fünf Minuten ! « zu bleiben , obwohl die unaufschiebbaren Besuche erlogen waren . Sonst hatte ich es doch stundenlang ausgehalten , solch ' inhaltsloses Geplapper anzuhören und mitzuplappern - aber an diesem Tage widerte es mich an . Eine Sehnsucht ergriff mich : ... Ach nur wieder so ein Gespräch wie gestern abends - ach Tilling - Friedrich Tilling ... Die Wagenräder hatten also doch recht mit ihrem Refrain ! ... Es war eine Wandlung mit mir geschehen - ich war in eine andere Gefühlswelt hinaus gehoben ; diese kleinlichen Interessen , in welche meine Freundin so ganz vertieft war : Toiletten , Bonnen , Heirats- und Erbschaftsgeschichten aus der Gesellschaft - das war doch gar zu nichtig , zu erbärmlich , zu erstickend ... Hinaus , hinauf in eine andere Lebensluft ! Und Tilling war ja frei : die Prinzessin » schwärmt für einen Burgschauspieler « ... Die hat er wohl nie geliebt ... ein vorübergehendes - ein vorübergegangenes Abenteuer , weiter nichts . Es verstrichen mehrere Tage , ohne daß ich Tilling wiedersah . Jeden Abend ging ich ins Theater und von da in eine Soirée , in der hoffenden Erwartung ihm zu begegnen , aber vergebens . Mein Empfangstag brachte mir viele Besuche , aber natürlich nicht den seinen . Den hatte ich auch nicht erwartet . Es sah ihm nicht ähnlich , nach seinem bestimmten » Gräfin , das dürfen Sie mir nicht zumuten « und seinem am Wagenschlag gesagten » Ich verstehe - also gar nicht « sich dennoch an einem solchen Tage bei mir einzufinden . Ich hatte ihn an jenem Abend gekränkt , das war gewiß ; und er vermied es , mit mir zusammenzukommen , das war offenbar . Allein , was konnte ich thun ? Ich brannte danach , ihn wieder zu sehen , meine damalige Unfreundlichkeit wieder gut zu machen und eine neue solche Plauderstunde zu erleben , wie jene in meines Vaters Haus ; eine Plauderstunde , deren Reiz mir jetzt noch hundertfach erhöht worden wäre , durch das mir nunmehr klar gewordene Bewußtsein meiner Liebe . In Ermangelung Tillings brachte mir der nächstfolgende Samstag doch wenigstens Tillings Cousine - dieselbe , auf deren Ball ich ihn kennen gelernt . Als sie eintrat , fing mir das Herz zu pochen an ; jetzt konnte ich doch wenigstens etwas von demjenigen erfahren , der meine Gedanken so beschäftigte . Ich brachte es jedoch nicht über mich , eine diesbezügliche Frage zu stellen ; ich fühlte , daß ich nicht im stande wäre , den gewissen Namen auszusprechen , ohne verräterisch zu erglühen , und so unterhielt ich meine Besucherin von hundert verschiedenen Dingen - unter anderen auch vom Wetter - aber nur nicht von dem , was ich auf dem Herzen hatte . » Ah , Martha , « sagte jene unvermittelt , » ich habe eine Post an Sie zu bestellen : mein Vetter Friedrich läßt Sie grüßen - er ist vorgestern abgereist . « Ich fühlte , daß mir das Blut aus den Wangen wich . » Abgereist ? Wohin ? Wurde sein Regiment versetzt ? « » Nein ... er hat nur einen kurzen Urlaub genommen , um nach Berlin zu eilen , wo seine Mutter auf dem Sterbebette liegt . Der Arme , er dauert mich ; denn ich weiß , wie er seine Mutter vergöttert . « Nach zwei Tagen erhielt ich einen Brief von unbekannter Hand , mit dem Poststempel Berlin . Noch ehe ich nach der Unterschrift geschaut , wußte ich , daß das Schreiben von Tilling kam . Es lautete : » Berlin , Friedrichstr . 8 , 30. März 1863 . 1 Uhr nachts . Teure Gräfin ! Ich muß Jemandem klagen ... Warum gerade Ihnen ? Habe ich ein Recht dazu ? Nein - aber den unwiderstehlichen Drang . Sie werden mir nachfühlen - ich weiß es . Hätten Sie die Sterbende gekannt . Sie würden sie geliebt haben . Dieses weiche Herz , dieser helle Verstand , diese heitere Laune , diese Hoheit und Würde - und das alles soll jetzt ins Grab - keine Hoffnung ! Ich habe den ganzen Tag an ihrem Lager verbracht und werde auch die Nacht über hier bleiben - ihre letzte Nacht ... Sie hat viel gelitten , die Arme . Jetzt ist sie ruhig - die Kräfte schwinden , der Pulsschlug hat beinah schon aufgehört ... Außer mir wachen noch ihre Schwester und ein Arzt im Krankenzimmer . Ach , diese schreckliche Zerreißung : der Tod ! Man weiß doch , daß er alle fällen muß , und doch kann man ' s nie recht fassen , daß er auch unsere Lieben hinraffen darf . Was mir diese Mutter war , das vermag ich nicht zu sagen . Sie weiß , daß sie stirbt . Als ich ankam , heute morgen , empfing sie mich mit einem Freudengeschrei : - Also doch - sehe ich Dich noch einmal , mein Fritz ! Ich fürchtete so , Du kämst zu spät . - Du wirst ja wieder gesund werden , Mutter , rief ich . - Nein , nein - davon ist keine Rede , mein alter Bub ' . Nimm diesem unseren letzten Beisammensein nicht die Weihe durch die üblichen Krankenbettvertröstungen . Sagen wir uns Lebewohl - Ich fiel schluchzend an der Bettseite in die Knie . - Du weinst , Fritz ? Schau , ich sage Dir auch nicht das üble Weine nicht . Es ist mir lieb , daß Dir der Abschied von Deiner besten alten Freundin leid thut . Das bürgt mir , daß ich lange unvergessen bleibe - - Solang ' ich lebe , Mutter ! - Erinnere Dich dabei , daß ich viel Freude an Dir gehabt . Außer der Sorge , die mir Deine Kinderkrankheiten bereitet , und dem Bangen , während Du im Kriege warst , hast Du mir nur glückliche Gefühle verursacht und hast mir Alles tragen helfen , was das Schicksal mir