Martin , ohne sich sogleich an den Vorgang am Brunnen im Zeisig zu erinnern , seit welchem wohl sieben bis acht Jahre mochten verflossen sein . » Auch vom Gymnasium ? « » Aber nicht von der gleichen Klasse , denn wir sind etwas jünger ! « sagte Julian ; » wir kommen nur in der Singstunde zusammen ! « » Also ein Paar Zwillinge , ohne Zweifel ! Und woher zu Haus ? « » Wir wohnen im Zeisig , nicht weit von der Kreuzhalde ! « Jetzt dämmerte es wie eine Erinnerung in Salanders Seele ; er sah nach und nach die rundlichen Bübchen mit ihren Schürzen , von denen freilich an den vor ihm stehenden Heranwüchslingen keine Spur mehr zu erkennen war . » Und was macht die Mama ? Lebt sie noch ? « fragte er weiter . » Sie ist auch dort am Tisch und ganz gesund ! « lautete die Antwort . » Das freut mich ! Und ihr jungen Leute wollt also auch studieren ? Und was , wenn man fragen darf ? « » Das wissen wir noch nicht ! Vielleicht die Rechte , einer vielleicht Medizin ! « sagte Julian ; Isidor fügte hinzu : » Wir können auch Professoren werden , wenn wir wollen , weil sie jetzt so hoch bezahlt werden , sagt die Mama ; nur sollten wir hierbleiben . « » Gut so ! « erwiderte Herr Salander ; » nun wollen wir aber doch sehen , wo die Mutter ist ! Kommt , Kinder ! « Die Töchter wiesen ihm den Weg , und die keineswegs schüchternen Jungen folgten ihnen auf dem Fuße , während die Musikanten eine neue Tanzweise anstimmten . Frau Marie war sehr froh , ihren Mann so unverhofft vor sich zu sehen . Sie saß , das Waldesgrün dicht im Rücken , unter einfach bürgerlichen Leuten , welche sich an den billigen Getränken und Speisen gelassen erquickten , an dünnem , aber gesundem Wein , süßer Milch , Bauernbrot , Kraut und Speckkuchen . Neben ihr saß die Frau Amalie Weidelich , so rüstig wie je , einem Kessel voll Lauge vorzustehen . Dabei gedieh sie offenbar vortrefflich ; denn sie war höchlich herausgeputzt , trug einen bunten Blumenhut und eine goldene Uhr an langer Kette auf dem Leibe . Das breite Gesicht glänzte kräftig gebräunt , und ein zarter Rosenton auf den Höhen der Wangen , des vollen Kinns und der Nase zeugte nur von dem Fleiße der Frau , die ein Haus voll Wäscherinnen und Plätterinnen zu regieren hatte und deren zahlreiche Erfrischungen in Wein wie billig vorkostete . Am frühen Wintermorgen , ehe die mächtige Kaffeekanne aufrückte , gab es sogar ein Gläschen Kirsch- oder Nußwasser . Sie begrüßte den Martin Salander sehr freundlich und ganz unbefangen . » Denken Sie , « rief Frau Weidelich , » wir haben gar nicht gewußt , daß wir vor Jahren einmal Nachbarn gewesen sind ! Nun sind ' s unsere Söhne in der Schule ! « Sie blickte mit Stolz auf die ihrigen und suchte dann wohlwollend den Salanderschen . » Arnold ist in das Holz hineingegangen , um Pflanzen zu suchen , « bemerkte Frau Salander , » geht , Mädchen ! und ruft ihn herbei , damit wir auch ans Aufbrechen denken können . Die Sonne dort geht bald hinab ! « » Das eilt ja nicht so , « versetzte Frau Weidelich , » wir haben ja Mannsleute genug bei uns ! Ja , ja , Herr Salander ! Ihr habt Eueren Weg tapfer gemacht und seid jetzt ein reicher Herr , wie ich glaubwürdig finde ! Aber nicht wahr , es freut einen nur , wenn man erfreuliche Kinder hat , an die man es wenden kann ? Gott sei Dank , uns geht es auch ordentlich ! Aber alles , was wir aufbringen , opfern wir unsern zwei Söhnen und ihren künftigen Tagen . Ich hoffe , sie werden es einbringen und von sich reden machen ; denn in der Lehre und allem , was nötig ist , soll es an nichts fehlen ! Wir hätten gerne im Zeisig ein neues Haus gebaut statt der alten Bauernhütte ! Aber nein ! sagten wir , es tut ' s noch , solange wir da sind , und wo die Söhne sich niederlassen und bauen werden , kann man ja noch gar nicht wissen . Also wollen wir lieber das Geld behalten und uns schicken ! « Sie wollte wieder einen Blick auf ihre Zwillinge werfen , fand sie aber nicht , weshalb ihre Augen dieselben sogleich suchten . Die zwei Salanderfräulein hatten ihren Bruder Arnold im Innern des Gehölzes nicht lang gesucht , sondern nur ein paarmal gerufen , und waren dann wieder unter die vorderen Bäume gekommen , wo sie , einander um die Hüften fassend , Schwesterliebe oder Mädchenfreundschaft darstellend , auf und ab spazierten , begleitet von den Zwillingen links und rechts . Die Mama Weidelich nahm den Aufzug wahr . » Seht doch ! « sagte sie gerührt , » wie lieblich die jungen Leutchen dort spazierengehen ! Man könnte glauben , es seien zwei Brautpärchen ! « » Ei freilich , warum nicht , « meinte Frau Salander lachend , » die Mädchen wären wenigstens alt genug für die Knaben , und zu wachsen brauchten sie auch nicht mehr ! « » Das hat nichts auf sich ! « rief wiederum die andere Mutter ; » meine Buben werden Bursche abgeben , aus denen man zwei machen kann vom Stück ! « Frau Marie fühlte sich von diesen Scherzen nicht angenehm berührt ; als sie daher nach den Kindern sah und bemerkte , wie dieselben im Begriffe waren , mit dem Beginne eines Walzers wieder nach der Mitte der Tanzwiese abzuschwenken , jede der Töchter am Arm eines der Zwillinge , stand sie rasch auf und holte sie ein . » Was fällt euch ein , Setti , Netti ! « rief