ich es gesagt habe und daß morgen Brigittens Geburtstag ist . « » Verraten ? Ich ? Ich bitte Sie , Frau Hansen ... Aber Sie stehen so auf dem Sprunge ; das nimmt mir die Ruhe . Wissen Sie was , Sie müssen sich zu mir setzen und mir etwas erzählen , vorausgesetzt , daß ich Sie mit dieser Bitte nicht in Ihrer Wirtschaft oder in noch Wichtigerem störe . « Die Hansen tat , als ob sie zögere . » Wirklich , lassen Sie dies Ihren ersten Besuch sein , den Sie mir in Ihrer Güte ja regelmäßig machen ; ich habe ohnehin so viele Fragen auf dem Herzen . Bitte , hier , hier auf diesen Stuhl , da seh ich Sie am besten , und gut sehen ist das halbe Hören . Ich hörte sonst so gut , aber seit kurzem versagt es dann und wann ; das sind so die ersten Alterszeichen . « » Wer ' s Ihnen glaubt , Herr Graf . Ich glaube , Sie hören alles , was Sie hören wollen , und sehen alles , was Sie sehen wollen . « » Ich seh und höre nichts , Frau Hansen , und wenn ich etwas gesehen habe , so vergeß ich es wieder . Freilich nicht alles . Da hab ich gestern abend Ihre Frau Tochter gesehen , Brigitte nannten Sie sie ; zum Überfluß auch noch ein wundervoller Name . Nun , die vergißt man nicht wieder . Sie können stolz sein , eine so schöne Tochter zu haben , und nur den Ehemann begreif ich nicht , daß er seine Frau hier in aller Ruhe zurückläßt und zwischen Singapor und Shanghai hin-und herfährt . So nehm ich wenigstens an , denn da fahren sie so ziemlich alle . Ja , Frau Hansen , solche schöne Frau , mein ich , die nimmt man mit vom Nordpol bis an den Südpol , und wenn man ' s nicht aus Liebe tut , so tut man ' s aus Angst und Eifersucht . Und ich für mein Teil , soviel weiß ich , ich würde mir immer sagen , man muß auch von der Jugend nicht mehr verlangen , als sie leisten kann . Nicht wahr ? In diesem Punkte , denk ich , sind wir einig ; Sie denken auch so . Also warum nimmt er sie nicht mit ? Warum bringt er sie in Gefahr ? Und natürlich sich erst recht . « » Ach , das ist eine lange Geschichte , Herr Graf ... « » Desto besser . Eine Liebesgeschichte dauert nie zu lang , und eine Liebesgeschichte wird es doch wohl sein . « » Ich weiß nicht recht , Herr Graf , ob ich es so nennen kann ; es ist wohl so was dabei , aber eigentlich ist es doch keine rechte Liebesgeschichte ... bloß daß es eine werden konnte . « » Sie machen mich immer neugieriger ... Übrigens ein kapitaler Tee ; man merkt auch daran den Chinafahrer , und wenn Sie mir eine besondere Freude machen wollen , so gestatten Sie mir , Ihnen von Ihrem eigenen Tee einzuschenken . « Damit stand er auf und nahm aus einer in der Nähe des Fensters stehenden Etagère eine Tasse heraus , darauf in Goldbuchstaben stand : Dem glücklichen Brautpaare . » Dem glücklichen Brautpaare « , wiederholte Holk . » Wem gilt das ? Vielleicht Ihnen , liebe Frau Hansen ; Sie lachen ... Aber man ist nie zu alt , um einen vernünftigen Schritt zu tun , und das Vernünftigste , was eine Witwe tun kann , ist immer ... « » Eine Witwe bleiben . « » Nun meinetwegen , Sie sollen recht haben . Aber die Geschichte , die Geschichte . Kapitän Hansen , Ihr Schwiegersohn , wird doch wohl ein hübscher Mann sein , alle Kapitäne sind hübsch , und Frau Brigitte wird ihn doch wohl aus Liebe genommen haben . « » Das hat sie , wenigstens hat sie mir nie was anderes gesagt , außer ein einziges Mal . Aber das war erst später , und ich spreche jetzt von damals , von der ersten Zeit , als sie sich eben geheiratet hatten . Da war wirklich eine große Zärtlichkeit , und wohin es ging , und wenn es eine gelbe Fiebergegend war , immer war sie mit ihm an Bord , und wenn sie wieder hier in Kopenhagen zurück war ... sie hatte aber damals eine selbständige Wohnung , denn mein alter Hansen , dessen sich der Herr Graf ja wohl noch von Glücksburg her erinnern werden , lebte damals noch ... , ja , was ich sagen wollte , immer wenn sie nach einer langen , langen Reise wieder hier war , wollte sie gleich wieder fort , weil sie jedesmal meinte : die Menschen hier gefielen ihr nicht und draußen in der Welt sei ' s am schönsten . « » Das ist aber doch wunderbar . War sie denn so wenig eitel ? Hatte sie denn gar kein Verlangen , sich umschmeichelt und umworben zu sehen , woran es doch nicht gefehlt haben wird ? Ich wette , die Kopenhagener werden es ihr wohl schon an ihrem Konfirmationstage gezeigt haben . « » Das haben sie freilich . Aber Brigitte war immer gleichgültig dagegen und blieb es auch in ihrer Ehe . Nur mitunter war sie so rabiat . Und so ging es bis Anno 54 , was ich so genau weiß , weil es gerade das Jahr war , wo die englische Flotte , die nach Rußland ging , hier vorüberkam . Und in demselben Sommer hatten wir hier in Kopenhagen einen blutjungen Offizier von der Leibgarde , der bei der Rasmussen - ich meine die Gräfin Danner , aber wir nennen sie noch immer so - aus und ein ging , und steckte so tief in Schulden , daß er nicht mehr zu halten war , und mußte den