- Einen Sturm von Empfindungen , dessen sie allein Herr werden wollte . » Mir fehlt nichts « , sagte sie , » es sind Launen , Bester , die jeder Sterbliche hat , du allein ausgenommen . Ich kann nur wiederholen , was ich dir schon als Braut sagte : Habe Geduld mit mir . « Gräfin Agathe empfing ihre Kinder , als sie am nächsten Tage kurz vor dem Mittagessen bei ihr eintrafen , mit sehr absichtlich betonter Überraschung . Sie befand sich zwar noch zu Bette , aber nur aus Rücksicht für die viel zu weit getriebene Ängstlichkeit ihres Hausarztes . Es sei ihr höchst unangenehm , versicherte sie , den Kleinen allein in Dornach zu wissen - noch dazu ihretwegen . Eine Einwendung ließ sie nicht gelten und blieb dabei : » Ohne seine Mutter ist ein so junges Kind immer allein . Nur um mich keine Sorgen ! Was der Herr beschließt , haben wir in Demut hinzunehmen . Aber ich hoffe von seiner Gnade , daß er mein Gebet erhören und mich noch hier lassen wird , um meinen dritten Enkel zu segnen . Drei müssen es sein . Einer für Dornach , einer für Gott , einer für den Kaiser . « » Majoratsherr , Priester , Soldat « , murmelte Pater Schirmer , nickte dreimal dazu , kreuzte seine kleinen Hände über dem Magen und guckte aus winzigen Augen über die runden Polster der Wangen mit einer wahren Fülle von Wohlwollen und Freundlichkeit vor sich hin . Die Gräfin beruhigte sich erst , als Maria ein Telegramm nach Dornach abgesandt hatte , in dem sie ihr Eintreffen für den drittnächsten Tag ankündigte . Hermann wurde gebeten , länger zu bleiben . Es geschah auf Veranlassung Pater Schirmers , der , mit dem Amte eines Sekretärs betraut , infolge seines Bestrebens , » jede Störung der Harmonie zwischen Gutsbesitzer und Gutsverwaltung hintanzuhalten « , einen verderblichen Schlendergang in der Leitung der Geschäfte geduldet hatte . Mit Schrecken war er sich des Unheils bewußt worden , das seine Ohnmacht angerichtet . Das Eingreifen der festen Hand Hermanns war notwendig . So kam denn Maria allein in Dornach an . Auf der Station wartete Wilhelm und empfing seine Base bewegt wie ein Liebhaber . Er bestellte ein Willkomm-Lallen von seinem » Prachtneffen « , die wärmsten Grüße Helmis und Handküsse der Rangen . Er konnte die schriftlichen Nachrichten über das Befinden Wolf Forsters , die Doktor Weise im Laufe des Winters nach Wien geschickt hatte , bestätigen . Der Patient war wohl genug , um Dornach verlassen und die Fahrt nach einem Jagdschlößchen Hermanns , das ihm zum bleibenden Aufenthalt angewiesen wurde , unternehmen zu können . Er selbst freue sich sehr darauf und spreche nur noch von seiner lang gehegten und mühsam gebändigten » Passion « für das lustige Waidwerk . » Lauter Gutes , lieber Wilhelm , du bringst lauter gute Botschaft « , sprach Maria , und Tränen traten ihr in die Augen . » Das Beste bringen Sie « , rief er aus , » Sie bringen sich . « » Wie sagst du ? Sie ! ? « » Entschuldige ! das macht der Respekt ... Nach so langer Trennung kommt es mir ordentlich keck vor ... « Er wurde verlegen und schwieg . Sie rollten im raschen Trabe der Pferde dahin . Durchsichtig blau und wolkenlos wölbte sich über ihnen der Himmel . Im Westen , in einer Einsattelung der Bergkämme , bildete die untergehende Sonne einen blendenden Feuerherd und sandte ihre Strahlengrüße über die keimende , knospende , blühende Welt , die sie zu neuem Leben erweckt hatte . Ewig gelöstes , ewig unlösbares Rätsel , Frühlingswunder ! - Still ließ Maria es auf sich einwirken und betete die eine und einzige Kraft an , die webt und treibt im Hälmchen auf der Wiese , widerhallt aus der tönenden Brust der Nachtigall , unwiderstehlich lockt und ringt im Menschenherzen . Man war vor dem Schlosse angelangt , Wilhelm bestieg seinen Gaul und ritt heim , nachdem er versprochen hatte , sich morgen als Pater familias in Dornach einzufinden . Maria hielt ihr Kind in ihren Armen ; sie küßte und liebkoste es und wiederholte ihr Sprüchlein : » Alles gut - lauter Gutes - - « Ach , wenn der bittere Vorwurf nicht wäre ! der nagende , peinvolle Vorwurf gegen einen Menschen , der nicht in ihrer , nein , in dessen Schuld sie stand , unerbittlich grausam gewesen zu sein . Sie hätte sich überwinden , ihm die Hand reichen und sagen sollen - was hielt sie ab , welche Pflicht verbot es ihr ? - : Ich habe Sie geliebt . Dereinst , als ich noch frei war . Die Verhältnisse haben uns getrennt . Nun wollen wir unsere Schuldigkeit als brave Menschen tun und beim Wiedersehen nach Jahren , wenn die Empfindung , die uns jetzt noch bedrückt und verwirrt , erloschen sein wird , einander als alte Freunde entgegentreten . Hätte sie doch so gesprochen , so sprechen können ! Schwäche , Schwäche , daß sie es nicht gekonnt . Jetzt bleibt der Stachel in ihrer Brust , der Tropfen Gift in ihrem Blute . Sie sollte den Blick nie vergessen , den er ihr beim Scheiden zugeworfen . Als sich Maria in ihr Schlafgemach begeben hatte , erschien Lisette , um gute Nacht zu wünschen und eine Botschaft von Forster zu überbringen . » Er geht also fort « , sagte sie , » und läßt dich bitten , inständig , daß du morgen Klavier spielst und dann hinkommst in den Pavillon . Er möcht sich gar so gern bei dir empfehlen und dir auch den weiten Weg ersparen bis zur Hegerin . Wirst du kommen ? « » Ja . « » Noch etwas , denk dir . Heut hat er Besuch gehabt , der Wolfi . Ein Freund von ihm , der eine weite Reise macht , hat sich hier