... nein « ... stammelte sie und wurde dunkelrot im Gesichte . Er erzählte ihr allerlei Wahres und Erlogenes über ihr » Manuskript « . Sie schritt glückselig neben ihm hin . Nein , daß sie dazu Talent hätte , nie hätte sie das gedacht . Aber eine gewisse Wonne habe es ihr in der That bereitet , die kleine Skizze zu schreiben . Vielleicht sei das ein Zeichen des Talentes . » Naturallement « sagte er ; dann erzählte er ihr von Herrn und Frau Klingenberg . » Sie kennen sie doch selbstverständlich dem Namen nach ; jeder Künstler macht dort der Kunst seine Antrittsvisite . « Er flocht ein , daß dieses großartige Ehepaar darauf brenne , die Dichterin der entzückenden kleinen Geschichte bei sich zu sehen . » Nächsten Sonnabend hol ich Sie ab . Sie gehn doch natürlich hin « . Sie sträubte sich anfänglich ein bischen , dann versprach sie mitzukommen . Sie hatte sich so lange unglücklich und verlassen gefühlt , so daß die Entdeckung sie ganz berauschte , ein wirkliches Talent in sich zu haben , welches ihr Zerstreuung und Anregung bot , sie von der öden Zukunft eines Kindermädchens bewahrte und ihr am Ende gar noch Ruhm und Geld eintrug . Die Freude verklärte ihr schönes Gesicht und machte es noch anziehender . Mit feuchtem Glanz in den Augen dankte sie Tage . Ihm wurde bei dem heißen dankbaren Blick dieser dunklen Augen ganz seltsam zu Mut . Er hätte sie am liebsten an sich gerissen und blutig geküßt . Er wußte jetzt , wodurch man diese Seele eroberte . Nicht durch Leidenschaftlichkeit , durch Schmeichelei , nicht indem man den » berühmten Mann « hervorkehrte , sondern indem man sie zur Dankbarkeit zwang . Es giebt vornehme Naturen , denen das Bewußtsein , eine Verbindlichkeit gegen jemand zu haben , zur Eisenkugel wird , die sie nie mehr abstreifen können . Darauf hatte er hier gerechnet . Er war noch nie einem so schönen , reinen Mädchen begegnet . Seine Häßlichkeit und innere Hohlheit ließ ihn nach Vollendetem die Arme ausbreiten , nach Jemand , der eigene Art besaß und von dem Troß der Nachbeter abwich . Er mußte um seines Vorteils willen den Verehrer einer alten welken Frau spielen und entschädigte sich dafür bei kleinen Grisetten . Aber dies kostete erstens Geld , zweitens war es mit so viel unbehaglichen Nebendingen verbunden . Wenn er Johanne zur Geliebten gewann - die Baronin würde er ja nie lassen , natürlich nicht - dann fielen diese peinlichen Nebenumstände weg . Sie besaß etwas Vermögen , um vor der Hand leben zu können ; sie war klug , um auch etwas Anderes , als bloße Liebesunterhaltung zu bieten , und ehrlich schien sie auch ; wenn sie sich einmal gab , konnte man ihrer sicher sein . Tage verabschiedete sich verliebter denn je von ihr . Sie setzte sich gleich wieder hin , um zu » dichten « . Aber es ging nicht ; sie war in diesen Tagen zu aufgeregt . Eines Nachmittags erhielt sie ein Blatt zugeschickt . Es war eine Zeitschrift , und ihr Name prangte auf der ersten Seite . Wir bringen hier , hieß es , eine kleine Novellette von Johanne Grün , einem neuen glänzenden Stern am Litteraturhimmel . Mit schweren Opfern ist es uns gelungen , diese Arbeit zu gewinnen , die , wie die meisten Dichtungen der jugendlichen Autorin , eben an eine große Zeitschrift im Auslande abgehen sollte . Darauf folgte Johannes Skizze . Zuerst machte sie ein ganz verdutztes Gesicht , dann aber weinte sie vor Freude . Am andern Morgen kam eine gedruckte Einladungskarte von Klingenbergs . - Am Nachmittag drückte sie wiederholt Tages Hände . » Das Honorar erhalten Sie später « sagte er leichthin . Auch das noch ! Ob sie gleich ihre Lernzeit am Fröbelhaus abbrechen sollte ? Natürlich - riet er . Lust hätte sie ja doch keine dazu . Sie solle sich sofort wieder an eine kleine schriftstellerische Arbeit machen . In ihrer Hoffnungsduselei , in ihrem Rausch beging sie in der That den Schritt , mitten im zweiten Semester aus dem Erziehungskurs fortzubleiben . Sie war wie umgewechselt . Sie jubelte auf wie ein in die Falle gegegangenes und wieder befreites Vöglein . Am Ende der Theresienstraße , in der sie wohnte , lagen große noch unbenützte Bauplätze . Früher waren es Aecker und Gärten gewesen und einzelne Bäume standen noch hie und da herum . Obgleich es Winter war , war es doch schön und frei dort . Die glitzernde Schneefläche , durch die sich ein schmaler Pfad schlang , lud zu einsamen Spaziergängen ein . Von jenem etwas erhöhten Terrain aus konnte man das Weichbild der Riesenstadt überschauen . Dort machte Johanne mit Tage öfter Spaziergänge . Er schwärmte , und sie begann , ihm langsam zu glauben . Sie erzählte ihm mancherlei aus ihrer Kinderzeit , ihre Zunge löste sich nach und nach , endlich gab sie sich als das , was sie wirklich war : als ein leben- und liebedürstendes Geschöpf . Er hütete sich , ihr ironisch wie Lohringer zu begegnen ; er merkte , daß sie das haßte . Am Sonnabend holte er sie ab . Sie hatte ihr weißes Kleidchen angezogen , dasselbe , das sie in ihrer ersten Gesellschaft bei Wewerkas trug . Tage bat sie , ihr Haar loser und tiefer zu stecken . Sie gehorchte ihm und sah mit dem