oder wenigstens so glänzend abschloß , ist seit einer Woche so gut wie nichts mehr da . Trauriges Dasein und draußen Tauwetter . Ich könnte den Hamletmonolog deklamieren , aber ich wähle das Kürzere : » Nymphe , bete für mich . « Es wird wohl falsch zitiert sein ; die meisten Zitate sind falsch . Dein Leo Zwölftes Kapitel Diese Korrespondenz zwischen den zwei jüngeren Geschwistern setzte sich bis in den Februar hinein fort , wenig zur Freude Theresens , die gelegentlich einen von Leos Briefen las und es jedesmal beklagte , daß sich » das Poggenpuhlsche so weit verirren könne « , wobei sie übrigens der Schwester die Hauptschuld zumaß . » Meiner Meinung nach « , so hieß es regelmäßig , wenn dies Thema zur Sprache kam , » ist der ganze Briefwechsel überhaupt überflüssig ; wenn er aber stattfinden soll , so möcht ich wohl , daß er einen andern Inhalt hätte . Du wirst ihn noch ganz zu dir hinüberziehen , in jene gesellschaftliche Sphäre , darin du dich leider wohl und immer wohler fühlst . Du willst nicht einsehen , daß die Welt , die du leichtfertig und hochmütig , und bloß um dich zu mokieren , als die christlich-germanische bezeichnest , daß diese Welt mehr bedeutet als ein halbes Dutzend Gersons - denn so viele werden es doch wohl nachgerade sein . Es kommt auf das innerliche Leben an , nicht auf das äußerliche : die Äpfel mit der schönen Schale sind meist wurmstichig . « » Und die grauen Reinetten überdauern den ganzen Winter . « Therese zuckte die Achseln und brach ab , nahm auch nicht Veranlassung , darauf zurückzukommen , und zwar um so weniger , als sich das , was ihr die Mama in dieser Streitsache begütigend gesagt hatte , sehr bald erfüllen sollte . » Laß doch die beiden « , so etwa waren die Worte der Majorin bei jener Gelegenheit gewesen , » du solltest doch Leo kennen und wissen , wie wenig das alles auf sich hat . Heute will er das und morgen das . Ehe drei Wochen um sind , hört die Schreiberei zwischen ihnen von selbst auf . « Und so kam es auch . Leo schloß sich , noch ehe der Januar zu Ende ging , einem katholischen Geistlichen an , der Dogmenstrenge mit Skat und Fidelität glücklich zu vereinigen wußte , welche neue Bekanntschaft denn auch sofort verhängnisvoll für die weitere Erörterung der Esther- und Flora-Frage wurde . Sie starb sehr bald ab . Ja , die Korrespondenz nach Thorn hin erlosch rasch , aber die zwischen Sophie und Manon setzte sich fort , und keine Woche verging , ohne daß ein Brief aus Adamsdorf eingetroffen wäre , meistens gleichzeitig mit einer sorglich gepackten Kiste , deren Eintreffen Friederike , wenn sie sie öffnete , jedesmal mit derselben Rede begleitete : » Wieder frische Eier und alle eingewickelt und in Häcksel . Ja , das laß ich mir gefallen , gnäd ' ge Frau . Denn erstens kriegt man keine frischen , wenn es auch draufsteht , und zweitens sind Eier doch immer besser , als was eben erst geschlachtet is . Ente geht noch , weil Ente fett ist ; aber schon bei Hühnern fängt es an , und ist es gar Kalb , dann hat es immer einen Stich ... Un ich werde auch gleich eins kochen , gnäd ' ge Frau ; Sie müssen sich auch mal was gönnen . Es ist wahr , Sie haben ja die Bonbons , aber das gibt keine Kraft un is bloß von wegen den Husten . « Sophiens Briefe teilten sich , der Zeit nach , in solche , die sich mit ihrer fortschreitenden Genesung und , als diese schließlich da war , mit ihrer malerischen Tätigkeit beschäftigten . Diese Briefe zu lesen war immer ein Vergnügen , und einzelne davon nahm Manon sogar mit zu Bartensteins , um sie da zum besten zu geben , aber freilich meist nur , wenn der Alte zugegen war , der so was gern hörte , während die Damen eigentlich nur aus Artigkeit folgten . Flora ( vielleicht weil sie wegen eines geplanten Ausfluges nach Olympia gerade Neugriechisch lernte ) hatte eine Neigung , alles » unbedeutend « zu finden , was Manon , so verliebt sie in die Freundin war , doch bestimmte , mit ihren Mitteilungen schließlich etwas zurückhaltender zu sein . In einem dieser Briefe hieß es : » Ich bin jetzt bei der Sündflut , die ja , wenn man will , auch ins Landschaftliche fällt . Wasser ist doch auch Gegend , und Gegend ist Landschaft . Und was denkt Ihr nun wohl , wie meine Sündflut aussieht ? Ganz anders wie andre , was ich , ohne unbescheiden zu sein , sagen darf , weil die Idee nicht von mir , sondern von Onkel Eberhard herrührt . Und auch eigentlich nicht von ihm , wie Ihr gleich hören werdet . Als ich mich nämlich vorige Woche beim Tee dahin äußerte , daß ich jetzt an die Sündflut herangehen wolle , sagte der Onkel : Ja , Fiechen , wie denkst du dir das nun eigentlich ? Oder richtiger , ich will es gar nicht wissen , ich will dir lieber gleich sagen , wie ich es mir denke und wie ich es mir wünsche . Als ich noch in Berlin bei » Alexander « stand , war ich mal auf Besuch in einer benachbarten Dorfkirche , drin viele Bilder waren , auch eine Sündflut . Und aus der Sündflut ragte nicht bloß , wie gewöhnlich , der Berg Ararat mit der Arche hervor , nein , neben dem Ararat befand sich auch noch in geringer Entfernung ein zweiter Berg , und auf diesem zweiten Berge stand eine Kirche . Und diese Kirche war genau die kleine märkische Dorfkirche mit einem Laternenturm und sogar einem Blitzableiter , in der wir uns in jenem Augenblick gerade befanden . Und das